Schönenwerd
«Micky Maus» stösst an seine Grenzen

Das Konzept der Schülerzuteilung durch die «Micky Maus»-Muster stösst an seine Grenzen. Der Gemeinderat von Schönenwerd legt deshalb zusätzliche Kriterien für die Zuteilung zu Schulhäusern fest.

Christian von Arx
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Der «Micky-Maus-Plan» bleibt Ausgangspunkt für die Zuteilung der Kinder auf die Primarschulhäuser Feld und Dorf. zvg

Der «Micky-Maus-Plan» bleibt Ausgangspunkt für die Zuteilung der Kinder auf die Primarschulhäuser Feld und Dorf. zvg

Walt Disney hat bei den Schulkarrieren in Schönenwerd ein Wörtchen mitzureden: Seine Micky Maus bestimmt darüber, welchem Primarschulhaus ein Kind zugeteilt wird. Gemeint ist damit aber nicht die Comicfigur, sondern eine nach ihr benannte Darstellung der Schulhaus-Einzugsgebiete (siehe Abbildung).

Anlass zu der scherzhaften Benennung des Plans gaben wohl die beiden «Mausohren» für die Wohngebiete Kreuzacker und Riedbrunnen.

Im Prinzip besagt «Micky Maus»: Ein Kind aus dem Ortsteil Feld besucht das Schulhaus Feld, ein Kind aus den Ortsteilen Dorf oder Holz besucht das Schulhaus 1888 im Dorf. Um einigermassen ausgeglichene Klassengrössen zu erreichen, können Kinder aus der «Schnittmenge» – also aus dem Gebiet, wo sich die Kreise überlappen – dem einen oder dem andern Schulhaus zugeteilt werden. So werden die Schulwege der Primarschulkinder nicht allzu lang oder gefährlich.

«Belastungen» ungleich verteilt

«Micky Maus» leistet der Gemeinde Schönenwerd und ihrer Schule seit Jahren gute Dienste, macht doch der Plan die Zuteilung der Kinder auf die zwei Primarschulhäuser für jedermann nachvollziehbar.

Die Zahl der Einsprachen unzufriedener Eltern blieb begrenzt. Doch in einem wichtigen Punkt stösst die schlaue Maus an ihre Grenzen: Die Bevölkerung der Ortsteile ist ausgeprägt unterschiedlich zusammengesetzt. Im Schulhaus Feld kommen rund zwei Drittel der Kinder aus fremdsprachigen Familien, im Schulhaus Dorf nur ein Drittel. Das schafft ungleiche Bedingungen für Unterricht und Lernerfolg.

Auf Wunsch der Lehrerschaft und des Schulleiters Kindergarten/Primarschule hatte sich der Gemeinderat diese Woche mit neuen Zuteilungskriterien für die Primarschulhäuser zu befassen. Im Vordergrund standen im Entwurf von Schulleiter Men Wieland die folgenden Kriterien:

1. Klassengrössen ausgewogen (ausgenommen reduzierte Abteilungen)

2. Verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler trennen beziehungsweise gleichmässig zuteilen

3. Fremdsprachige (Deutsch als Zweitsprache) ausgewogen beziehungsweise gleichmässig verteilen

4. Schülerinnen und Schüler mit Status «Spezielle Förderung» in Rücksprache mit Kindergärtnerinnen und Förderlehrpersonen (Heilpädagoginnen) zuteilen

5. Geschlechterverhältnis ausgewogen gestalten.

«Beschwerden programmiert»

Diese Kriterien stiessen im Gemeinderat sofort auf Verständnis. Hingegen schreckte der Rat davor zurück, «Micky Maus» ins Pfefferland zu schicken. Die Nähe von Wohnort und Schulhaus, also der kurze Schulweg, solle weiterhin am Anfang der Schülerzuteilung stehen. Sonst wären Beschwerden der Eltern programmiert, und der Gemeinderat als Beschwerdeinstanz hätte Mühe, ohne «Micky-Maus-Plan» die individuelle Zuteilung eines Kindes in ein Schulhaus zu erklären, wurde befürchtet.

Der Gemeinderat beschloss deshalb, «Micky Maus» solle weiterhin der Ausgangspunkt für die Schülerzuteilung bilden. Der Schulleiter soll jedoch die Einhaltung der erwähnten pädagogischen Kriterien sicherstellen und darf wenn nötig von der Zuteilung nach Wohnort abweichen.

Der Beschluss mit den neuen Kriterien kommt erstmals auf das kommende Schuljahr 2016/17 hin zur Anwendung. Dann werden in Schönenwerd 66 Knaben und Mädchen die 1. Klasse der Primarschule beginnen, was drei Parallelklassen ergibt, verteilt auf die zwei Schulhäuser.

Stufenschulhäuser chancenlos

Die Frage der Schülerzuteilung wäre gelöst, wenn Schönenwerd die zwei Primarschulhäuser als Stufenschulhäuser führen würde: Beispielsweise das Schulhaus Feld für alle Schüler der 1. bis 4. Klasse, das Schulhaus 1888 für alle Schüler der 5. und 6. Klasse.

Der Vorteil wäre die gleichmässige Zusammensetzung der Parallelklassen, der Nachteil die langen Schulwege. Bei der Diskussion zeigte sich, dass Stufenschulhäuser im Schönenwerder Gemeinderat derzeit auf klaren Widerstand stossen.