Lostorf
Mal kraftvoll, mal ruhig – «Handwerk erleben» im Dorfmuseum

Die aktuelle Ausstellung «Handwerk erleben» im Dorfmuseum ist bisher ein grosser Erfolg. Weitere Handwerker sind bis Ende Oktober jeweils am Sonntag zu Gast.

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Faszinierendes Glasblasen: Christoph Theiler (Lostorf) zeigt seine Kunst.

Faszinierendes Glasblasen: Christoph Theiler (Lostorf) zeigt seine Kunst.

zvg

Immer sonntags, seit dem 4. September und noch bis am 30. Oktober, zeigen Handwerker im Dorfmuseum Lostorf ihr Schaffen. Bei Drechsler Gerhard Schraner aus Sulz flogen die Holzspäne, vom Kugelschreiber in heimischem Holz gefasst, über Flaschen- öffner (mit Sulzer Schrauben bestückt) bis zu Vasen und Serviettenringen – schöne Dinge aus Holz.

«Ich nehme ein Stück Holz in die Hand und schaue dann, was ich daraus mache. Das Gefühl dafür hat sich bei mir über die Jahre entwickelt», so der Drechsler, der die Drechslerei als Freizeitbeschäftigung betreibt.

Ein junger Schreinerlehrling versuchte sich dann im Drechseln und erhielt dazu gerade noch eine Lektion Holzkunde. Er wolle das Drechseln auch erlernen, so der Jugendliche. Dies sei eher selten, dass ein Schreiner auch drechsle, fügte Simon Spinnler an.

Er und sein Vater hatten die Werkstatt der Schreinerei neben dem Dorfmuseum geöffnet, der eine oder andere Besucher durfte sich an den Hobeln versuchen. Interessante Stuhlgeschichten gab es bei den vor der Werkstatt aufgereihten Stuhlreihe zu erfahren.

Am Sonntag darauf zeigten Rosmarie und Gottfried Kaufmann das alte, beinahe vergessene Strohhandwerk. Sie fertigt aus Stroh wunderbare Kränze, filigrane Strohengel und -sterne bis hin zu Schmuck. Er «hüetelt» – stellt also Strohhüte her.

Eine Besucherin war sehr erfreut: «Schön, dass ich das Handwerk so nahe betrachten kann und dafür nicht ins Strohmuseum nach Wohlen fahren muss.» Die 11-jährige Livia getraute sich, an einem Strohhut mit zu flechten: «Das ist gar nicht so schwer, aber ruhige Hände und Geduld braucht es schon.» Ihre Grossmutter Rosemarie Annaheim zeigte im Parterre des Dorfmuseums ein ebenfalls sehr altes Handwerk, das Klöppeln.

Spinnen, Filzen, Glasblasen

Eine Woche später zeigte Franziska Greter den interessierten Besuchern das Verspinnen aus Wolle zu Garn und die verschieden Arten dickes oder dünnes Garn zu produzieren. Annette Knoblauch präsentierte das Filzen. Aus Schafwolle walkte sie Filz. Ausgestellt waren Filzprodukte vom Hut über Lampendeko, Pulswärmer bis zu einem Mantel, veredelt mit eingewirkter Seide. Grundmaterial sind verschiedene Wollarten von Angorahasen, Alpakas und Merinoschafwolle.

Am vergangenen Sonntagnachmittag präsentierte Christoph Theiler das Glasblasen. Die Verarbeitung von Glasstäben und Glasrohren zu grazilen kleinen Engeln faszinierte vor allem die Kinder. Weiter konnte man kunstvolle Hexen, Weihnachtskugeln, Windlichter und Vögel bestaunen. Monique Tabeling zauberte mit äusserst ruhiger Hand Vögel und Blumenranken auf das Porzellangeschirr. Wiederum fanden sehr viele Besucher den Weg in die Ausstellung. (RGN)

Dorfmuseum Lostorf, Hauptstrasse 49, Parkplätze vorhanden. Öffnungszeiten: Immer sonntags von 14 bis 17 Uhr, noch bis 30. Oktober.