Gretzenbach
Loch in der Wiese sorgt bei Anwohnern für mulmiges Gefühl: «Auf jeden Fall habe ich jetzt Angst»

Der Eppenbergtunnel hinterlässt in Gretzenbach nicht nur ein Loch im Acker, sondern auch Unsicherheit bei Anwohnern.

Sarah Kunz
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Auf diese Häuser im Hintergrund steuert die Bohrmaschine der SBB momentan zu. Im Vordergrund das Erdloch.

Auf diese Häuser im Hintergrund steuert die Bohrmaschine der SBB momentan zu. Im Vordergrund das Erdloch.

Bruno Kissling

Die Bilanz des Eppenbergtunnels sorgt bisher für mulmige Gefühle: Risse in den Häusern der Anwohner in Schönenwerd und nun auch ein sechs Meter breites und drei Meter tiefes Erdloch in Gretzenbach. Damit wirft der Bau der SBB viele offene Fragen auf. Vor allem bei den Anwohnern in Gretzenbach herrscht momentan grosse Unsicherheit. Denn auf ihre Häuser steuert die Bohrmaschine in den nächsten Tagen zu.

Das Erdloch im Acker wurde aufgrund eines Hohlraums verursacht, der nach den Bohrungen in der Erde entstanden ist. Dies, weil sich die Bohrungen des neuen Tunnels momentan in einer schwierigen Übergangsphase von hartem Fels- zu Lockergestein befinden. Laut den SBB werden die Bohrungen wie geplant weiter gehen und das Loch in den nächsten Tagen gefüllt. Für die Anwohner hinterlässt das Loch jedoch einen bleibenden Eindruck.

Mulmiges Gefühl der Anwohner

Einer dieser Anwohner ist Giosuè Langone, der seit 45 Jahren in Gretzenbach wohnt. «Auf jeden Fall habe ich jetzt Angst», sagt dieser zum regionalen TV-Sender Tele M1. Obwohl er bisher immer zuversichtlich gewesen sei. Aber bereits als die Arbeiten am Tunnel Risse in einigen Häusern in Schönenwerd zur Folge hatten, bildete sich bei Langone ein mulmiges Gefühl. «Und jetzt sehe ich in der Zeitung ein solches Loch», meint er bestürzt.

Auch bei anderen Betroffenen ist die Angst gewachsen, obwohl nicht alle namentlich Stellung nehmen wollen. «Ich will keine Panik verbreiten», begründet eine Anwohnerin diese Entscheidung. Aber Angst hätte sie mittlerweile schon.

Ob diese begründet ist, wird sich in den folgenden Wochen zeigen. Fakt ist, dass die Bohrarbeiten aufgrund des Erdlochs nicht eingestellt werden. «Wenn etwas passiert, passiert es halt», meint eine weitere Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen will. «Wir müssen jetzt einfach den SBB vertrauen.»

SBB gingen Risiko bewusst ein

«Klar versucht man, solche Vorfälle zu vermeiden», meint Geologe Peter Hartmann der Sieber Cassina + Partner AG mit Sitz in Olten. «Aber so ungewöhnlich ist dieses Phänomen nicht.» Es stellt sich jedoch die Frage, ob man nicht damit hätte rechnen müssen, wenn denn so ein Erdloch nichts aussergewöhnliches ist.

Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB teilt schriftlich mit, dass sie mit einem solchen Absturz tatsächlich gerechnet hätten, wenn auch das Risiko als sehr gering eingeschätzt wurde. «Das Restrisiko wurde bewusst eingegangen, da sich die Übergangszone in unbebautem Gebiet befindet», teilt Mediensprecher Christian Ginsig mit. Für die Anwohner bestünde jedoch keine Gefahr, da sich das überbaute Gebiet nicht mehr in der Übergangszone befindet. Deswegen wurde die Bohrmaschine für den Nassbetrieb ausgerüstet, der in Lockergestein üblich ist. In diesem Betrieb nehme die Gefahr deutlich ab.

«Das installierte Monitoring lässt zudem für das überbaute Gebiet einen Soforteingriff zu», erklärt Ginsig. Messgeräte würden die Erdbewegungen rund um die Uhr verfolgen. Einen weiteren Erdrutsch schliessen die SBB deshalb aus. «Wir können aber die Verunsicherung bei den Anwohnern nachvollziehen.»

Das kantonale Amt für Umwelt hat zwar die Situation vor Ort besichtigt und eine Auskunft darüber in Aussicht gestellt. Gestern wurde aber für eine weitere Stellungnahme ans Bundesamt für Verkehr verwiesen.