Lostorf
Mietwohnungen statt Dorfbeiz: Restaurant Wartenfels wird abgerissen

Das Restaurant an der Hauptstrasse in Lostorf wird im April 2019 abgerissen. Auf dem Grundstück werden zwei Mehrfamilienhäuser gebaut. Die Baubewilligung steht jedoch noch aus.

Rahel Bühler und Silvana Schreier
Merken
Drucken
Teilen
Dieser Anblick gehört schon bald der Vergangenheit an: Das Restaurant Wartenfels an der Hauptstrasse wird im Frühling abgerissen.

Dieser Anblick gehört schon bald der Vergangenheit an: Das Restaurant Wartenfels an der Hauptstrasse wird im Frühling abgerissen.

Bruno Kissling

Die Bäume, die die Liegenschaft säumten, wurden grossflächig abgeholzt. Dies lässt die kleinen, braunen Pfeiler noch besser zum Vorschein kommen, die vom Dach des Restaurants Wartenfels in Lostorf ragen. Nachdem das Restaurant seit März 2017 zum Verkauf und seither leer stand, hatte es im Februar 2018 einen neuen Eigentümer gefunden: die GK Providens AG aus Olten.

Das Grundstück verfügt über eine Fläche von mehr als 5600 Quadratmeter. Neben dem Restaurant mit insgesamt über 100 Sitzplätzen gehört eine 5-Zimmerwohnung zur Liegenschaft. Ausserdem hatte es vor dem Gebäude rund 30 Parkplätze.

Neubau mit insgesamt zwölf Mietwohnungen

Der Eigentümer, die Liegenschaftsverwaltung GK Providens AG, will nach dem Kauf des «Wartenfels» nun einen Neubau in Angriff nehmen. Das Restaurant soll nicht weiter betrieben werden. Die ganze Liegenschaft wird abgerissen. An ihrer Stelle soll ein grosses Gebäude mit zwei separaten Eingängen mit insgesamt zwölf Mietwohnungen entstehen, wie Mauro Giorgini auf Anfrage dieser Zeitung sagt. Er ist Geschäftsführer der Integral Baumanagement AG in Olten, die die Bauleitung beim Projekt in Lostorf übernimmt.

Das Baugesuch für den Abbruch des «Wartenfels» und den Neubau der Mehrfamilienhäuser hat die Integral Baumanagement AG im November aufgelegt. Es seien keine Einsprachen eingegangen: «Das Projekt kann somit planmässig fortgeführt werden», sagt Giorgini.

«Gebäude muss komplett abgerissen werden»

Voraussichtlich im April 2019 soll der Abriss des Restaurant Wartenfels beginnen. Giorgini: «Das Gebäude muss komplett abgerissen werden, da es nicht mehr in einem guten Zustand ist.» In der heutigen Form könne nicht viel daraus gemacht werden.

Auf dem Grundstück an der Hauptstrasse 51 sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit je sechs Wohnungen entstehen. «Es handelt sich um Mietwohnungen für Ein- oder Zweipersonenhaushalte mit fairen Mietpreisen», so Giorgini. Auf je drei Geschossen würden sich die 2.5-Zimmer-Wohnungen verteilen. Dazu kämen noch Aussenparkplätze, die zum Teil überdacht sind. Eine Tiefgarage werde nicht gebaut. Im Sommer oder Herbst 2020 sollen die Mehrfamilienhäuser bezugsbereit sein.

Bisher noch keine Baubewilligung erhalten

Heinz Marti, der Lostorfer Bauverwalter, sagt auf Anfrage: «Die Baubewilligung wurde bisher nicht erteilt. Die Baukommission muss noch darüber befinden.»

Rückblick: Lostorfer Firma wollte Restaurant 2017 kaufen

Bis zum Verkauf an die GK Providens AG aus Olten gehörte das Restaurant Wartenfels der Familie Wyss, die die Beiz seit 1912 führte. Das Lokal galt als Treffpunkt für die Dorfbevölkerung sowie als Versammlungsort bei Sitzungen und Vereinsanlässen. Die Gründe für den Verkauf der Beiz sind nicht bekannt. Als die Veräusserung 2017 publik wurde, meldete die Lostorfer Firma Vogt AG zunächst Interesse an, das «Wartenfels» zu übernehmen, um damit einen Teil der Firmengeschichte zu bewahren: Denn nach der Gründung der Vogt AG im Jahr 1962 war sie eine Zeit lang in diesem Haus angesiedelt. Die Firma wollte das «Wartenfels» als Restaurant weiterführen und den Betrieb mit der Vermietung von zum Grundstück gehörenden Wohnung querfinanzieren. Aufgrund von Unstimmigkeiten über Nutzung und Finanzierung innerhalb des Verwaltungsrats der Vogt AG wurde das Projekt ab März 2017 nicht mehr weiterverfolgt, wie Geschäftsführer Thomas Vogt zu dieser Zeitung sagte.

Dass das Restaurant Wartenfels nicht mehr weitergeführt wird, sorgte für Enttäuschung bei den Lostorfern. Auch bei Gemeindepräsident Thomas Müller: «Die Gastrobetriebe wandern immer mehr in Richtung der Hauptverkehrsachsen, abgelegene Restaurants haben es schwer», sagte er damals zu dieser Zeitung. Ähnlich äusserte sich 2017 auch die Lostorfer SP. Sie hoffte damals, dass anstelle des «Wartenfels» ein neuer Treffpunkt für das Dorf entstehen würde. (RB/SIL)