Lostorf
Lehrer durfte unterrichten, obwohl Polizei von Nackt-Videos wusste

Der Lehrer S.E., gegen den wegen Verdacht auf Kinderpornografie sowie Kindesmissbrauch ermittelt wird, war noch bis Anfang Dezember angestellt. Dies, obwohl die Behörden bereits länger von den Videos wussten, die E. im Internet gekauft hatte.

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Lehrer S.E. war bis Anfang Dezember an der Primarschule Lostorf angestellt.

Lehrer S.E. war bis Anfang Dezember an der Primarschule Lostorf angestellt.

OT

Seit Anfang dieser Woche ist bekannt, dass gegen den Lostorfer Primarlehrer S.E. schwere Vorwürfe vorliegen. Die Solothurner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Verdacht auf Kinderpornografie, im Kanton Luzern werden ihm gar sexuelle Handlungen mit Kinder vorgeworfen. Der Lehrer sitzt zurzeit in Untersuchungshaft.

Am 5. Dezember wurde S.E. in Absprache mit dem Departement für Bildung und Kultur (DBK) von der Anstellungsbehörde der Schulgemeinde fristlos entlassen. Wie der «Blick» am Donnerstag schreibt, habe die Polizei aber bereits am 6. November von den Videos, die der Lehrer im Netz gekauft hat, gewusst.

Die Behörden liessen S.E. also trotz dem Verdacht auf Kinderpornografie noch fast einen Monat unterrichten. Nur vom Turnunterricht war der Lehrer dispensiert.

Adriano Vella, Sekretär des Departements für Bildung und Kultur, erklärt auf Anfrage: «Es gab unseres Erachtens zu diesem Zeitpunkt noch keinen rechtsgenügenden Grund, den Lehrer per sofort freizustellen, sehr wohl aber Grund, diesen Fall weiter zu verfolgen. Dies hat die zuständige Anstellungsbehörde, in diesem Fall also die Gemeinde Lostorf getan und den Lehrer vorläufig für das Fach Turnen freigestellt.»

Sowohl die Gemeinde wie auch der Kanton hätten zu diesem frühen Zeitpunkt keinen dringenden Tatverdacht auf weitergehende strafbare Handlungen gesehen, die weitere Massnahmen erforderten, so Vella.

Erst als die Vorwürfe von sexuellem Kindsmissbrauch aus dem Kanton Luzern bekannt wurden, stellte die Schule den Lehrer frei. «Als wir dann am 3. Dezember zusätzlich Akteneinsicht von der Staatsanwaltschaft erhalten haben und von den gravierenden Vorwürfen im Kanton Luzern erfuhren, haben wir den Schulleiter am 4. Dezember an einer Besprechung zu diesem neuesten Stand orientiert und ihm geraten, den Lehrer per sofort freizustellen», berichtet Vella. (lsc)