Neustart
Lebensmittel vom Hof vor die Haustür geliefert: «Buur on Tour» ist in der Region wieder aktiv

Zweiter Versuch: Noah Fernandez aus Stüsslingen lanciert im Niederamt den Neustart von «Buur on Tour».

Noël Binetti
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Natascha Curti, Seraina Saner und Noah Fernandez packen in Lostorf die Taschen ab.

Natascha Curti, Seraina Saner und Noah Fernandez packen in Lostorf die Taschen ab.

Patrick Lüthy

«Buur on Tour» ist zurück: Wer im Niederamt wohnt, kann ab sofort wieder lokale Lebensmittel online bestellen. Die Plattform, 2014 von Andre Ziegler aus Brunnenthal gegründet, wächst stetig. Auch in der Region Olten-Aarau startete das Projekt zusammen mit drei Landwirtschaftsbetrieben aus der Umgebung bereits einen Versuch. Nach zwei Jahren war aber wieder Schluss: Die Nachfrage war zu gering, der Aufwand zu gross.

Dank der Initiative von Noah Fernandez soll der Hauslieferdienst jetzt wieder florieren. Der 19-Jährige hat eben seine dreijährige Ausbildung zum Landwirt EFZ abgeschlossen. In den letzten sechs Monaten plante er neben Lehrabschlussprüfung und Corona-Krise den Relaunch von «Buur on Tour». «Es war in dieser Zeit nicht immer ganz einfach, die Prioritäten zu setzen.» Unterstützung und Know-how erhielt er dabei von seinem Lehrmeister – Andre Ziegler. Im Gegensatz zum ersten Versuch sollen sich nun einige Dinge ändern. Fernandez übernimmt von Anfang an die Regionalleitung. Er sagt: «Ich werde sämtliche Bestellungen koordinieren. Dazu kommen die Verwaltung und Betreuung des Onlineshops, das Beantworten von Kundenmails oder das Zusammenhocken mit den Produzenten.» Lachend fügt er hinzu: «Und das Führen von Zeitungsinterviews.»

Schade wenn sinnvolles Projekt verloren geht

Während seiner Ausbildung bei Andre Ziegler lernte Fernandez das Projekt «Buur on Tour» kennen. «Ich fand es eine prima Sache. Als es in unserer Region eingestellt wurde, war das schade.» Als sich ihm die Gelegenheit bot, nutzte er diese und begann zu planen: «Ich wollte noch einmal neu beginnen.» Jetzt ist es soweit: Seit dem 10. August können die Kunden wieder bestellen, am letzten Freitag erfolgte die erste Lieferung.

undefined Noah Fernandez ist in der Region Olten-Aarau neuer Leiter von «Buur on Tour».

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Patrick Lüthy

Die zwei Betriebe aus dem ersten Versuch sind wieder mit dabei. Fernandez kennt die Produzenten persönlich. «Sie reagierten positiv auf meine Anfrage.» Und Fernandez konnte weitere Landwirte gewinnen, bis jetzt sind es zehn Betriebe aus den Gemeinden Stüsslingen, Rohr, Lostorf, Boningen, Däniken, Gretzenbach, Dulliken und Wangen b. Olten. «Darunter sind Landwirte die biodynamisch, biologisch oder konventionell produzieren. Diesbezüglich sind wir offen.» Das Sortiment wurde erweitert. Im Angebot sind Milchprodukte, Gemüse, Fleisch, Gewürze oder Konfitüre.

Dienstags bestellt – freitags geliefert

«Wir liefern von Hägendorf bis Ruperswil», sagt der neue Regionalleiter. Das Konzept ist simpel: Die Landwirte bieten ihre Produkte auf der Website an. Bestellt werden kann mit dem persönlichen Login bis am Dienstagmittag, geliefert wird am Freitag. Wer möchte, kann seine Lieferung bereits am Donnerstag an einer von zwei Pick-up-Stationen abholen. «So spart man gleich noch die Lieferkosten», sagt Fernandez. Auf Oltner Stadtgebiet sind die Velokuriere von Collectors für die Auslieferung zuständig. Um das Guthaben auf dem Konto aufzuladen, bestellt man einfach eine Rechnung. Die Bezahlung ist aber auch möglich via Twint. Pro Lieferung werden neun Franken verrechnet.

«Buur on Tour» unterscheidet sich in einem Punkt von ähnlichen Gemüse-Abos, wie zum Beispiel farmy.ch: Der Preis für die Waren fliesst vollständig an die Landwirte weiter. «Der Vorteil für unsere KundInnen ist – neben der praktischen Lieferung bis vor die Haustüre – dass sie genau wissen von wem die Produkte stammen. Wir möchten die Wünsche breit abdecken und sind auch offen für Kritik. Wer bei uns bestellt, wählt den Mix in seiner Tasche selbst aus. Zudem geht das Geld zu hundert Prozent an die lokale Landwirtschaft.

Direktverkauf ab Hof

In der Schweiz gibt es für Landwirte – basierend auf unterschiedlichen Modellen – viele Plattformen für die Direktvermarktung: im eigenen Hofladen, am Wochenmarkt oder Heimliefer-Abos, saisonal gefüllt. «Buur on Tour zweigt dabei keine Marge für sich ab, sondern gibt den Produzenten den Preis direkt weiter», sagt Andre Ziegler, dessen Gründer. Damit unterscheide sich «Buur on Tour» von ähnlichen Abos. Ziegler erklärt: «2014 ergab sich das Projekt eher zufällig. Die Post suchte Produzenten für ein Pilotprojekt.» Ziel war es, die angeschlagene Briefzustellungssparte stärker auszulasten. «Wir begannen mit einer simplen Exel-Tabelle. Einst in Kinderschuhen gestartet, stecken wir heute in den Rennschuhen.»

Auf Anfrage sagt Sandra Helfenstein vom schweizerischen Bauernverband: «Wir begrüssen Engagements zur Erhöhung des Absatzes über die Direktvermarktung. Es ist eine gute Möglichkeit, die Wertschöpfung auf dem Betrieb zu erhöhen.» In der Schweiz würde noch mehr Potential für solche Heimliefer-Abos bestehen. Der Bauernverband unterstütze Bauernfamilien mit der Direktvermarktungsplattform «Vom Hof». Registrierte Produzenten können dort vermerken, wenn sie an einem Projekt wie «Buur on Tour» beteiligt sind.» Unter der Rubrik «Hofsuche» lassen sich Produzenten nach Regionen finden. Diese kann man nach Vorlieben filtern. 92 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe sind den kantonalen Bauernverbänden angeschlossen.

Post unterstützt das lokale Projekt

Fernandez erklärt: «Mit der Post haben wir einen Vertrag. Sie stellt für uns die Taschen zu einem reduzierten Preis zu. Die Differenz zu den verrechneten neun Franken finanziert die Plattform von «Buur on Tour», und somit auch meinen zeitlichen Aufwand.» Im Moment bestehe seine Arbeit für das Projekt etwa aus einem zehn Prozent-Pensum. «Wenn es gut anläuft und wir viele Kunden gewinnen können, wird die Arbeit zunehmen. Doch ich habe die nötigen Kapazitäten, um mein Engagement zu erhöhen.»

Anfang August trat Fernandez seine neue Stelle bei der Firma GB Silo Systems AG, in Niedergösgen an: «Da hat meine Aufgabe indirekt auch mit Landwirtschaft zu tun.» Doch sein erklärtes Ziel ist das Führen eines eigenen Bauernbetriebs. «Bis spätestens mit 35 Jahren möchte ich einen Hof übernehmen.» Welche Art von Hof, wenn er wünschen könnte? «Das weiss ich nicht, ich bin offen für alles.»

Fernandez sagt, er habe Spass am Kontakt mit den Kunden. «Das gilt auch für die Produzenten. Ich überlege mir gerne mit ihnen zusammen, was man noch optimieren kann. Wenn mir dann die Leute sagen, dass ich mit diesem Projekt etwas tolles mache, dann freut mich das.»