Öffentlicher Verkehr
Kritik an SBB-Entscheiden: Beim «Läufelfingerli» und in Dulliken hört das Verständnis auf

Nun kritisiert auch die Interessengemeinschaft für öffentliche Arbeitsplätze die Bundesbahnen für ihre vorgestellten Fahrplanänderungen. Besonders die Entscheide über das «Läufelfingerli» und Dulliken stossen auf Kritik.

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Die Fahrplanänderungen der SBB stossen besonders in Dulliken auf viel Unverständnis.

Die Fahrplanänderungen der SBB stossen besonders in Dulliken auf viel Unverständnis.

Bruno Kissling

Vor zehn Tagen stellten die SBB den neuen Fahrplan vor, der am 13. Dezember in Kraft tritt. Bis dahin sollen unter anderem aufgrund eines Lokführermangels gewisse Strecken reduziert bedient werden oder sogar ganz ausfallen. Dulliken wartet seit Jahren auf einen verbesserten Anschluss. Die SBB versprachen der Gemeinde einen solchen mit der Inbetriebnahme des Eppenbergtunnels. Daraus wird nun nichts: Dulliken soll weiter mit einem Stundentakt und unter der Woche mit Busersatz vorliebnehmen.

Auch beim «Läufelfingerli» wird der Bahnbetrieb der S9 zwischen Olten und Sissach für drei Monate stillgelegt: Es verkehren mit wenigen Ausnahmen am Morgen und am Mittag nur Bahnersatzbusse.
Das kritisiert nun auch die IGöffA, die Interessengemeinschaft öffentliche Arbeitsplätze Region Olten, in einer Mitteilung. Man sei der SBB durchaus wohlgesinnt. Doch nun könne man nur noch den Kopf schütteln, heisst es. Für die Entscheide über das «Läufelfingerli» und Dulliken fehlten den SBB «jedes Fingerspitzengefühl», schreibt die Interessengemeinschaft weiter.

SBB ignoriert Volksentscheid

Nach harten Auseinandersetzungen haben die Baselbieter in einer Volksabstimmung entschieden, dass das «Läufelfingerli» eine Zukunft hat. Ein Busersatz war für die Mehrheit keine Alternative. Doch nun werde dieser Volksentscheid einfach ignoriert, «wenn auch vorläufig nur für drei Monate». Mit Recht wehrten sich die Solothurner und Baselbieter Behörden. Eine ganze Talschaft und die ÖV-Benutzenden auf der Südseite des Tunnels würden verschaukelt.

Da verschwinde das letzte Verständnis für den hausgemachten Mangel an Lokführern. Etwas Verständnis könnte die Interessengemeinschaft für eine Ausdünnung andernorts aufbringen, aber nicht für die totale Streichung der Bahn. Und dies nach Monaten, in denen das «Läufelfingerli» an Fahrgästen zulegen konnte.

Zusagen werden nicht eingehalten

Um fehlendes Fingerspitzengefühl und sogar um das Brechen eines Versprechens gehe es auch in Dulliken, so die Interessengemeinschaft. Eine Gemeinde mit über 5000 Einwohnern habe zwar einen erneuerten Bahnhof, aber Zugshalte nur alle Stunden. Die anderen Regionalzüge würden einfach vorbeifahren. Dieser Zustand war während fünf Jahren dem Bau des Eppenbergtunnels geschuldet. Nun aber sei der Tunnel fertig, und die abgegebenen Zusagen würden nicht eingehalten.

Vor 25 Jahren wurde die Interessengemeinschaft gegründet und hat nach eigenen Angaben erfolgreich für den Erhalt und den Ausbau der öffentlichen Arbeitsplätze in der Region Olten und für einen guten Service public gekämpft. Der Vorstand plante für das Jubiläumsjahr einiges. Doch mit Corona beschränkt sich der Verein auf die Durchführung einer Jubiläumsgeneralversammlung am
16. November. (mgt/fmu)

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