#AllesAngers
Mehr als Baguette und Käse

Rahel Bühler aus Walterswil ist freie OT-Mitarbeiterin und absolviert derzeit ein Austauschsemester in Angers, Frankreich. In ihrer Kolumne #AllesAngers schildert sie ihre Erfahrungen und Beobachtungen. Heute: Von Französischen Essgewohnheiten.

Rahel Bühler
Rahel Bühler
Drucken
Teilen

Keystone

Wenn ich an die französische Küche denke, kommen mir sofort Schnecken und Froschschenkel in den Sinn. Und Käse, Wein und Baguette. Schnecken finden sich hier auf so mancher lokalen Speisekarte wieder, Froschschenkel nicht. Käse, Baguette und Wein sind dagegen omnipräsent. Denn die Region um Angers ist ein Weinanbaugebiet.

Offiziell heisst das Departement, in welchem die Stadt liegt, zwar Maine-et-Loire, aber weil in Frankreich auch heute noch vieles historisch verbunden ist, wird das Gebiet meist Anjou genannt. Seit 2011 wird der lokale Wein unter einem geschützten Label hergestellt und verkauft.

Egal ob rot, rosé oder weiss: Die meisten Bars und Restaurants führen eine beachtliche Liste an lokal-produziertem Wein, sodass es nicht reicht, wenn Otto-Normal-Verbraucher ein «verre de vin blanc» bestellt.

Dann kommt meistens die Frage nach fruchtig, trocken oder, mein persönliches Lieblingswort (nein, der Umstand, dass ich es nie richtig aussprechen kann, trägt nicht dazu bei): moelleux. Ausgesprochen wird es moellöö und bedeutet «gesüsst».

Auch Bäckereien gibt es hier zu genüge. An jeder Ecke lockt eine Andere mit dem vertrauten Geruch nach frischem Brot oder anderen süssen Versuchungen.

Das wohl bekannteste Exportprodukt aus dem Anjou ist der Cointreau. Der leicht bittere Likör in der braunen Flasche, der zum Mixen von Cosmopolitans verwendet wird, wird im Nachbardorf von Angers hergestellt. Allerdings sind die Orangen, die es dafür braucht, längst nicht mehr aus französischem Anbau.

Nur logisch also, findet der Cointreau oft Eingang in die regionale Küche. Es gibt zum Beispiel ein Dessert, dass sich Crémet d’Anjou nennt, hauptsächlich aus Crème fraiche besteht und ein bisschen aussieht wie weiche Merängge oder Schlagrahm.

Ein weiterer Klassiker auf der Speisekarte ist die «Soupe angevine». Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Suppe, sondern um einen Cocktail mit Cointreau, Zitronensaft, Zucker und Schaumwein.

Typisch für die lokale Küche sind die sogenannten Rillauds, in Stücke geschnittenes Schweinefleisch, welches im eigenen Fett gebraten wird. Oder die «Quernons d’Ardoise»: Karamellisiertes Nougat, umhüllt mit weisser Schokolade, die blau eingefärbt wird.

Gegessen hab’ ich beides (noch) nicht. Ersteres nicht, weil es mich gar nicht appetitlich dünkt. Letzteres nicht, weil ich nicht bereit bin, 15 Euro für ein Säckchen von 200 Gramm auszugeben. Dann bleibe ich lieber bei der guten alten Lindt-Schoggi.

Aktuelle Nachrichten