Partnergemeinden

Lostorf und Rielasingen: Eine rosige Verbindung über den Rhein

Die Gemeinden Lostorf und Rielasingen sind seit 1998 verschwistert. Die Verbindung geht historisch zurück bis ins Spätmittelalter.

Wie Dulliken mit dem fränkischen Ammersdorf pflegt auch die Gemeinde Lostorf eine Beziehung zu einer Partnergemeinde in deutschen Landen. Seit 1998 sind Lostorf und Rielasingen verschwistert. Gut 12'000 Einwohnerinnen und Einwohner leben in der Baden-Württembergischen Kleinstadt, einen Steinwurf von der Schweizer Grenze entfernt. Südlich der Stadt Singen gelegen, schliesst Rielasingen an das schaffhausische Ramsen an, das rechtsrheinisch wie eine Schweizer Landzunge in den so genannten Hegau hineinragt. Ähnlich wie Lostorf mit Mahren gehören auch zu Rielasingen noch Ortsteile: Seit 1939 sind Arlen und seit 1975 Worblingen und sein Teil der Gemeinde, die offiziell Rielasingen-Worblingen heisst. Am heute nicht mehr regelmässig genutzten Bahnhof steht «Arlen-Rielasingen» angeschrieben.

Eisenbahnmässig wurde das Gebiet von der Nationalbahn erschlossen. Die Ostsektion von Singen über Rielasingen bis Zofingen ging 1879 für kurze Zeit in Betrieb, ehe der Konkurs eintrat und die Nordostbahn die Strecke billig aufkaufte. 1969 wurde auf zwischen Singen und Etzwilen der Personenverkehr eingestellt, seit einigen Jahren führen dampfbetriebene Museumszüge bis zur ehemaligen Station Arlen-Rielasingen. Ein Verein bemüht sich, wieder Züge durchgängig bis Singen rollen zu lassen, wozu ein Stück Schiene durch einen Verkehrskreisel gelegt werden musste. Als eine der wenigen SBB-Strecken war die Linie nie elektrifiziert. Die in Olten beheimatete Streckendiesellok Bm 4/4 II 18451 fuhr üblicherweise auf dieser Linie. Allerdings bildete nicht die Eisenbahn die Grundlage für die Verschwisterung von Lostorf und Rielasingen.

Mittelalterliche Herrschaftsverhältnisse

Eine gemeinsame Geschichte verbindet die Orte: Im Jahre 1340 heiratete die Tochter der Adelsfamilie von Tengen-Wartenfels einen Abkömmling von Rosenegg, der Freiherren mit Stammburg im Gebiet von Rielasingen. Ihre Mitgift, die Herrschaft Wartenfels, ging auf die Roseneggs über, die sich zu dieser Zeit im Zenit ihrer Macht befanden. Im 15. Jahrhundert mussten sie aus Geldmangel ihren Streubesitz nach und nach abstossen. Die Herrschaftsrechte über Wartenfels übernahmen 1458 die verschwägerten von Bubenberg aus Bern.

Das Rosenegg-Geschlecht erlosch 1480. Die Rielasinger Heimatforscherin Gertrud Streit hat diese Verbindung zusammen mit dem Hobbyhistoriker Markus Niggli aus Lostrof aufgearbeitet. Dabei stellten sie auch fest, dass auch die beiden Gemeindewappen auf die Familie der Freiherren von Rosenegg zurückzuführen sind. Auf beiden Schilden sind drei Rosen abgebildet.

Partnerschaft nicht mehr missen

Bis es zu einer offiziellen Partnerschaft kam, brauchte es mehrere Anläufe, berichtet Lostorfs Gemeindepräsident Thomas A. Müller: «Nach verschiedenen Treffen in den 1980er- Jahren wurde dann im Frühjahr 1998 die Partnerschaftsurkunde zwischen unseren beiden Gemeinden anlässlich unserer 850 Jahre Feier von meinem Vorgänger, Gemeindepräsident Paul Lang, und ein Jahr später auch von Bürgermeister Ottmar Kledt in Rielasingen feierlich unterzeichnet.» Eine rosenumkränzte Tafel erinnert am Lostorfer Ortseingang an die Partnerschaft.

Die Partnerschaft wird heute auf offizieller Ebene durch den Gemeinderat gepflegt. «Normalerweise findet alle zwei Jahre ein Besuch statt. 2018 waren wir in Deutschland, somit wird uns der Rielasinger Gemeinderat diesen Herbst besuchen.» Daneben treffen sich auch die Vereine untereinander: «Auch die beiden Feuerwehren besuchen sich beispielsweise zu grösseren Anlässen. Es gab auch schon einen Kulturaustausch mit Künstlern. Zudem gibt es auch private Kontakte, die zu Besuchen führen», erklärt Müller, der die Partnerschaft nicht missen möchte. «Das Ganze darf zweifellos als Erfolg bezeichnet werden. Es ist ein Beweis dafür, dass eine historische Verbindung über Jahrhunderte noch nachwirken kann.»

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