«Geschichte hat mich immer interessiert», sagt Urs Ramseier. Sei dies nun jene der eigenen Familie oder die seines Wohnortes Trimbach. Sein Bildband «Trimbach im Wandel der Zeit» lässt den Betrachter in die Geschichte des Dorfes eintauchen.

Anhand von Fotografien, Ortsplänen und Ansichtskarten wird deutlich, wie sehr sich der Ort in den vergangenen 150 Jahren gewandelt hat. Jedes Dokument öffnet ein Fenster in die Vergangenheit. Die älteren Aufnahmen zeigen ein ländliches Trimbach. Rings um das 1880 eröffnete Kantonsspital ist nichts als Ackerland. Mit der industriellen Entwicklung fanden immer mehr Arbeiter ein Auskommen in der Stadt. «Nach dem Bau des Eisenbahntunnels 1858 bangten viele Handwerker um ihre Existenz», weiss der Verfasser. Neue Wohngebiete entstanden, so zum Beispiel in Neu-Trimbach, wo sich die Arbeiter der Centralbahn mit ihren Familien niederliessen. Später auch im Barackendorf Tripolis, dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist.

Umbruch an der Baslerstrasse

Die zahlreichen, teils wunderbar kolorierten Ansichtskarten zeugen von der rasanten Entwicklung. Sie zeigen das Dorf aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Ein besonderes Augenmerk richtet der Autor auf die Baslerstrasse. Der älteren Generation dürften viele der abgebildeten Gebäude noch bekannt vorkommen. Haus «zur Schmiede», Konkordia-Gebäude, Wachthaus – um nur einige zu nennen – sie alle mussten in den 1950er-Jahren dem Ausbau der Baslerstrasse weichen. «29 Häuser und ihre Schöpfe sind damals abgerissen worden», sagt Ramseier. Es kam auch zu Enteignungen durch den Kanton. Dem Umbruch an der Baslerstrasse widmet sich auch eine grosse Fotoausstellung im Mühlemattsaal, welche gleichzeitig mit der Buchvernissage stattfindet.

Molkebad und Militär

Ramseier hat den 244 Seiten starken Bildband in mehrere Themenbereiche gegliedert. Kirchen und Kapellen kommen ebenso vor wie die Trimbacher Wirtshäuser, von denen etliche immer noch Gäste willkommen heissen. Auch den Berghöfen auf den Jurahöhen hat er ein Kapitel gewidmet. «Viele wissen gar nicht, dass Trimbach früher ein Kurort war», sagt Ramseier. Auf den Sennhöfen Froburg, Erlimoos, Mieseren und Rumpel erfrischten sich müde Städter einst gerne bei einem Molkebad. Im Winter brachte ein Sonderzug Skifahrer auf die Miesern. Auf diese Weise konnten auch die Bergbauern vom Aufschwung profitieren. Die Höfe selbst gehörten oft rangehohen Armeeoffizieren, die diese für die Pferdezucht gekauft hatten.
Militärisch geprägt ist auch das Kapitel über die Zeit der Grenzbesetzung, zwischen 1914 und 1918.

Die Fortifikation Hauenstein spielte bei der Bereitschaft zur Landesverteidigung eine wesentliche Rolle. Für das geübte Auge sind Zeugnisse aus dieser Zeit noch vielerorts erkennbar. «Eigentlich wollte ich darüber ein separates Buch machen», gesteht der Verfasser. Das Material dafür besorgte er sich direkt beim Staats- oder Bundesarchiv.

Im Buch widmet er sich auch ausgiebig dem Trimbacher Handel und Gewerbe. Von Gips zum Düngen über Wollstrümpfe bis hin zu Ochsenmaul-Salat in Dosen und natürlich den berühmten Wernli-Biskuits wurde in Trimbach über die Jahre so einiges hergestellt. Wunderbar verzierte Briefköpfe auf Rechnungen und Reklameschriften erinnern an längst verschwundene Manufakturen.

Verein pflegt Dorfgeschichte

Die Ansichtskarten und Dokumente hat Ramseier über Jahrzehnte hinweg gesammelt – früher an Briefmarken-Tauschbörsen, heute im Internet. Rund 200 Stück besitzt er mittlerweile. Die meisten sind im Bildband in Originalgrösse zu sehen. Mittlerweile besitzt er so ziemlich jede Ansichtskarte, die von Trimbach erschienen ist. Der Sammeltrieb lässt ihn aber dennoch nicht los. «Ab und zu findet man ein besser erhaltenes Exemplar», erklärt er.

Die Fertigstellung des Buches dauerte rund zwei Jahre. Dabei konnte der 74-Jährige auf die Erfahrung von seinen früheren Publikationen zurückgreifen. «Trimbach im Wandel der Zeit» ist bereits das fünfte Werk, in dem er sich mit der Geschichte des Dorfes auseinandersetzt. Der gelernte Technische Kaufmann ist unter anderem auch der Verfasser der Festschrift zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde. Auch sonst war der 1970 von Neuendorf Zugezogene sehr aktiv im Gemeindewesen tätig, gehörte über 20 Jahre dem Gemeinderat an, war lange Zeit Schulpräsident, später auch Präsident des Kulturvereins Forum Trimbach und 2013 hat ihm die Bürgergemeinde das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Heute richtet sich sein Interesse hauptsächlich auf die Dorfgeschichte. Und er ist damit nicht allein. Mit dem Verein Trimbacher Kulturgut will Urs Ramseier das Geschichtsbewusstsein pflegen und fördern. Der Verein tritt zudem als Herausgeber des Buches auf, das mit der grosszügigen Unterstützung von Sponsoren und Gönnern finanziert wurde.