Trimbach

Kinder werden hier im Stil einer Grossfamilie aufgenommen

Die Heimleiter Gabriel und Doris Lüthi (vorne) gemeinsam mit den Gründern Sylvia und Kurt Lüthi (hinten) vor dem «Du+Ich» in Trimbach.

Die Heimleiter Gabriel und Doris Lüthi (vorne) gemeinsam mit den Gründern Sylvia und Kurt Lüthi (hinten) vor dem «Du+Ich» in Trimbach.

In Trimbach bietet «Du+Ich» Kindern in schwierigen Lebenssituationen seit 40 Jahren ein Zuhause. Dem Team ist es wichtig, dass das familiäre Gefühl bestehen bleibt.

«Es soll für die Kinder ein Zuhause sein», sagt Doris Lüthi von der sozial- und heilpädagogischen Wohngruppe «Du+Ich» in Trimbach. Und wie ein solches fühlt sich das Haus am Mühleweg auch an: Bunte Bilder hängen an den Wänden, weihnachtliche Dekorationen schmücken den gesamten Eingangsbereich, ein Samichlaus klettert am Treppengeländer in die oberen Stockwerke. Es herrscht eine warme, heimelige Atmosphäre. Das Heim ist momentan der Wohnort von zehn Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 13 Jahren.

Doris Lüthi führt die Institution seit fast 20 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel Lüthi. Dessen Eltern hatten «Du+Ich» vor mittlerweile 40 Jahren gegründet. Die Idee war schon damals dieselbe: Menschen in schwierigen Lebenssituationen sollen im Stil einer Grossfamilie aufgenommen werden und so ein Zuhause finden können. Aus der Familie, die «Du+Ich» zu Beginn war, wurde schliesslich eine Institution, welche an die interkantonale Heimvereinbarung gebunden ist und unter Aufsicht des Amts für Soziale Sicherheit des Kantons Solothurn steht.

Eine Chance für alle

Mit acht Mitarbeitern ist das Team des Heims zwar relativ klein, doch besonders für die Kinder sei dies optimal. «So bleibt das familiäre Gefühl bestehen, das uns so wichtig ist», erklärt Lüthi. Die Kommunikation im Team sei sehr engmaschig und die Angestellten übernehmen viel Verantwortung, was zur funktionierenden Wohngemeinschaft führt. Doch auch die Kinder tragen mit Ideen zum gemeinsamen Wohnen und Wohlfühlen bei.

Jeder hat sein Ämtli, wie dies auch in einer anderen Familie der Fall wäre. So sei es auch möglich, ein harmonisches, familiäres Zusammenleben zu gewährleisten – und zwar für jedes Kind, das dies benötigt. «Wir wählen die Kinder nicht nach ihrem Schicksal aus», sagt Lüthi. Denn jeder soll die Chance für einen Neuanfang erhalten. «Jedes Kind, das zu uns kommt, hat einen riesigen Rucksack dabei», erklärt sie. «Wir können ihnen diesen zwar nicht abnehmen, aber wir können helfen, ihn zu tragen.»

Natürlich könne dies auch zu Problemen führen. «Manchmal will jemand sein Ämtli nicht erledigen, oder es gibt Probleme mit pubertierenden Jugendlichen. Das kann dann schon eine geballte Ladung sein», lacht Doris Lüthi. Doch: «Das ist in jeder Familie so, nicht nur in unserer.» Sie und ihr Mann sind der Überzeugung, dass Kleinstinstitutionen in der stationären Kinderbetreuung auch in Zukunft für das Wohlergehen der Betroffenen sehr wichtig sind.

Immer eine Überraschung bereit

Für das 40-Jahr-Jubiläum hat sich die Heimleitung nicht eine grosse, sondern mehrere kleine Überraschungen einfallen lassen: Ein spezielles Abendessen für alle, eine Kutschenfahrt am jährlich stattfindenden Sommerfest oder ein zweites Lager ins Emmental, wo die Kinder und Betreuer eine gemeinsame Woche in der Natur verbracht haben. Bei jeder Veranstaltung ist Doris Lüthi besonders wichtig, dass das Kind im Vordergrund steht. So ist auch das nächsten Monat anstehende Weihnachtsessen mit den Kindern bereits in Planung. Und sie verrät schmunzelnd: «Ganz ohne Überraschung wird auch dieses nicht ablaufen.»

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