Kolumne: Aus Niederämter Sicht
Geimpft oder nicht?

Unser Kolumnist Thomas Vogt wollte eigentlich nie etwas über das Thema Corona schreiben - nun tut er es doch.

Thomas Vogt
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Regelmässige Tests für Nichtgeimpfte.

Regelmässige Tests für Nichtgeimpfte.

Georgios Kefalas (Symbolbild)

Eigentlich wollte ich gar nie etwas über das Thema schreiben, denn ein Leben ohne Corona – oder nicht täglich daran erinnert zu werden – wäre schon fast eine Befreiung. Anders gesagt, ich habe es satt, mich jeden Tag mit Covid 19 auseinander setzen zu müssen. Denn ob daheim, im Betrieb, bei Freunden, Veranstaltungen oder in den Medien kommt niemand um diese Pandemie herum. Oder kennen sie eine andere Schlagzeile, die seit 18 Monaten derart permanent präsent ist?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich gehöre dem Personenkreis der Nichtgeimpften an. Das wird vorerst auch so bleiben. Als Pandemie-Laie kann ich jedoch nachvollziehen, dass eine möglichst hohe Impfquote, das Virus hier sehr rasch eindämmen könnte. Doch damit ist es nicht getan.

Während sich hier in Westeuropa schon alle Einwohner drei-, oder viermal hätten impfen lassen können, gibt es Länder, wo gerade mal zwei Prozent der Bevölkerung geimpft ist. Ob dies politische, wirtschaftliche oder andere Gründe hat, lässt sich nicht immer einfach so nachvollziehen.

Klar aber ist, dass wir eine reisefreudige Gesellschaft sind, die gerne im fernen Ausland Urlaub macht oder auf Entdeckungen aus ist. Deshalb kümmert es uns wenig, wie sich die Impfsituation in anderen Staaten präsentiert, denn wir sind ja geimpft und können uns schützen, Hauptsache wir verbringen tolle Ferien. Jedoch tun sich bei uns in der Heimat unnötige Gräben zwischen Geimpften und Ungeimpften auf. Aber wieso?

Bei uns im Betrieb sind etwa 60 Prozent der Belegschaft geimpft, so wie der Schweizer Durchschnitt. Aber es gibt keine Vorwürfe weshalb nun jemand geimpft ist oder nicht. Hingegen entstehen immer wieder lebhafte und interessante Diskussionen, denn es gibt ja nicht einfach nur Schwarz und Weiss, sondern eben auch eine Grauzone dazwischen.

Es werden jeweils viele Argumente für oder gegen eine Impfung ins Feld geführt (von einer Aufzählung sehe ich ab). Diese versuchen wir dann wenn möglich in unsere internen Massnahmen einfliessen zu lassen. Intoleranz allerdings lassen wir nicht zu.

Die Gründe warum sich jemand impfen lässt oder nicht, mögen sehr unterschiedlich sein. Für mich ist allein entscheidend ist, dass dabei der gegenseitige Respekt zum Tragen kommt. Es darf kein Schwarz-Weiss-Denken aufkommen. Sich in dieser Grauzone auf Augenhöhe zu begegnen ist doch unsere Stärke, ebenso wie die Meinung des Anderen zu akzeptieren. Das gilt für beide Seiten.

Die Geimpften haben keine Narrenfreiheit und ebenso keine Sonderrechte. Und sie leben auch mit einer geringen Gefahr, sich anstecken zu können. Auf der anderen Seite vertrete ich ganz klar die Meinung, dass sich die Nichtgeimpften regelmässig testen müssen. Da bieten Schulen, Institute und Unternehmen gute Möglichkeiten. Deshalb appelliere ich, dass die Massentests unbedingt weitergeführt werden. Es ist eine einfache und schnelle Methode.

Ebenfalls als sehr wichtig erachte ich, dass die Hygienemassnahmen von allen weiter beachtet werden. Die Disziplin hat in der letzten Zeit bestimmt nachgelassen, und ob diese Massnahmen im Familien- oder Freundeskreis immer eingehalten werden, wage ich zu bezweifeln.

Der grösste Stein des Anstosses bildet zurzeit die Ausdehnung der Zertifikatspflicht. Diese macht aus meiner Sicht bei Grossveranstaltungen Sinn. In den letzten vier Wochen habe ich mich - neben den repetitiven Massentest in der Firma - mehrmals einem Antigen Test unterzogen. Doch weder in Deutschland noch in Frankreich wollte jemand mein Covid-Zertifikat sehen. Gemeldet hat sich aber meine Nase.

Nach dem schmerzhaften Vorstoss mit dem filigranen Rundbürstchen durch das Nasenloch in die Gehirngegend reagierte sie jeweils verschnupft. Doch nicht nur das. Die Tortur mit den Stäbchen hat gefühlt tiefe Spuren und Rillen im linken Riechorgan hinterlassen. Das ist vermutlich der Preis, den ich als Nicht-Geimpfter zu zahlen habe.

Aber eigentlich wollte ich hier gar nicht über Corona schreiben.

Thomas Vogt ist Geschäftsführer der Vogt AG in Lostorf und lebt in Stüsslingen.

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