Es gibt die grossen Gerichtsfälle, die allseits Beachtung finden, über die spekuliert wird und wilde Gerüchte entstehen. Und dann gibt es kleinere Fälle, die wenig Beachtung finden, die jedoch einen interessanten Einblick in nicht ganz alltägliche Streitereien zwischen Nachbarn erlauben. Ein solcher wurde am Montag vor dem Richteramt Olten-Gösgen verhandelt.

Ein Mail macht den Anfang

Stein des Anstosses war ein Mail, das Elias T.* an den Arbeitgeber von Marianne L.* geschickt hat. Elias T. war der Vermieter der Wohnung und der Rossbestallungen der Klägerin. Im Mail wurden Anschuldigungen an Frau L. vorgebracht. Zum Beispiel soll Marianne L. mit den Mietzinsen in Verzug sein und ihre Pferde sollen angeblich im «knietiefen Scheissdreck» stehen.

Auch hätten diese, weil sie angeblich hungerten, den Laufstall angeknabbert. Zudem habe eine grosse «Sauordnung» in der Umgebung der Wohnung von Marianne L. geherrscht, wie aus dem Strafbefehl vom 26. November 2014 weiter hervorgeht. Dieses Mail an ihren Arbeitgeber habe ihre Beförderung um ein halbes Jahr hinausgezögert, so Marianne L. Dies wurde vom ehemaligen Arbeitgeber und vom Anwalt des Beschuldigten jedoch in Abrede gestellt.

Nun trafen sich also die beiden Parteien vor Gericht. Schnell zeigte sich, dass der Auslöser des Mails wohl tiefer liegt, als beide Parteien zugeben wollten. Amtsgerichtspräsidentin Eva Berset wollte vom Beschuldigten wissen, warum er denn dieses Mail überhaupt verfasste. «Ich wollte der Frau helfen, weil sie überfordert war», gibt Elias T. zu Protokoll.

Denn sie sei offenbar überfordert gewesen, da sie im Schichtbetrieb gearbeitet habe und so gar nicht die nötige Zeit hatte, sich genügend um die Pferde zu kümmern. An den Arbeitgeber von Marianne L. habe er sich in der Hoffnung gewandt, dieser würde sie unterstützen. Primär ging es ihm darum, die Tiere zu schützen.

Dem widersprach die Klägerin vehement. Sie sei keineswegs überfordert gewesen, habe jeweils am Morgen den Stall ausgemistet und die Pferde immer mit genügend Nahrung versorgt. «Die Stute war sogar zu dick, hat mir der Tierarzt gesagt.» Zugegeben hat Marianne L., dass sie mit ihrem Mietzins in Verzug gewesen sei.

Dies weil ihr Pferd unter Koliken litt und die Behandlung dementsprechend teuer war und ihr Erspartes aufgefressen habe. Dies habe sie ihrem Vermieter Elias T. mitgeteilt. In der Folge habe er sich vor ihr aufgebaut und ihr mit Nachdruck gesagt, dass man ihm nichts schuldig bleibe. Mittlerweile hat Marianne L. ihren Arbeitgeber gewechselt und zog nach einem Jahr im Niederamt wieder weiter.

Zwei Zeuginnen und viel Streit

Dass die Pferde nicht artgerecht gehalten wurden, sie Hunger leiden mussten und dass die Umgebung, der Stall und der Pferdepaddock verwahrlost waren, davon sprachen die beiden geladenen Zeuginnen. Auch konnten sie beobachten, dass der Vermieter manchmal selbst die Pferde gefüttert habe. «Damit sie wenigstens was zu fressen haben», sagte Elias T. Abklärungen beim Veterinärsdienst haben laut dem Strafbefehl ergeben, dass «keinerlei Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz» festzustellen sei.

Beide Zeuginnen standen mit der Privatklägerin indes nicht auf bestem Fuss, wie sich vor Gericht zeigte. Eine Zeugin wollte sogar ihr Mietverhältnis auflösen «weil ich nicht mehr neben Marianne L. wohnen wollte».

Der Streit zwischen Marianne L. und dieser Zeugin gipfelte darin, dass die Zeugin den angeblich streunenden Hund von Marianne L. ins Tierheim gebracht hat. Auch wurde immer wieder die Sauberkeit in der Wohnung der Klägerin und im gemieteten Stall in Abrede gestellt. Eine zerfahrene Situation in allen Belangen also.

Der Anwalt des Beschuldigten sprach sich in seinem Plädoyer für einen Freispruch seines Mandanten aus. Einen Punkt, den Rechtsanwalt Daniel Bitterli, Olten, vorbrachte, war, dass sein Mandant gar nicht der üblen Nachrede verurteilt werden könne. Dies weil die Aussagen der Zeuginnen zeigten, dass im Mail nur die Wahrheit stünde und diese in bester Absicht dem Arbeitgeber geschickt worden sei.

Denn er habe ja nur helfen wollen. «Ich frage mich, warum er mir nicht einfach gekündigt hat, dann wäre ich gegangen und alles hätte sich erledigt», schloss daraufhin die Privatklägerin. «Ich hatte keinen Grund sie rauszuekeln, schliesslich bin ich als Vermieter daran interessiert langjährige und gute Mieter zu haben», antwortete der Beschuldigte zum Abschluss der Verhandlung.

* Namen von der Redaktion geändert.