Das heisse Öl zischt, als Khan Shehzad (genannt Sheri) Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer in die Pfanne gibt. Bald breitet sich ein angenehmer Duft in der Küche der evangelisch-reformierten Kirche in Trimbach aus. Interessiert schauen alle zu, wie Sheri die Zutaten anbrät und anschliessend Rosinen und den Reis hinzufügt, den er zuvor in Wasser eingelegt hat. Parallel dazu werden Gurken, Tomaten und Kartoffeln für Salat und Vorspeise geschnippelt.

Sheri leitet heute den Kochkurs «Colorbox: Kochen mal anders». Die 20 Teilnehmer aus Trimbach und Umgebung lernen für zehn Franken, wie man ein pakistanisches Gericht kocht. Es ist bereits der zweite Kurs dieser Art, den Cordula Gysin von der Netzgruppe Trimbach und Sozialdiakonin Sabine Woodtli gemeinsam organisieren. Die Idee dahinter: Eine Person bereitet gemeinsam mit den Teilnehmern ein typisches Gericht aus ihrer Heimat zu – mit Hauptgang und Dessert.

Am ersten Kochtreffen stand Ungarn im Fokus. Die Köche suchen Gysin und Woodtli jeweils in ihrem Bekanntenkreis. Familie Bieri wurde von Sabine Woodtli auf den Kurs aufmerksam gemacht und ist schon zum zweiten Mal dabei. Eine junge Trimbacherin hat gleich noch eine Freundin aus Olten mitgebracht. Eine bunt gemischte Gruppe steht in der Küche.

Zum Salat, der mit reichlich Koriander gewürzt ist, gibt es Pakora: in Öl frittierte Teigbällchen aus Kichererbsenmehl, Zwiebeln, Kartoffeln und diversen Gewürzen. Um die Zeit bis zum Hauptgang zu verkürzen und den Teilnehmenden Sheris Heimatland etwas näher zu bringen, präsentiert Woodtli ein paar Infos über Pakistan sowie zwei Kurzfilme. Und auch Sheri erzählt. Die Kochkurs-Teilnehmer erfahren, dass Sheri sieben der über 50 pakistanischen Landessprachen spricht.

Vorurteile abbauen

Zum Hauptgang gibt es Reis mit Rosinen und Gewürzen, der sich «Biryani pakistani» nennt, sowie «Tandoori-Chicken», marinierte Pouletschenkel aus dem Ofen. Und später füllen manche ihre Dessertschale mehrere Male mit dem puddingartigen Gemisch aus Milch, Rahm und aus Reismehl gefertigten Vermicelli mit verschiedenen Gewürzen.

Die Idee entstand, als Sabine Woodtli den Bereich Migration in der Kirchgemeinde übernommen hatte. Neben dem Kochkurs gleisten sie und die Netzgruppe den Freitagstreff auf, bei dem ebenfalls jeder Gast etwas zum Buffet beisteuert. Für Cordula Gysin ist die Zusammenarbeit eine Möglichkeit, um die Netzgruppe noch besser im Dorf zu verankern und einem grösseren Kreis näher zu bringen. «Natürlich sind die Treffs offen für alle Konventionen, auch wenn sie hier in der reformierten Kirche stattfinden», so Gysin.

Sabine Woodtli möchte mit den Kursen auf beiden Seiten Vorurteile abbauen. «Schweizer ärgern sich, wenn sich Zugezogene aus Unwissen nicht an die ungeschriebenen Regeln und Normen halten», erklärt sie. Gleichzeitig höre man aus vielen Ländern negative Schlagzeilen, ohne die jeweilige Kultur zu kennen.

Vier Länder für nächstes Jahr

Jedenfalls gelang es Sheri, den Teilnehmer zumindest einen Aspekt seines Landes näherzubringen. Er selbst lebt in Trimbach und arbeitet als Betreuer bei WG Treffpunkt. Als Nächstes will er sich zum Fachmann Betreuung weiterbilden. Als Woodtli ihn anfragte, ob er sich einen solchen Kochabend vorstellen konnte, sagte er sofort zu. «Ich habe dieses Menü ausgesucht, weil die Zubereitung nicht zu lange dauert und das Gericht nicht allzu scharf ist», erklärte er. Die Organisatorinnen wollen das Angebot auf jeden Fall weiterführen. Für das nächste Jahr sind Kroatien, Italien, die Philippinen und die Schweiz fest eingeplant.