Nachgefragt
Klärmeister Martin Grob: «Abwasserqualität hat sich erheblich verbessert»

Klärmeister Martin Grob arbeitet seit drei Jahren bei der ARA. Er hat den fünf Jahre dauernden Umbau begleitet.

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Klärwerksleiter Martin Grob.

Klärwerksleiter Martin Grob.

Patrick Lüthy

Wieso hat der Umbau der ARA so lange gedauert?

Martin Grob: Er war ein grosser Eingriff in die Anlage. Neben den Bauarbeiten mussten wir den Tagesbetrieb aufrechterhalten. Das braucht Zeit.

Welche Arbeiten wurden ausgeführt?

Die konventionelle Kläranlage wurde in ein sogenanntes SBR-Verfahren umgerüstet. Das sind die vier grossen runden Reaktoren (siehe Haupttext oben). Zudem wurde das Rechengebäude erweitert, die Fein- und Grobrechen und die Zentrifugen für die Schlammentwässerung wurden erneuert. Auch wurden Betonsanierungen an bestehenden Becken der mechanischen Reinigungsstufe durchgeführt.

Reinigt die Anlage nun besser als vorher?

Das SBR-Verfahren ist ein innovatives, in der Schweiz seltenes Verfahren. Durch den Umbau können wir zwei Drittel des Stickstoffs abbauen. Mit der alten Anlage wurde der Stickstoff nur in eine unproblematischere Form umgewandelt. Bakterien und Pilze bauen nach wie vor den Kohlestoff ab. Das Phosphat wird chemisch eliminiert. Auch Mikroplastik wird weitgehend absorbiert. Durch die Investition hat sich die Abwasserqualität erheblich verbessert.

Dann sind Sie zufrieden mit der neuen Anlage?

Ja, ich bin überzeugt von den Reaktoren. Ihr Betrieb ist anspruchsvoll, aber effizient. Die Reaktoren sind unser grösster Stolz. Sie sind die Meilensteine in der Reinigungsleistung.

Laufen die Vorgänge nun reibungslos?

Eine Klärungsanlage ist wie ein Fingerprint: einzigartig. Wer eine solche Anlage baut, baut einen Prototyp. Nicht alles läuft von Anfang an perfekt. Es gilt, gewisse Anpassungen vorzunehmen. Das war auch hier der Fall. Etwa bei der Messtechnik. Jetzt funktioniert die Anlage gut. Aber: Sie ist eine dauernde Herausforderung. Wir arbeiten schliesslich mit einem Naturprodukt. Das Abwasser ist nicht immer gleich: im Sommer warm, im Winter kalt.

Sind die Arbeiten nun abgeschlossen?

Fürs Erste ja. Wenn unser Einzugsgebiet 80 000 Leute erreicht, müssten wir eine vierte Reinigungsstufe einbauen. Dabei werden etwa Rückstände von Medikamenten und Hormonen entfernt. Der Bund gibt hierbei vor, welche Anlagen eine solche Stufe bauen müssen. Winznau ist davon nicht betroffen. Der Bau dieser Reinigungsstufe würde jedoch Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe zur Folge haben. Ich erachte es daher als sehr unwahrscheinlich, dass der freiwillige Bau in Zeiten klammer Finanzen politisch bei den Gemeinden durchsetzbar
wäre. (rb)

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