Trimbach wächst. Während die Einwohnerzahl ab den 1970er-Jahren kontinuierlich schrumpfte, weisen die letzten Jahre wieder eine deutliche Bevölkerungszunahme auf. Das macht sich auch an den Schulen bemerkbar. Der Zuzug von Familien mit Kindern ist für die Gemeinde mit rund 6800 Einwohnern eine Herausforderung. Der Gemeinderat hat aus diesem Grund Ende 2017 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit dem knapper werdenden Schulraum befasst. Der Arbeitsgruppe Schule gehören nebst drei Gemeinderäten auch die Schulleitung und Bauverwaltung an. Sie soll eine Strategie entwickeln, die der Entwicklung der Schülerzahlen im Ort Rechnung trägt.

Während in Trimbach die Schule aus allen Nähten platzt, sind in den angrenzenden Juradörfern Hauenstein-Ifenthal und Wisen die Schulzimmer eher knapp besetzt. Die Klassen der gemeinsamen Kreisprimarschule sind klein und werden oft als Doppelklasse geführt. Derzeit zählen sie 65 Schüler. In den kommenden Jahren stagnieren die Zahlen oder sind tendenziell sogar rückläufig. Durch die tiefe Auslastung ist langfristig auch die Selbstständigkeit der Schule gefährdet.

Vorhandenen Platz besser nutzen

Die Oberstufenschülerinnen und -schüler aus den beiden Berggemeinden besuchen seit Langem in Trimbach den Unterricht. Nun haben die drei Gemeinden beschlossen, auch auf Stufe Primarschule und Kindergarten eine Zusammenarbeit zu prüfen. Das Projekt läuft unter dem Titel «Schule 2020» und soll verschiedene Varianten aufzeigen, wie die Schulhäuser in allen drei Gemeinden am besten ausgelastet werden können.

Denn klar ist, die Schulhäuser in Hauenstein und Wisen sollen auch in Zukunft dem Schulbetrieb dienen. «Es geht darum, einen Weg zu finden, wie man den vorhandenen Platz besser nützen kann», sagt Dieter Waldschmidt, Präsident der Kreisschule Hauenstein/Ifenthal–Wisen auf Anfrage. Man sei erst am Anfang und wolle in den kommenden Monaten die verschiedenen Optionen ausloten.

Denkbar wären etwa Schulen mit Tagesstrukturen und Förderklassen. In Wisen kennt man das Förderklassen-Modell bereits. Mit der sogenannten Schulinsel hat man dort gute Erfahrungen gemacht. Sie dient als Auffangklasse für schwierige Schüler, die früher in der Kleinklasse zusammengefasst waren und mehr Betreuung benötigen.

Die Schulinsel ist allerdings nur eines von vielen Puzzleteilen, welches im Rahmen des Projekts «Schule 2020» unter die Lupe genommen wird. «Vielleicht gibt es eine Schulinsel in Trimbach oder eine der Schulen kann künftig eine Tagesstruktur oder ein anderes Zusatzangebot offerieren. Wir lassen derzeit bewusst alle Möglichkeiten offen», so Waldschmidt.

Auswärts zur Schule?

Werden einige Kinder die Schulbank künftig ausserhalb ihrer Wohngemeinde drücken? Das sei zwar grundsätzlich denkbar, sagt der Kreisschulpräsident. Es müsse jedoch eine Lösung gefunden werden, die nicht aus Zwang heraus entsteht. «Sobald Zwänge da sind, funktioniert es nicht. Aber diese Fragen werden kommen.» Das Projektteam strebt eine Lösung an, die als Chance genutzt werden kann. «Wir sind zwei Schulen, die einander helfen können.» Ideen stehen viele im Raum. Ein bestehendes Modell, an dem man sich anlehnen könnte, gibt es laut Waldschmidt aber nicht. «Es wird sicher etwas Einzigartiges für unsere Gemeinden geben.»


Qualität verbessern

Es stellt sich nicht nur die Frage nach dem Schulraum. Auch auf organisatorischer und personeller Ebene wird eine engere Kooperation zwischen den Schulen geprüft, von der am Ende alle drei Gemeinden profitieren sollen. Im Vordergrund stehe die Verbesserung der schulischen Qualität. Finanzielle Überlegungen spielen eine untergeordnete Rolle. «Sicher, es darf nicht teurer werden», sagt Waldschmidt. Aber seit der Kanton mit der Einführung des neuen Finanz- und Lastenausgleichs pro Schüler und nicht wie früher pro Lehrer bezahle, liege es umso mehr im Interesse jeder Gemeinde, ihre Bildungskosten im Griff zu haben.

Neutrale Unterstützung

Dem Projektteam «Schule 2020» gehören Vertreter aus allen drei Gemeinden an. Politik und Schulleitung sind darin gleichermassen vertreten. Für fachliche Beratung und Unterstützung wurde der Berufsbildungsexperte Gilbert Ambühl hinzugezogen. Ambühl ist selber Lehrer. Als ehemaliger Gemeindepräsident von Zuchwil kennt er zudem die Sichtweise der Behörden und die Sorgen der Bevölkerung bestens.

«Da Herr Ambühl nicht aus einer der drei Gemeinden stammt, kann er die Situation neutral beurteilen. Das ist uns sehr wichtig», sagt Dieter Waldschmidt. Für «Schule 2020» habe man ein gutes Team zusammengestellt. «Wir stellen uns dieser Aufgabe und wollen das Ganze sauber aufgleisen.»

Abstimmung im Sommer 2019

Der Fahrplan für das Projekt steht: Bis im Spätsommer dieses Jahres will das Team Lösungsvorschläge ausgearbeitet haben und diese der Öffentlichkeit vorstellen. Dann bliebe noch ein knappes Jahr Zeit für Diskussionen und den nötigen Feinschliff. Denn das Ziel ist es, den Gemeindeversammlungen von Trimbach, Hauenstein-Ifenthal und Wisen im Sommer 2019 ein ausgereiftes Projekt zur Abstimmung vorlegen zu können. Erteilt der Souverän seine Zustimmung, könnten die Massnahmen – wie es der Name verrät – auf das Schuljahr 2020 hin umgesetzt werden.