Brautladen
Lila Wände, violette Sessel und weisse Brautkleider: Zu Gast bei der Brautmacherin in Trimbach

Tanja Hiltbrunner will sich mit ihrem Brautmodeladen LaiTa in Trimbach einen Namen machen.

Silvana Schreier
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«Für mich hat sich mit dem Brautmodeladen ein Kindheitstraum erfüllt», sagt Tanja Hiltbrunner, Geschäftsführerin des Ladens LaiTa in Trimbach.

«Für mich hat sich mit dem Brautmodeladen ein Kindheitstraum erfüllt», sagt Tanja Hiltbrunner, Geschäftsführerin des Ladens LaiTa in Trimbach.

Bruno Kissling

Nervöse Bräute, die bei einer Auswahl von 4000 Brautkleidern «das eine» finden wollen. Hysterische Trauzeuginnen, die der Braut mit mehr oder weniger hilfreichen Tipps zur Seite stehen. Und immer fliessen viele Tränen. Kurz gesagt: Kitschige Szenen, so weit das Auge, das hinter einer rosaroten Brille steckt, reicht. Die Sendung mit dem Namen «Zwischen Tüll und Tränen» läuft seit Jahren im deutschen Fernsehen. Sie will eine «Reality-Show» sein, also die Wirklichkeit darstellen. «Wenn ich heute eine solche Sendung sehe, muss ich lachen», sagt Tanja Hiltbrunner, die Geschäftsführerin des Brautmodeladens LaiTa GmbH in Trimbach.

Doch in ihrer Anfangszeit im Brautmode-Business war «Zwischen Tüll und Tränen» der Lehrmeister Hiltbrunners: «Ich habe mir unzählige Folgen angeschaut und mir auch einige Tricks abschauen können», erzählt die Verkäuferin, die in Niederbipp wohnt. Denn schliesslich sei sie «einfach so reingerutscht».

Und das lief so ab: Anfang 2017 suchte sie sich ein Trauzeuginnen-Kleid in einem Brautmodeladen in Strengelbach AG aus. Die dortige Verkäuferin berichtete, dass sie ihren Laden auflösen werde. Einen Nachfolger hatte sie aber bisher nicht gefunden. Hiltbrunner sah ihre Chance: «Ich habe nicht lange überlegt und dann im Mai 2017 den Laden mitsamt Kleidern übernommen», sagt die 37-Jährige. Im November 2017 zogen Hiltbrunner und LaiTa dann um nach Trimbach. Die Lage in der Gemeinde neben Olten sei perfekt und für ihre Kundinnen gut erreichbar.

Serie

Sie trotzen dem Lädelisterben: Wir stellen in einer losen Serie Leute aus der Region vor, die ihren Verkaufsladen (fast) alleine betreiben.

Zwei Stunden pro Braut

Fast so kitschig wie in der Fernsehshow ist das Ambiente im Brautmodeladen auch in Trimbach. Die Wände sind in zartem Lila gestrichen, Sofa und Sessel erstrahlen in knalligerem Violett. Über den Kleiderstangen mit den weissen oder creme-farbigen Brautkleidern hängt ein weisser Kronleuchter. «Das Haus wurde frisch renoviert, bevor ich hier eingezogen bin», so die Ladeninhaberin. Zuvor war das Zuhause ihrer Schätze eine Kontaktbar. Deren Küchennische hat Hiltbrunner in eine grosszügige Umkleidekabine umgewandelt.

«Für mich hat sich mit dem Brautmodeladen ein Kindheitstraum erfüllt», erzählt Hiltbrunner, während Welpe Mia im Hundekorb neben der Umkleidekabine um die Aufmerksamkeit seines Frauchens buhlt. Eigentlich ist sie gelernte Pflegeassistentin. Die Arbeit zwischen Tüllröcken und bodenlangen Ballkleidern sei zwar ganz anders, aber dafür umso erfüllender. «Mir geht es nicht nur ums Verkaufen. Vielmehr lebe ich für die Momente, in der die Braut strahlt und ich Gänsehaut bekomme.» Als Ein-Frau-Lädeli müsse sie gegen die Konkurrenz der Online-Shops sowie der grossen Einkaufsläden kämpfen. Hiltbrunner: «Ich punkte aber sicher damit, dass ich mir mehr Zeit nehme für die Beratung meiner Kundinnen.» Rund zwei Stunden investiere sie pro Braut. Manchmal kämen die Frauen auch zwei oder drei Mal zu ihr in den Laden, bis das perfekte Hochzeitskleid gefunden ist.

Die vierfache Mutter will jedoch nicht nur Modeverkäuferin sein. Ihr Brautmodeladen ist jeweils nachmittags und den ganzen Samstag über geöffnet. An den Vormittagen ist Hiltbrunner für die IG Familie 3 Plus, eine Interessengemeinschaft für Familien mit vielen Kindern, tätig. Einige Jahre lang war sie stellvertretende Geschäftsführerin. Jetzt unterstützt sie auf Abruf Grossfamilien, wie sie selbst auch eine hat: «Mal helfe ich im Haushalt, mal gehe ich Einkaufen, mal unternehme ich etwas mit den Kindern», erklärt sie ihre Arbeit. Das Brautmodegeschäft in Trimbach sei vorerst das Hobby der alleinerziehenden Mutter. «Ich bin noch sehr neu und muss mir zuerst einen Namen machen.»

«Heute wird es mehr zelebriert»

Seit eineinhalb Jahren sind Brautkleider das Leben der vierfachen Mutter. Unzählige Anekdoten hat sie zu erzählen: «Eine Braut sagte bereits beim Reinkommen, sie wolle nur schlichte Kleider, ja kein Glitzer oder ‹Schischi›. Nach dem Anprobieren verliess sie meinen Laden dann mit einem richtigen Prinzessinnenkleid mit Glitzer, Perlen und Tüll.» Oder da gab es die Braut, die noch nie ein Kleid getragen hatte, der Hiltbrunner aber das perfekte Brautkleid zeigen konnte. «Sie blieb den ganzen Nachmittag bei mir im Laden, da sie ihr Kleid einfach nicht mehr ausziehen wollte», erzählt Hiltbrunner und zeigt die Dankeskarte mit dem Hochzeitsfoto, das die glückliche Kundin anschliessend schickte.

Wenn Hiltbrunner von den besonderen Momenten erzählt, scheint ihre Leidenschaft mit den Händen greifbar zu sein. Sie selbst habe in einem Kleid geheiratet, das man als «Klassiker» beschreiben könne. «Es war eine schöne Erfahrung, aber heute wird das ganze Drumherum viel mehr zelebriert», sagt Hiltbrunner, die mittlerweile geschieden ist. So offeriere sie ihren Kundinnen jeweils ein Glas Prosecco, wenn die Kleidersuche erfolgreich war. Hiltbrunner: «Und wenn sie kurz vor der Hochzeit ihr Kleid bei mir abholen kommen, bekommen sie ein kleines Überraschungsgeschenk von mir.»