Niedergösgen
Klettern und kriechen im Duo: An den Schlossspielen spielen beide den Puck

An den Schlossspielen Falkenstein wird die Rolle des Puck gleich von zwei Schauspielern verkörpert: Zoe Spielmann aus Niedergösgen und Joel Dätwyler aus Windisch.

Lena Bueche
Drucken
Teilen
Zoe Spielmann (links) und Joel Dätwyler spielen gemeinsam Puck, eine Schlüsselfigur in Shakespeares Komödie «Ein Sommernachtstraum».

Zoe Spielmann (links) und Joel Dätwyler spielen gemeinsam Puck, eine Schlüsselfigur in Shakespeares Komödie «Ein Sommernachtstraum».

Remo Fröhlicher

Nach vielen Monaten Probe ist es soweit: Nächste Woche werden in Niedergösgen die Schlossspiele aufgeführt. In der diesjährigen Ausgabe wird, wie schon 2016, ein Stück von William Shakespeare zum Besten gegeben (siehe Kontext). In Shakespeares «Sommernachtstraum» kommt es zum grossen Verwirrspiel: Liebende finden und verlieren sich, Rache und Versöhnung finden statt. Eine Schlüsselfigur spielt dabei Puck, ein elfenartiges Wesen, das mit Liebestropfen ausgestattet wird und für die Wirrungen und Irrungen verantwortlich ist.

Schlossspiele 2018

Der Theaterverein Schlossspiele Falkenstein Niedergösgen führt im Zweijahresrhythmus ein Freilichttheater auf. An der diesjährigen Ausgabe kommt William Shakespeares »Sommernachtstraum» zur Aufführung. Regie führt die Oltnerin Käthi Vögeli. Unter ihrer Leitung kam bereits 2016 mit «Romeo und Julia» ein Werk von Shakespeare zum Zug. Und wie schon vor zwei Jahren stammt auch heuer die schweizerdeutsche Übersetzung von Adi und Ueli Blum, die Musik von Fabian Capaldi und die Choreografie von Malou Meyenhofer. (LBO)

Eine Besonderheit an den Schlossspielen: Die Rolle des Puck wird nicht von einem, sondern von zwei Schauspielern gleichzeitig verkörpert. Das Schauspieler-Duo, bestehend aus der 18-jährigen Niedergösgerin Zoe Spielmann und dem 28-jährigen Joel Dätwyler aus Windisch, steht voll und ganz hinter dem Experiment. «Puck ist eine vielschichtige Figur. Er zeigt ganz unterschiedliche Gesichter. Da ergibt es Sinn, die Rolle von einem Duo spielen zu lassen», sagt Dätwyler.

Regisseurin Käthi Vögeli habe schon vor dem Casting mit der Idee der Doppelbesetzung gespielt. Beim Casting selbst war es dann Zufall, dass gerade Spielmann und Dätwyler eine Textpassage von Puck vorlesen mussten. Da deren Zusammenspiel auf Anhieb harmonierte, stand bald fest, dass die beiden als Duo auftreten würden.

Die Sprecheinsätze wurden nicht fix aufgeteilt: Beide haben den gesamten Text einstudiert. Während dem Spiel ergibt sich spontan, wer welche Passage spricht. «Natürlich hat auch jeder seine Lieblingsstellen», meint Spielmann. Und manche Sätze würden auch synchron gesprochen.

Zoe Spielmann und Joel Dätwyler stehen gemeinsam auf der Bühne. An den diesjährigen Schlossspielen Falkenstein Niedergösgen wird Shakespeares "Sommernachtstraum" aufgeführt. Zoe Spielmann (Niedergösgen) und Joel Dätwyler (Windisch) spielen den Elfen "Puck" im Duo. Besuch an den Proben vom 31. Juli 2018.

Zoe Spielmann und Joel Dätwyler stehen gemeinsam auf der Bühne. An den diesjährigen Schlossspielen Falkenstein Niedergösgen wird Shakespeares "Sommernachtstraum" aufgeführt. Zoe Spielmann (Niedergösgen) und Joel Dätwyler (Windisch) spielen den Elfen "Puck" im Duo. Besuch an den Proben vom 31. Juli 2018.

Remo Fröhlicher

Blackout ausgeschlossen

Der grosse Vorteil der Doppelbesetzung: Die beiden Schauspieler können sich auf der Bühne gegenseitig den Text soufflieren, ein Blackout ist quasi ausgeschlossen. Wobei «Bühne» hier das falsche Wort ist: Gespielt wird bekanntlich im Schlosshof mit seiner urchigen Kulisse, und Spielmann und Dätwyler klettern mehr als einmal auf der rauen Felswand herum. Das gehört zu ihrer Rolle: «Wir stellen uns Puck als vierbeiniges Wesen vor, das sich gerne kriechend fortbewegt – ähnlich wie die Eidechsen, die hier auf dem Felsen herumwuseln», erklärt Spielmann.

Ansonsten sei vieles an der Figur unbestimmt. «Wir haben uns absichtlich nicht darauf festgelegt, ob es sich bei Puck nun um einen Kobold, einen Elfen oder ein sonstiges Fabelwesen handelt», so Dätwyler. Wenn die beiden jungen Spielpartner von ihrer Rolle erzählen, spürt man ihre Begeisterung für die wunderliche Figur, die sie verkörpern. So sagt Spielmann: «Mich in dieses ganz andersartige, nicht-menschliche Wesen zu verwandeln, fasziniert mich.» Auch für Dätwyler besteht die grosse Herausforderung darin, etwas Fremdartiges, Animalisches wiederzugeben. Bislang habe er in Theaterproduktionen immer nur Menschen gespielt.

Schauspiel und Musik als Hobbys

Schauspielern ist für Dätwyler ein grosses Hobby. Mit 13 Jahren hat er zum ersten Mal in einer Theatergruppe mitgewirkt. Als er bei «Karl’s kühne Gassenschau» als Statist mitwirkte, lernte er die Regisseurin Käthi Vögeli kennen. Diese fragte ihn an, ob er im Stück «Romeo und Julia», das an den Schlossspielen 2016 aufgeführt wurde, mitmachen wolle. Dätwyler stimmte zu. Und da ihm die Produktion damals so gefallen hatte, fiel ihm der Entscheid, auch bei der aktuellen Ausgabe der Schlossspiele mitzutun, leicht.

Spielmann dagegen verfügt noch über wenig Schauspielerfahrung. Ihre Stärken liegen dafür im musikalischen Bereich. So hat sie während ihrer Primarschulzeit an einem Musical teilgenommen – «das war ein schönes Erlebnis!» – und später im Grossen Chor der Kantonsschule Olten mitgesungen. An der Kanti hat Spielmann das musische Profil besucht und in diesem Rahmen vier Jahre Gesangsunterricht genommen.

Daneben spielt sie noch Geige. Als Niedergösgerin kennt Spielmann die Schlossspiele schon seit ihrer Kindheit. Aber auf die Idee, selber teilzunehmen, kam sie erst durch ihre Kolleginnen: Diese hatten an den Schlossspielen 2016 mitgewirkt und von ihren tollen Erlebnissen berichtet. Deren Aufforderung, bei der diesjährigen Ausgabe mitzumachen, musste sich Spielmann erst durch den Kopf gehen lassen – würden doch die Proben in ihrem Maturjahr stattfinden.

Doch schliesslich hat sie sich für das Casting angemeldet und die Teilnahme am Theaterprojekt bis heute nicht bereut: «Wie sich gezeigt hat, bestand nie ein Konflikt zwischen meinen Vorbereitungen für die Matur und dem Theater. Im Gegenteil: Die Proben haben mir ermöglicht, in eine andere Welt einzutauchen und so richtig abzuschalten.» Die Matur hat Spielmann unterdessen erfolgreich hinter sich gebracht. Sie will nun ein Zwischenjahr einlegen und sich in Ruhe überlegen, ob Musik und Theater eine Option für ihre zukünftige Laufbahn darstellen.

Bis es so weit ist, steht aber noch die Aufführung des «Sommernachtstraums» vor der Tür: Am nächsten Donnerstag steigt die Premiere. «Wir sind zuversichtlich, dass es gut kommt», sagen Spielmann und Dätwyler. Auch wenn sie kaum glauben können, dass es mit den Proben schon bald vorbei sein soll.

Die Schlossspiele Falkenstein Niedergösgen finden vom 9. August bis zum 1. September im Schlosshof statt.

Die genauen Aufführungsdaten und weitere Informationen finden Sie unter www.schlossspiele-falkenstein.ch.

Aktuelle Nachrichten