Lostorf
Künstler Jürg Meyer: «Kurven haben mich inspiriert»

Für seine aktuelle Ausstellung im Dorfmuseum wählte der Mahrener Künstler Jürg Meyer die Hauptstrasse als Motiv.

Raphaela Glättli-Gysi
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Eines von elf Bildern, die Jürg Meyer von der Hauptstrasse in Lostorf gemalt hat.

Eines von elf Bildern, die Jürg Meyer von der Hauptstrasse in Lostorf gemalt hat.

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Herr Meyer, wie sind Sie eigentlich zur Kunst gekommen?

Jürg Meyer: An der Oberstufe in Olten hatte ich einen guten Zeichnungslehrer. Wegen einer meiner Zeichnungen handelte ich mir eine saftige Ohrfeige ein. Meine Mutter hängte das Bild dann in unserem Wohnzimmer auf. Nicht aus Mitleid, sondern weil es ihr gefiel. Das war ein entscheidendes Erlebnis, ich begann mit der Malerei. 1989 begann ich, mit Oliviero Gorza das Handwerk des Bronzegiessens zu erkunden. Seit den ersten Experimenten hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, die uns auch heute noch zusammenhält. Das Arbeiten mit der Kettensäge habe ich bei Rolf Häfliger und Daniel Eggli erlernt. In meinem Alter ist diese Tätigkeit eine echte Herausforderung.

Jürg Meyer Jürg Meyer Künstler aus Mahren

Jürg Meyer Jürg Meyer Künstler aus Mahren

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Welche Techniken verwenden Sie in der Malerei?

Ich arbeite vorwiegend mit Acryl auf Flies oder Karton, zudem versuche ich mich immer wieder im Aquarellieren.

Was steckt hinter der Gruppe «7 Zwäge», mit der Sie 2008 den Prix Wartenfels gewannen?

Das ist lustig. Alle lesen «die 7 Zwärge», dabei hiess die damalige Einladungskarte für die Ausstellung in der Shedhalle in Schönenwerd «die 7 Zwäge». Das war für uns der Ausstellungstitel. Ich glaube, weil wir es so gut hatten miteinander und sieben Kunstschaffende daran teilnahmen.

Wie beeinflusst die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe «Bronzegiesser Gretzenbach» und die Zusammenarbeit mit Oliver Gorza ihr künstlerisches Schaffen?

Austausch ist für die Einsamkeit eines Malers sehr wichtig. Entwicklung ist ein Prozess, der in der Auseinandersetzung mit gemeinsamem Arbeiten, Streiten und Freude am Gelingen viel leichter geht. Dementsprechend ist der Einfluss auch immer gegenseitig. Da ich keiner Künstlerorganisation angehöre und auch keine Galerieverbindungen habe, ist mir die Gretzenbacher Bronzegiessergruppe schon sehr wichtig.

Ausstellung im Dorfmuseum Lostorf

Vernissage am 6. Mai um 14 Uhr. Laudatio von Madeleine Schüpfer.

Internationaler Museumstag, 13. Mai: Das Museum ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Mit Kinderworkshop Basteln zum Muttertag ab 10 Uhr, sowie 14.30 bis 16 Uhr. Märlistunde um 11 und 14 Uhr.

Einige Ihrer Bilder wirken melancholisch, auch in der aktuellen Ausstellung «Hauptstrasse (Nord) anderes und sonstiges» im Dorfmuseum. Ist es so düster bestellt um das Dorf?

Eine gewisse Melancholie schwingt immer mit in meinen Arbeiten. Meine Absicht ist es allerdings überhaupt nicht, eine düstere Stimmung darzustellen. Die kurvenreiche Strassenführung hat mich dazu inspiriert, elf Bilder zu malen. Beim Befahren dieser Strecke kommt man immer wieder in neue Situationen. Gleich ist es in meinem Leben seit der Pensionierung, es geschieht immer wieder Überraschendes.

In welchem Zeitraum entstanden die Werke der aktuellen Ausstellung?

Alle Strassenbilder habe ich seit Herbst 2017 gemalt, bei «anderes und sonstiges« sind ebenfalls Bilder aus dem 2017, aber auch ältere, dabei.

Die Ausstellung im Kantonsspital Olten 2010 hiess «Bhüeti und tanz solang de chasch». Wie kommen Sie auf solche speziellen Ausstellungstitel?

Die Ausstellung im Spital war ja noch einmal meiner Mutter gewidmet, die zu dieser Zeit bereits im Altersheim war und ihren letzten Lebensabschnitt antrat. Als ich noch jung war, pflegte sie immer «bhüeti» zu sagen, wenn ich aus dem Haus ging. Also bestand der eine Teil der Ausstellung aus Bildern mit Menschen, die Hüte tragen. «Tanze, so lange du kannst» entsprang meiner Hoffnung, dass sie noch ein wenig Freude geniessen kann. Die Tanzbilder entstanden durch einen Malaufenthalt in Kuba.

Was hat es mit den drei rostigen Kühen vor dem Dorfmuseum auf sich?

Sie sind eine Hommage an den Bauern mitten im Dorf, der jeweils seine Kühe auf dem Fahrrad sitzend die Hauptstrasse hinab auf die Weide treibt.