Die Mitteilung ist kurz, die Meldung unspektakulär: An einer ausserordentlichen Generalversammlung wurden Andreas Heiz und Esther Denzler in den Verwaltungsrat des Kernkraftwerks Gösgen gewählt, wie das Unternehmen diese Woche mitteilte. Heiz übernimmt einen der beiden Axpo-Sitze, Denzler vertritt die Centralschweizerischen Kraftwerke. Die langjährigen Verwaltungsräte Thomas von Weissenfluh und Manfred Thumann haben demissioniert. So weit, so unspektakulär?

Eine andere Rochade bleibt in der Meldung unerwähnt. Kein Wort dazu, dass seit kurzem auch Christian Wanner im KKW-Verwaltungsrat sitzt. Ein Eintrag im Handelsregister belegt: Der frühere Solothurner Finanzdirektor hat sein Amt bereits im September 2014 angetreten – gewissermassen im Schatten der Öffentlichkeit. Im achtzehnköpfigen Verwaltungsrat hat Wanner einen der sechs Alpiq-Sitze inne. Der Energiekonzern kontrolliert 40 Prozent der Kernkraftwerk-Aktien.

Vorgänger war operativ tätig

Immerhin steckt hinter dieser Personalie ein interessantes Detail: Wanners Sitz im KKW-Verwaltungsrat wurde bis im Herbst von einem operativ tätigen Alpiq-Manager besetzt. Sein Vorgänger Benoît Revaz war Mitglied der Konzernleitung. Der ausgewiesene Energiefachmann hat das Unternehmen nun jedoch verlassen.

Warum hat nun ein Mann der strategischen Ebene dessen Posten geerbt? «Der Alpiq-Verwaltungsrat hat beschlossen, diesen künftig mit jemanden aus seinem Kreis zu besetzen», erklärt Wanner auf Anfrage. Und die Wahl sei dann auf ihn gefallen. Man setzte bei den Verwaltungsräten auf eine ausgewogene Zusammensetzung «bezüglich operativer, wirtschaftlicher und politischer Erfahrung», heisst es bei Alpiq.

Minimale Entschädigung

Die Fakten sind bekannt: Seit Jahren stellt der Kanton Solothurn im Alpiq-Verwaltungsrat den Vizepräsidenten; seit Jahren führt Christian Wanner dieses Amt. Zuerst als Finanzdirektor, seit seiner Pensionierung im August 2013 als Ex-Finanzdirektor. Und das soll bis 2016 auch so bleiben, wie die Kantonsregierung diesen Herbst bestätigte.

Im Juni 2013 geriet Wanner wegen seiner Alpiq-Tätigkeit in die Schlagzeilen. Die «Weltwoche» machte publik, dass der damalige FDP-Regierungsrat grosse Teile der Entschädigungen für sein Mandat behalten hatte. Rechtlich gesehen, gab es dagegen nichts einzuwenden. Umso grösser waren bei Politikern die moralischen Bedenken. Daraufhin beschloss der Kantonsrat eine Gesetzesänderung. Künftig müssen Staatsangestellte, die den Kanton in öffentlichen oder privaten Unternehmungen vertreten, sämtliche Entschädigungen der Staatskasse abliefern. Behalten dürfen sie nur noch einen Teil der Spesen. Derweil verzichtet Wanner, der nicht mehr auf der Lohnliste des Kantons steht, freiwillig auf Alpiq-Gelder. «Ich bekomme nur noch Spesen und eine kleine Büro-Entschädigung», erklärte er im September dieser Zeitung.

Entschädigungen, die Wanner aus seinem neuen Mandat beim Kernkraftwerk Gösgen bezieht, muss er nicht abliefern. Er beziehe lediglich Beiträge «von 3000 bis 4000 Franken jährlich», sagt er. Das Kernkraftwerk Gösgen und Alpiq äussern sich nicht zur Höhe der Entschädigungen. Alpiq-Kommunikationschef Richard Rogers bestätigt aber: Einzig Angestellte des Konzerns dürfen die Entschädigungen ihrer Verwaltungsratsmandate nicht behalten.