Manuel Fasnacht, 2017 fahren Sie zum letzen Mal in der U23-Kategorie. Was bedeutet das für Sie?

Manuel Fasnacht: Ich will dieses Jahr den Durchbruch schaffen. Das heisst konkret, dass ich an den Weltcup-Rennen regelmässig in die Top 10 fahren will. Dies ist die Voraussetzung für eine Karriere bei der Elite. Das Ziel ist hochgesteckt, doch 2016 habe ich bereits eine gute Basis gelegt. Jetzt muss der nächste Schritt kommen.

Im vergangenen Jahr schauten zwei 11. Plätze an Weltcup-Rennen heraus. Sind Sie zufrieden mit der Saison 2016?

Meine Erwartungen habe ich übertroffen. Ich konnte an den Weltcup-Rennen immer in die Punkte, also in die Top 25 fahren. Deshalb bin ich sehr zufrieden. Vor allem die Formkurve hat gestimmt. Ich wurde im Verlauf der Saison immer stärker. Die Weltcup-Rennen haben natürlich Priorität, doch auch der Heimsieg in Lostorf am Argovia-Cup war ein grosses Highlight für mich.

Gab es 2016 auch Tiefpunkte?

An der Schweizer Meisterschaft verpasste ich als Vierter knapp die Medaillen, das war sicher ärgerlich. Aber im Radsport kann man halt immer mal einen schlechten Tag einziehen. Grosse Rückschläge hatte ich 2016 zum Glück nicht. Im Gegenteil, ich konnte seit langer Zeit wieder mal an internationalen Titelwettkämpfen teilnehmen, was allein schon positiv ist. Auch die Resultate waren gut: Platz 19 an der EM in Schweden, Platz 21 an der WM in Tschechien.

Sie haben es angetönt: In den letzten Jahren konnten Sie sich wegen einer sportlichen Krise nicht für Europa- oder Weltmeisterschaften qualifizieren.

2012 hatte ich ein Super-Jahr bei den Junioren. Ich bin schnell durchgestartet und hatte sehr gute Resultate. Doch dann nahm ich das Ganze wohl zu ernst. Ich machte mir selber zu viel Druck und war an den Rennen deshalb zu verkrampft. Und wenn du mal im Loch bist, beginnst du plötzlich alles zu hinterfragen. Ich brauchte rund zwei Jahre, einen Trainer- und einen Teamwechsel, um wieder auf die Spur zu finden.

Können Sie dieser schwierigen Phase in Ihrer Karriere rückblickend auch Positives abgewinnen?

Ja, dass ich dranblieb und mich durch die Krise kämpfte. Mountainbiken gehört einfach zu mir, das war meine Hauptmotivation. Und ich wusste ja, dass ich mal gut war, und sagte mir, dass es wieder besser wird. Ich wollte mir einfach auch beweisen, dass ich es draufhabe. Heute bin ich wirklich froh, dass ich es durchgezogen habe.

Gab es einen konkreten Wendepunkt?

Mitte 2015 sagte ich mir, jetzt muss endlich etwas gehen. Ich brauchte einen neuen Anstoss und wandte mich an die Crossklinik in Basel, die Trainingspläne für Spitzensportler erstellt. Ab da ging es wieder brutal bergauf. Ich fühlte mich wohl und die Resultate wurden wieder besser.

Im Moment können Sie sich voll und ganz auf den Sport fokussieren. Wie ist dies möglich?

Weil ich noch bei den Eltern wohne und dank langjährigen privaten Sponsoren und dem Wheeler Pro Team, für das ich dieses Jahr fahre. Dieses umsorgt und unterstützt mich optimal. Mein Ziel ist es, dass ich irgendwann einmal vom Sport leben kann. Es ist nicht so, dass es mir momentan schlecht geht, aber im Luxus lebe ich nicht.

Wie sieht Ihr Trainingsplan aus?

Zwei Einheiten pro Tag à je zwei bis drei Stunden. Nicht nur auf dem Mountainbike, auch joggen und Krafttraining gehören dazu. Auch die Pflege des Bikes, das Anziehen vor und das Duschen nach dem Training, die Analyse mit dem Coach und die richtige Ernährung brauchen viel Zeit, das sehen viele Leute nicht. Und zwischen den Trainings brauchts die richtige Erholung, sonst ist der Aufwand umsonst. Wer gut erholt ist, trainiert effektiver.

Wie erholen Sie sich am besten?

Manchmal mit Massagen, aber meistens liege ich zu Hause rum, sehe fern oder lese Biografien von bekannten Sportlern.

Trainieren Sie vorwiegend alleine?

Im Moment habe ich immer am Mittwoch ein Technik-Training mit dem Verein Racing Club Gränichen. Am Wochenende begleiten mich manchmal Kollegen auf meinen Touren. Doch meistens bin ich allein. Im Spitzensport muss man heutzutage ein Egoist sein. Mein Trainingsprogramm ist sehr spezifisch auf mich zugeschnitten und würde anderen Fahrern wohl nicht passen.

Um zwei Trainingslager zu finanzieren, haben Sie in den vergangenen drei
Monaten auf einer Crowdfunding-Plattform Geld gesammelt. Mit grossem Erfolg: Statt den erhofften 5000 kamen über 7000 Franken zusammen.

Das war für mich das erste Mal, dass ich auf diesem Weg finanzielle Unterstützung gesucht habe. Ich bin positiv überrascht, denn ich zweifelte am Anfang, dass der Betrag tatsächlich zusammenkommt.

Das erste Trainingslager ist bereits
vorbei. Sie waren im Dezember für zwei Wochen auf Gran Canaria. In
wenigen Tagen gehts für drei Wochen nach Südafrika. Wäre eine Saisonvorbereitung in der Schweiz nicht möglich?

Doch, aber es wäre viel mühsamer, in der Schweiz zu trainieren. Alles ist nass. Und wenn du die Hände vor Kälte nicht mehr spürst, ist der Moment gekommen, das Training abzubrechen. Ich freue mich auf die perfekten Bedingungen in Südafrika und darauf, endlich Kilometer abspulen zu können.

Wann beginnt für Sie die neue Saison?

Das UCI-Rennen Mitte März in Mailand wird mein erstes Rennen im Jahr 2017 sein. Im April starten dann die Mountainbike-Rennen in der Schweiz. Diese Rennen gehen in die Bewertung ein, wenn es darum geht, die Schweizer Startplätze für die EM in Istanbul und die WM in Australien zu vergeben. Auf der U23-Stufe gehöre ich in der Schweiz diese Saison sicher zu den besten Fahrern. Doch alle haben das gleiche Ziel, den Durchbruch zu schaffen. Mal schauen, wer sich durchsetzt.

Wie gehts weiter, falls Ihnen der Durchbruch nicht gelingt?

Wenn ich keine Erfolgschancen mehr sehe, werde ich sicher nicht mehr ewig dabeibleiben. Wenn ich den Durchbruch 2017 nicht schaffe, muss ich realistisch sein und mir eingestehen, dass ich es nie bis ganz nach vorne schaffe in der Weltspitze. Mit dem Sport Mountainbike würde ich aber trotzdem in Verbindung bleiben. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, Trainingspläne für junge Talente und Hobby-Sportler zu erstellen und sie so zu unterstützen, was ich übrigens heute schon mache. Doch noch ist es mein ganz grosser Traum, bei den U23-Weltcup-Rennen ganz vorne mitzufahren. Dafür gebe ich alles. Und viel fehlt nicht mehr.