Lostorf

Küchenschrank statt Telefonkabine: Verein muss neue Lösung suchen

In der mittlerweile stillgelegten Telefonkabine zwischen Post-Eingang und Postfächern hätte der offene Bücherschrank unterkommen sollen.

Da zwischen der Post und der Gemeinde Lostorf kein Vertrag zustande kam, musste der Bücherschrank-Verein erneut über die Bücher. Trotz anfänglicher Frustration gibt es nun eine Ersatzlösung.

Das ehemalige Post-Gebäude in Lostorf ist derzeit für 1,1 Millionen Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Die Liegenschaft wird von der Post nicht mehr benötigt. Denn: Seit 2014 ist die Poststelle in einem Neubau untergebracht und auf den 1. April zog auch die Postverteilstelle nach Däniken um. Der Verkauf der ehemaligen Post erscheint logisch. Doch: Er macht einem Lostorfer Verein das Leben schwer.

Der Verein Offener Bücherschrank Lostorf begann im Herbst 2017 mit der Planung des Schranks. Sein Standort: die Telefonkabine, die zwischen dem Eingang ins Post-Gebäude und den Postfächern liegt.

Konzept mit Telefonzelle funktioniert bereits andernorts

Vereinspräsident Daniel Jäggi erklärt auf Anfrage die bewegte Geschichte: «Vor zwei Jahren reichten wir bei der Gemeinde diesbezüglich ein Gesuch ein. Der Gemeinderat stimmte diesem grundsätzlich zu.» Anschliessend habe der Rat von sich aus die Nutzung der Telefonkabine angeboten. Der Verein war begeistert: Schliesslich funktionieren solche Bücherschränke in umfunktionierten Telefonkabinen bereits — etwa in Olten, Egerkingen oder Neuendorf.

Im Juni 2018 habe der Verein dann die verbindliche Zusage von der Gemeinde erhalten. Jäggi erklärt: «Diese sollte anschliessend einen Vertrag mit der Post abschliessen.» Geplant war, den offenen Bücherschrank im März 2019 in Betrieb zu nehmen. Schliesslich wurde das Telefon in der Kabine im September 2018 ausgeschaltet.

«Die Gemeinde hat das verschlafen»

Doch zu einem Vertragsabschluss zwischen Gemeinde und Post sei es nie gekommen, wie der Vereinspräsident durch Zufall erfahren musste. «Die Gemeinde hat das verschlafen. Es war zuerst eine Geschichte des Scheiterns», so Jäggi, der ebenso wie die anderen Vereinsmitglieder frustriert war.

Der Lostorfer Gemeindepräsident Thomas Müller versteht den Unmut beim Bücherschrank-Verein: «Im Nachhinein kann man das natürlich so sehen, dass die Gemeinde früher hätte auf den Vertragsschluss drängen müssen. Das Projekt des Vereins war damals aber noch nicht konkret genug.» Die Post habe zudem bereits Anfang 2018 mitgeteilt, dass die Telefonkabine nur zur Verfügung gestellt werden könne, wenn das Gebäude nicht verkauft, vermietet oder umgenutzt werde.

Post wollte keine laufenden Verträge

Nach der Ausarbeitung des Vorhabens durch den Verein sei die Gemeinde Anfang 2019 nochmals auf die Post zugegangen: «Damals stand aber der Verkauf der Liegenschaft bereits fest, sodass ein bestehender Nutzungsvertrag damals sicherlich gekündigt worden wäre», erklärt Müller weiter.

Aufgrund des geplanten Verkaufs habe die Post auch keinen neuen Vertrag abschliessen wollen, so der Gemeindepräsident. Dies habe das Unternehmen damit begründet, dass sie dem neuen Eigentümer keine laufenden Verträge übergeben wolle. Ausserdem passte die Post in der Zwischenzeit laut Müller die internen Richtlinien an: «Freiwerdende Telefonkabinen werden nur noch gegen ein Entgelt von 400 bis 600 Franken pro Jahr vermietet.»

Alter Küchenschrank wird umfunktioniert

Mittlerweile hat der Lostorfer Verein eine Ersatzlösung ausgearbeitet: «Um die Eröffnung, auf die viele warten, nicht auf die lange Bank zu schieben, entschieden wir uns für eine provisorische und reduzierte Variante, bis wir eine definitive Lösung und das nötige Geld dazu gefunden haben», schreibt der Verein in der jüngsten Ausgabe der Lostorfer Dorfzeitung «3Rosenblatt».

Vereinspräsident Daniel Jäggi erklärt: «Aus einem alten Küchenschrank lassen wir von einem Schreiner einen Bücherschrank mit Schiebetüren aus Plexiglas anfertigen.» Den Schrank darf der Verein dann in den Durchgang zwischen der ehemaligen Post und dem Gemeindehaus stellen.

Noch steht nicht genau fest, wann der Verein den Bücherschrank eröffnen kann. Laut Jäggi sollte es Ende Mai oder Anfang Juni soweit sein. Unterdessen ist der Verein weiterhin auf der Suche nach Sponsoren.

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