Kienberg
Lange Bauzeit für kurze Strecke: Die Saalstrasse soll schrittweise ausgebaut werden

Im kommenden Jahr soll die zweite Sanierungsphase der Saalstrasse in Kienberg in Angriff genommen werden.

Christoph Zehnder
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Die Strasse auf die Saalhöchi soll durchgehend auf 6,3 Meter verbreitert werden. Der Abschnitt im Vordergrund wurde in der ersten Phase saniert.

Die Strasse auf die Saalhöchi soll durchgehend auf 6,3 Meter verbreitert werden. Der Abschnitt im Vordergrund wurde in der ersten Phase saniert.

Bruno Kissling

Kreuzen sich zwei Fahrzeuge auf der Saalstrasse zwischen Kienberg und Erlinsbach AG, wird es oft etwas eng. Für alles, was breiter als 2,30 Meter ist, ist die schmale Passstrasse ohnehin tabu, ausgenommen für Postautos. Ausgebaut in den 1940ern, ist die Strecke zudem ziemlich in die Jahre gekommen. Die Intervalle für den Unterhalt wurden zuletzt immer kürzer und immer teurer. Aus diesem Grund beschloss der Kanton 2014 eine grundlegende Sanierung und Anpassung der 2,7 Kilometer langen Kantonsstrasse an heutige Anforderungen. Die erste Bauphase ist mittlerweile abgeschlossen. Die Teilstücke Passhöhe bis alte Gipsgrube und Sonnhaldenhof bis Dorf hatten oberste Priorität. Auf Aargauer Seite ist die Strecke bereits modernisiert. Im kommenden Jahr wird auf dem Gemeindegebiet von Kienberg die zweite Sanierungsphase in Angriff genommen.

Phase 2 mit einer Länge von 1,2 Kilometern zwischen Saalhöfe und Frauhaldenhof stellt den längsten Sanierungsabschnitt dar. Die Mindestbreite soll auf 6,3 Meter verbreitert werden. Die Verbreiterung erfolgt hauptsächlich auf der Talseite. Dazu werden sogenannte Kunst- oder Stützbauten errichtet – fünf Konstruktionen mit einer Länge zwischen 55 und 140 Meter, die auf Mikropfählen oder Betonspornen fundiert werden. An den Seiten entstehen Bankette mit Wasserschalen für die Ableitung des Oberflächenwassers. Dadurch verringert sich im Winter die Gefahr von Vereisung und auch die Schneeräumung gelingt besser. Hangseitig anfallendes Wasser wird durch grosskalibrige Rohre abgeleitet, sodass das Wasser auch bei starkem Regen zügig abfliessen kann. Zudem sollen Winkelplatten aus Beton im Bereich von Geländeeinschnitten verhindern, dass Geröll auf die Strasse gelangt, was in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen ist.

Kurze Strecke, lange Bauzeit

Die Bauarbeiten für die nächste Etappe sollen spätestens im kommenden Sommer starten und bis 2021 dauern. Der Deckbelag wird erst im Jahr darauf aufgetragen. «Vorher lässt man den Verkehr ein Jahr lang darüber fahren. Beim Anbringen des Deckbelags können so noch Unebenheiten ausgeglichen werden», erklärt Simon Amsler, Leiter Kunstbauten beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, auf Anfrage.

Die lange Bauzeit auf einer so kurzen Strecke ist einerseits dem Gelände und den dadurch nötigen Kunstbauten geschuldet. Andererseits könne die Strasse nur so für den Verkehr offengehalten werden, sagt Amsler. Das Teilprojekt ist in vier Abschnitte unterteilt, angefangen wird am Kienberger Ende der Teilstrecke. Während der Bausaison wird der Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeigeführt, mit einer Lichtsignalanlage zur Verkehrsregelung.

Eigentlich war der Beginn der zweiten Bauphase noch in diesem Jahr vorgesehen. Wetterpech und geologische Hindernisse verzögerten aber den Abschluss der ersten Phase. «Vor Baubeginn wurden Untersuchungen gemacht. Aber im Jura muss man immer mit Überraschungen rechnen», so Amsler.

Bachöffnung in Phase 3

Ab 2021 soll mit der Umsetzung der letzten Sanierungsphase im untersten Streckenabschnitt begonnen werden. Darin vorgesehen ist die Öffnung des Saalhöfbachs. Der Bach soll in ein offenes Gerinne neben der Strasse verlegt werden, da die Rohre, durch die das Gewässer heute fliesst, teilweise einsturzgefährdet ist.

Dass die Saalstrasse als eigentlich kürzeste Verbindung von Aarau nach Basel nach der Sanierung plötzlich Zusatzverkehr anzieht, ist unwahrscheinlich. Täglich passieren im Schnitt weniger als 1400 Fahrzeuge die Strasse. Bis 2030 rechnet der Kanton mit rund 1900 pro Tag. Für Autofahrer bringt die Strecke aber gegenüber der Autobahn keinen Zeitgewinn.
Die Kosten für die nächste Etappe der Sanierung und Instandsetzung der Saalstrasse belaufen sich abzüglich Projektierungskredit auf 9,5 Millionen Franken. Der Löwenanteil davon wird dem Strassenbaufonds entnommen. «Bei Nettoinvestitionen von mehr als 3 Millionen Franken handelt es sich um ein Grossprojekt», erklärt Amsler. Deshalb bedarf der Verpflichtungskredit noch der Zustimmung des Kantons. Dies dürfte allerdings eher Formsache sein, da es sich ja um ein laufendes Projekt handelt und der Ausbau bereits beschlossene Sache ist.

Einzige Verbindung zum Kanton

Auch die Gemeinde Kienberg muss sich an den Kosten beteiligen. Sie finanziert 5 Prozent des Strassenbaus und 3,9 Prozent der Kunstbauten. Insgesamt beläuft sich der Kostenanteil für die 531-Seelen-Gemeinde auf 422'750 Franken. «Wir haben eine gute Lösung gefunden, wie wir das finanzieren können», sagt Gemeindepräsidentin Adriana Gubler. So oder so habe man keine andere Wahl, als dem Beschluss des Kantons zu folgen. Doch die Gemeinde hat ein natürliches Interesse an einer ausgebauten Verbindung über die Saalhöchi. «Sie ist unsere einzige Verbindung zum Kanton.» Und zur Klinik Barmelweid, dem einzigen grösseren Arbeitgeber in der näheren Umgebung. Fast könnte man sagen, die Passstrasse sei so etwas wie die Nabelschnur für die Kienberger. «Die Saalstrasse ist sehr wichtig für uns», bestätigt Adriana Gubler.