Alpabzug Ifenthal
Letzte Abfahrt für die Familie Peyer: Nach 34 Jahren geht eine Ära zu Ende

Die Viehherde der Familie Peyer kehrte am Wochenende von der Alp am Sonnenberg nach Ifenthal zurück. Nach 34 Jahren Sömmerung nahm sie den Heimweg über die Südrampe ein letztes Mal unter die Füsse. Auf dem Sonnenberg am Hang zur Belchenfluh geht damit eine Ära zu Ende.

Urs Amacher
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Alpabzug Ifenthal
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Kühe, Kälber und Geissen werden von der Sommerweide herunter zur Weide nahe der Kirche in Ifenthal gebracht.
Edy Peyer hatte den Hof «Haselweid» mitten im Dorf Ifenthal von seinen Eltern übernommen und betrieb ihn bereits in vierter Generation.
Für die Familie Peyer ist es der letzte Alpabgang nach 34 Jahren.
Die Kälber werden mit dem Transportwagen heruntergebracht und den ungeduldig wartenden Mutterkühen wieder zugeführt.

Alpabzug Ifenthal

Patrick Lüthy

Bauernsohn Edy Peyer hatte den Hof «Haselweid» mitten im Dorf Ifenthal von seinen Eltern übernommen und betrieb ihn in bereits vierter Generation. Im Jahre 1987 konnte er zusätzlich den Hof «Sonnenberg» bei der Belchenfluh pachten. Dieser Landwirtschaftsbetrieb umfasste damals rund fünf Hektaren Heuwiesen und zehn Hektaren Weideland.

Mit «Sonnenberg» hatte Peyer nun die Möglichkeit, seine fünfzehn Milchkühe samt Jungvieh sowie rund 10 Gastkühe als Sömmerungstiere von andern Bauern auf der Alp zu sömmern. Ein halbes Dutzend Buregeissen und gelegentlich zwei, drei Haflingerpferde gehörten auch zur Herde. Somit konnte er sein Vieh von Mitte Mai bis Anfang Oktober auf den dortigen Weiden grasen lassen und eine grössere Herde überwintern.

Peyer führte zusammen mit seiner Partnerin Karin Hauser im Ifenthaler Haselweidhof eine therapeutisch begleitete Wohngemeinschaft. Im Frühjahr halfen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen jeweils mit viel Enthusiasmus, die Weiden am Sonnenberg von Gestrüpp zu säubern und einzuhagen. Das bedeutete einiges an Handarbeit.

Von der Milchwirtschaft zur Ammenhaltung

Von der extensiven Nutzung profitierte auch die Artenvielfalt. Peyer gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von der Biodiversität am Sonnenberg berichtet. Orchideen, Silberdisteln, beide Arten von Schlüsselblumen oder diverse Wildgewürzpflanzen gedeihen dort. Davon profitieren wiederum die verschiedensten Schmetterlinge, Wildbienen und Ameisen. Auch seltene Vögel wie den Neuntöter, den Vogel des Jahres 2020, oder Falken kommen vor. Hasen, Füchse, Luchse und Rehe finden einen Lebensraum.

Anfänglich setzte Peyer auf Milchwirtschaft. Er verarbeitete die Milch zu Quark oder Frischkäse und vermarktete die Bioprodukte in Demeter-Qualität direkt. Inzwischen hat er auf Ammenhaltung umgestellt und hält Schweizer Braunvieh.

Die ungezügelten Jungtiere dürfen fahren

Nach und nach haben die Peyers die Bestossung des Sonnenbergs reduziert. Im Sommer 2020 trieb der inzwischen 68-jährige Peyer noch acht Mutterkühe und ihr Jungvieh z’Alp. Die beiden ältesten Kühe, Atlanta und Nüssli, sind fünfzehn Jahre alt. Auch die fünf Geissen, Burenziegen, sind Fleischrassen.

Auf Sommer 2021 wurde der Familie Peyer von den Eigentümern die Pacht des Sonnenbergs gekündigt. Somit ist heuer zum letzten Mal Alpabzug. Bei der Alpabfahrt vom Sonnenberg gehen die beiden Töchtern Vera und Amanda mit den Geissen vorneweg, es folgen die Kühe, bei denen freiwillige Helfer achten, dass sie brav mittrotten. Die Jungtiere sind zu ungezügelt und würden deshalb kaum auf dem Weg bleiben; so dürfen sie fahren.

Der Alpabzug ist immer ein kleines Ereignis im kleinen Juradorf. Freunde und Bekannte kommen zu Besuch und begleiten die Herde heim. Sobald die Tiere versorgt sind, sitzen alle Gäste mit der Familie zu einem Imbiss zusammen. Diesmal schaute sogar Andy Wälle vorbei, der schon beim ersten Alpaufzug vor vierunddreissig Jahren dabei war. Und bei Kaffee und Kuchen hilft er mit einem guten Tipp. Er weiss nämlich, dass es im nächsten Jahr im Schönthal Platz für ein paar Kühe hat. Selbst ein Muni ist dort vorhanden. Damit ist die Familie Peyer schon einmal die Sorge los, wo sie ihre Herde im nächsten Jahr sömmern kann.