Die wechselvolle Geschichte des Franziskushauses wird um ein Kapitel reicher. Die Immocon AG, in deren Besitz sich das Franziskushaus befindet, wird liquidiert. Am 8. Mai findet die konkursamtliche Versteigerung des ausserhalb des Dorfkernes im Säliloch gelegenen Franziskushauses statt.

Das Franziskushaus, ursprünglich als Kloster konzipiert, wurde 1968 als Exerzitienhaus des Kapuzinerordens eröffnet und als solches bis ins Jahr 2001 betrieben. In den darauffolgenden Jahren erfolgte eine sporadische Nutzung als Seminarzentrum. In den Jahren 2002 bis 2007 war zudem eine Internatsschule einquartiert. Im März 2012 erwarb schliesslich die Immocon AG mit Inhaber Otto Wipfli die Liegenschaft.

Studentenwohnheim ohne Erfolg

Wipflis Pläne, das Franziskushaus durch die Einrichtung eines Studentenwohnheims wiederzubeleben, stiess bei den Dulliker Gemeindebehörden auf Anklang. Die für die Umnutzung notwendigen raumplanerischen Anpassungen wurden speditiv erledigt, sodass das Wohnheim bereits im Herbst 2012 eröffnet werden konnte.

Es sollte in erster Linie den ausländischen Austauschstudenten der Fachhochschule Nordwestschweiz als Unterkunft dienen. Allerdings hielt sich die Nachfrage nach den Einzelzimmern, die für 400 Franken im Monat vermietet wurden, in Grenzen. Aufgrund der geringen Auslastung – im Sommer 2014 waren lediglich 25 der insgesamt 80 Zimmer belegt – hielt Wipfli Ausschau nach einer alternativen Nutzung.

Ihm schwebte vor, das Franziskushaus dem Kanton als Asylunterkunft anzubieten. Allerdings verunmöglicht eine 2012 in Kraft gesetzte Sonderbauvorschrift eine entsprechende Nutzung. In der Folge schloss das Studentenwohnheim im September 2016 seine Pforten. Seither steht das Gebäude leer.

Denkmalgeschütztes Gebäude

Die konkursamtliche Schätzung für das Franziskushaus beläuft sich auf 3,5 Millionen Franken. Wer das Franziskushaus erwirbt, darf sich auf rund 80 Schlafzimmer, mehrere Büro- und Sitzungsräume, zwei Speisesäle, eine Aula, eine Kapelle und einen Meditationsraum freuen. Miterworben wird ebenfalls das Inventar, zu dem Möbel und Einrichtungsgegenstände gehören, die von Otto Glaus, dem Architekten des Franziskushauses, entworfen wurden.

Was ein allfälliger Käufer mit dieser doch aussergewöhnlichen Liegenschaft wird anstellen können, ist offen. Klar ist, dass bauliche Veränderungen nur eingeschränkt möglich sein werden, steht das Franziskushaus doch seit 2012 unter Denkmalschutz. Bei der Unterschutzstellung wurde die «plastische Vielfalt» des Baukörpers gewürdigt, der sich in seiner «vielgestaltigen Form» in die natürliche Umgebung einbette. Der Architekt Otto Glaus (1914-1996), der für seine Sichtbetonbauten bekannt ist, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der schweizerischen Nachkriegsarchitektur.

Kauf für Gemeinde kein Thema

Nebst dem Franziskushaus werden am 8. Mai auch zwei nördlich daran angrenzende Grundstücke versteigert. Diese sind unbebaut und mehrheitlich mit Wald bewachsen. Durch sie führt die Zugangsstrasse zum Franziskushaus. Die Parzelle, auf der das Franziskushaus steht, befindet sich in der Wohnzone. Gemäss dem Gestaltungsplan Säliloch wäre hier die Errichtung von Neubauten zur Wohnnutzung und zur nicht störenden Gewerbe- und Dienstleistungsnutzung zulässig.

Für die Gemeinde Dulliken komme ein Kauf nicht infrage, wie Gemeindepräsident Walter Rhiner auf Anfrage erklärt. Es bestehe im Moment kein Bedarf nach einer solchen Liegenschaft. Man erhoffe sich aber, das Franziskushaus würde einer sinnvollen Nutzung zugeführt, sodass hier wieder Leben aufkomme. Auf keinen Fall wolle man, dass das Franziskushaus mittelfristig zu einer Ruine verkomme, ergänzt Rhiner.

Damit ist auch eines der Kernprobleme angesprochen: Wie lässt sich das Franziskushaus nutzen, dass genügend Erträge generiert werden, um den kostspieligen Unterhalt der Liegenschaft zu finanzieren? Auf diese schwierige Frage wird der zukünftige Eigentümer eine Antwort finden müssen.