Paul Gugelmann-Museum

Klingende Welten, bewegliches Leben: Werke eines herausragenden Künstlers

Das Paul Gugelmann-Museum in Schönenwerd zeigt das Schaffen des herausragenden Künstlers, der sich den Maschinen verschrieben hat.

Wie eingefroren sehen sie aus, die teils matten, teils glänzenden Figuren, die sich gegenseitig anschauen, auf einem Velo fahren oder im Bauch eines Schiffes an den Rudern sitzen. Diese kunstvollen Objekte sollen Maschinen sein? Man glaubt es kaum. Doch die Ruhe auf den drei Stockwerken des Paul Gugelmann-Museums in der ehemaligen «Chornschütti» des Klosters Schönenwerd ist trügerisch. Kaum schraubt Alfred Kuhn (78) vorsichtig an einem kleinen Hahnen, beginnt eine Tonkaskade. Räder drehen sich, Schellen klirren, kleine Kugeln an dünnen Stäben sausen auf Metallplättchen nieder. Das Werk «Crescendo» von 1964 macht seinem Namen alle Ehre. «Ursprünglich wurde der Antrieb durch eine Dampfmaschine erzeugt,» erklärt der freiwillige Museumsmitarbeiter, «doch mittlerweile sorgt Pressluft statt Dampfdruck für den Antrieb.»

Mit einer Dampfmaschine begann Gugelmanns autodidaktische Hinwendung zur mechanischen Kunst. Als fünftes von sieben Kindern in Schönenwerd aufgewachsen, absolvierte er eine Lehre als Grafiker bei Bally. Danach hegte er den Plan, Kulissenmaler werden. «Doch die Chefs wollten das nicht», berichtet Kuhn. Sie ermöglichten ihm, in Paris ein Kreations-Studio zu gründen, das bald 16 Mitarbeiter beschäftigte. An eine Theaterlaufbahn war nicht mehr zu denken. «Der Kulissenmaler blieb auf der Strecke», resümiert Kuhn.

Gugelmann heiratete Erika Huber, ein Sohn und eine Tochter kamen zur Welt. Als der Sohn zwei Jahre alt wurde, wollte ihm Gugelmann eine Dampfmaschine schenken. Alle rieten ihm davon ab, doch er kaufte die Dampfmaschine und verbrannte sich dabei die Finger. Er begann, selber an der Maschine herumzuschrauben. So entstand das erste Kunstwerk. Zurück in Schönenwerd, blieb Gugelmann sein ganzes Berufsleben hindurch bei Bally. Tagsüber zeichnet und modellierte er für Schuhkollektionen, nachts widmete er sich seinen Maschinen. Der weitum bekannte Künstler lebt heute in Gretzenbach und wird am 19. Mai 91 Jahre alt.

Eine Gruppe von Mechanikern schaut heute, dass die technischen Wunderwerke in Schuss bleiben. «Seine Maschinen sind immer schön», findet Kuhn. Gugelmann ins schweizerische Kunstschaffen einzuordnen, ist nicht einfach. «Er wird manchmal mit Tinguely verglichen. Beide sind sich aber nie begegnet. Gugelmann sagte immer: ‹Tinguely war der Schlosser, ich bin der Feinmechaniker›.»
Je länger man im Museum verweilt und von Objekt zu Objekt schreitet, sieht man die innere Entwicklung seines Schaffens: Weg vom Abstrakten, hin zum Menschlichen. Gugelmann setzt Figuren und Gesichter ein, um das menschliche Leben darzustellen. Mit grosser Sorgfalt formt er das Material, gibt ihm seine unverkennbare Prägung. Auch Abgründiges wie die Arche des Bösen oder die sieben Hauptsünden erhalten so eine verschmitzte Note, so als wollte der Künstler dem Weltenhumor noch seinen Platz einräumen.

Gugelmann-Museum

Gugelmann-Museum

Videoimpressionen vom Gugelmann-Museum in Schönenwerd.

Museum sucht Freiwillige für den Besucherdienst

Vor 25 Jahren öffnete das Museum seine Pforten. In der Dauerausstellung befinden sich heute mehr als 40 betriebstüchtige Maschinen. An der jährlichen Sonderausstellung können Kunstschaffende aus der Schweiz und Europa ihre Werke präsentieren. Im vergangenen Jahr wurden 200 Gruppenführungen durchgeführt und insgesamt rund 3900 Besucherinnen und Besucher gezählt. Werbung, die etwas kostet, macht das Museum keine, gemäss dem Wunsch von Paul Gugelmann.

Das Museum ist völlig unabhängig von der öffentlichen Hand. «Wir tragen uns selbst», erklärt Kling. Möglich ist dies unter anderem, weil Ehrenamtliche den Besucherdienst übernehmen. Jedoch fehlen dem Museum genügend Freiwillige, um den Betrieb weiterhin abzudecken. Das Hauptkriterium für eine Mitarbeit hat in erster Linie gar nichts mit der Kunst Gugelmanns zu tun: «Freude am Umgang mit Menschen ist das Wichtigste», sagt Kling. Es können sich auch Leute melden, die noch nie von Gugelmann und seinem Werk gehört haben. «Das Wissen kann man erlernen.» Kling weiss, wovon sie spricht, hat sie doch die Leitung des Museums vor 15 Jahren übernommen, ohne sich vorher auf diesem Gebiet auszukennen. «Ich bin ins kalte Wasser gesprungen», meint sie rückblickend. Das Helfer-Team umfasst derzeit 42 Betreuerinnen und Betreuer. Das Museum ist jeweils am Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Das Jahr 2020 bringt für das Museum eine Rochade in der Leitung. Am 4. März 2020 findet die GV des Fördervereins statt. Kling tritt auf diesen Zeitpunkt hin als Geschäftsführerin des Museums zurück. Die Suche nach einer Nachfolge wurde vor einigen Monaten gestartet. Nicht nur die Maschinen, auch das Museum bleibt in Bewegung.

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