Die Entscheidung steht fest. Die ganze Familie freut sich. Andreas Meier macht seine Ankündigung wahr: Er wird Niedergösgen — die Gemeinde, in der die Familie Meier seit vier Generationen Bürger ist — verlassen und nach Schönenwerd ziehen. «Noch vor dem Wahlsonntag am 23. September habe ich meinen Kindern versprochen: Ich ziehe in ihre Nähe, wenn ich verliere», erklärt der Bauunternehmer auf Anfrage.

Sohn und Tochter wohnten beide mit ihren Familien in einem Haus auf dem ehemaligen Werkhof-Areal der Mader & Cie AG in Schönenwerd. Dort baut Meiers Firma Tannenbaum Generalbau AG eine neue Einfamilienhaus-Überbauung. Im Januar 2018 fand der Spatenstich statt — die gesamte Familie Meier war anwesend. Meier: «Nun habe ich dort eines der letzten noch unverkauften Einfamilienhäuser für mich und meine Frau reserviert. Die Entscheidung ist also gefallen und definitiv.» Gleichzeitig bleibe das Baugeschäft, die Andreas Meier AG, aber in Niedergösgen stationiert.

«Ich bleibe noch Gemeinderat»

Meier muss nun nur noch die Fertigstellung seines neuen Hauses abwarten. Bis dahin bleibt er Niedergösgen aber noch eine Weile erhalten: «Nach Möglichkeit möchte ich bis zum Ende der Amtsperiode im Gemeinderat bleiben und auch das Amt als Vize-Gemeindepräsident weiter ausüben.» Das hänge aber auch davon ab, wie sich die Zusammenarbeit mit dem neu formierten Gemeinderat und dem neu gewählten Gemeindepräsident Roberto Aletti gestalte, so Meier.

Aletti weiss von den Umziehplänen seines Gemeinderatskollegen: «Er hat mich nach dem Wahlsonntag in einem längeren Gespräch darüber informiert. Da er die laufende Legislatur beenden will, stellt sein Wegzug kein Problem für mich dar», sagt der frischgebackene Gemeindepräsident auf Anfrage. Zu- und Wegzüge müsse man akzeptieren, «auch wenn mal ein guter Steuerzahler die Gemeinde verlässt». Er verstehe Meiers familiäre Beweggründe für die Entscheidung, weshalb er ihn nicht vom Wegzug habe abhalten wollen.

Meier nennt das Versprechen an seine Kinder und seine Frau als Hauptgrund für das Verlassen von Niedergösgen. Dennoch hat auch der Wahlkampf für das Gemeindepräsidentenamt Spuren hinterlassen: «Sicher war auch die fehlende Unterstützung der Bürgergemeinde ausschlaggebend. Acht Bürgerräte waren im Komitee von Roberto Aletti und Bürgergemeindepräsident Patrick Friker unterstützte Aletti öffentlich mit einem Inserat. Das hat mich schon getroffen.»

«Meiers Reaktion ist unbegründet»

Friker nimmt auf Anfrage Stellung: «Der Wegzug ist seine persönliche Entscheidung, die ich nicht weiter kommentiere.» Dass seine Familie, die seit Jahren Bürger von Niedergösgen ist, wegziehe, sei «ein Verlust, wie jeder andere Wegzug eines Bürgers». Die Bürgergemeinde habe keinen Kandidaten unterstützt. Vielmehr hätten sich einige Exponenten — und er als Präsident und CVP-Vorstandsmitglied — für Aletti eingesetzt. Friker: «Das ist legitim und deshalb ist die Reaktion von Andreas Meier unbegründet und nicht nachvollziehbar.»

Für Meier ist nach der verlorenen Wahl Ende September klar: «Ich werde mich nie wieder für ein politisches Amt zur Wahl stellen. Ich will mich jetzt meiner Familie und den Projekten meiner Firma widmen.» Somit sei ausgeschlossen, dass er ein Amt in seinem künftigen Wohnort Schönenwerd übernehme.

Peter Hodel, Gemeindepräsident von Schönenwerd, wusste noch nichts vom Zuzug der Familie Meier. Er kenne Andreas Meier einerseits als Unternehmer, der mit seiner Firma bereits einige Aufträge für die Gemeinde ausgeführt habe. «Andererseits kenne ich ihn auch privat. Ich war etwa ans Oktoberfest in Winznau eingeladen und durfte dort das Bierfass anstechen», erzählt Hodel. Immer wieder fänden Neuzuzüger den Weg nach Schönenwerd. «Ich begrüsse sie, ohne zu werten. So teile ich sie auch nicht in gute oder schlechte Steuerzahler ein», so der Gemeindepräsident. Aber sicher sei die Gemeinde froh um engagierte Personen wie Meier, die Interesse haben, mitzuwirken.