Kienberg
Genossenschafts-Wohnungen statt Asylheim: Projekt «Hübelistrasse 26» geht in die nächste Runde

Das verlassene Bauernhaus in Kienbergs Dorfzentrum soll einem Neubau weichen. Nun müssen Genossenschafter für die Finanzierung gesucht werden.

Felix Ott
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Das ehemalige Asylheim wird abgerissen. Ein Neubau mit Genossenschaftswohnungen soll den Platz einnehmen.

Das ehemalige Asylheim wird abgerissen. Ein Neubau mit Genossenschaftswohnungen soll den Platz einnehmen.

Zvg (12.10.2018)

Die Hübelistrasse 26 ist in Kienberg bereits viele Jahre ein Thema. Das Bauernhaus stand früher lange leer. Dann hat der Gemeinderat 2014 beschlossen, die Liegenschaft grob zu renovieren und an die Sozialregion Unteres Niederamt (SRUN) zu vermieten. Im April 2015 zogen dann die ersten Asylbewerber in das Haus im Dorfzentrum.

Doch bereits 2017 verliessen die letzten Asylsuchenden die Liegenschaft. Die SRUN kündigte den Mietvertrag unter der Begründung, dass die Betreuung der Asylbewerber in Kienberg zu aufwendig sei. Ausserdem seien die Asylgesuche weniger geworden und es stünden genügend andere Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Das Haus stand seither wieder leer, bis kürzlich die Gemeindeverwaltung vorübergehend eingezogen ist. Doch nun muss eine nachhaltige Nutzung der Liegenschaft geplant werden.

Arbeitsgruppe prüfte die Machbarkeit des Projektes

Durch die Kündigung des Mietvertrags ist die Gemeinde mit Mehrkosten konfrontiert. Einerseits fehlen die Mieteinnahmen und andererseits verkommt die Liegenschaft zunehmend. Eine Arbeitsgruppe wurde damals beauftragt, sich um eine Lösung für das Gebäude zu kümmern. Diese Lösung wurde gefunden und lautet aktuell: Genossenschaftswohnungen.

Im Rahmen ihres Auftrages prüfte die Arbeitsgruppe die Machbarkeit eines Neubaus mit Genossenschaftswohnungen. Die Aarplan Architekten AG entwickelte dazu den Entwurf eines Bauprojektes mit sechs Wohnungen.

Vergleich der Frontansichten: die aktuelle Situation und ein früher Entwurf des Neubaus:

Aktuelle Frontansicht

Aktuelle Frontansicht

Aarplan Architekten AG
Früher Entwurf für neue Frontansicht

Früher Entwurf für neue Frontansicht

Aarplan Architekten AG

Aarplan Architekten AG

Vergleich der Seitenansichten: die aktuelle Situation und ein früher Entwurf des Neubaus.

Aktuelle Seitenansicht

Aktuelle Seitenansicht

Aarplan Architekten AG
Früher Entwurf für neue Seitenansicht

Früher Entwurf für neue Seitenansicht

Aarplan Architekten AG

Aarplan Architekten AG

Der Verband Wohnen Schweiz attestiert dem Projekt, finanzielle Realisierbarkeit, wirtschaftliche Konzeption, realistischer Kostenrahmen und einen zuverlässigen Partner durch Aarplan. Doch eines steht dem Bauprojekt noch im Wege. Die Genossenschafter, die das ganze finanzieren und umsetzen sollen, müssen noch gefunden werden.

Das Projekt biete viele Vorteile für Kienberg

Genossenschaftliches Wohnen biete in vielen Aspekten einen Vorteil, schreibt die Arbeitsgruppe in der Präsentation des Projektes. Genossenschaften würden sich durch hohe Ortsverbundenheit auszeichnen und seien somit sehr glaubwürdig. Zudem besitze jeder Genossenschafter Mitbestimmungsrecht und es sei es eine sichere Investitionsmöglichkeit, da durch die Statuten Spekulationen ausgeschlossen werden.

Gemeindepräsidentin Adriana Gubler

Gemeindepräsidentin Adriana Gubler

Bruno Kissling (29.11.2019)

Aber auch für die Gemeinde Kienberg bringe das Projekt viele Vorteile. Besonders wichtig sei die Aufwertung der Liegenschaft mitten im Dorf, sagt Adriana Gubler auf Anfrage. Ausserdem gäbe es in Kienberg kaum kleine Wohnungen, wodurch viele Junge wegziehen. Durch den Bau neuer Wohnräume könnten die Erstauszieher im Dorf gehalten werden.

Zudem haben ältere Menschen, die den Unterhalt ihres Hauses nicht mehr selbst bewältigen wollen oder können, die Möglichkeit in die kleineren Wohnungen zu ziehen. Dadurch können wiederum junge Familien leichter an ein Eigenheim kommen, erklärt die Gemeindepräsidentin.

Die Einwohner müssen überzeugt sein

Im Juni wurde ein Infoabend veranstaltet, um die Bevölkerung über die aktuelle Lage des Sorgenkindes im Dorfzentrum zu informieren. Ausserdem sollen die Kienberger dadurch zur Beteiligung an der Genossenschaft motiviert werden.

«Es ging darum, den Leuten aufzuzeigen, dass so ein Projekt nur mit der Unterstützung der Bevölkerung möglich ist. Besonders in einer kleinen Gemeinde»

sagt Gubler. Ausserdem sollen sich die Kienberger ein Bild machen können, wie ein möglicher Neubau aussehen könnte. Der Infoanlass sei gut besucht und das Echo der Gemeinde äusserst positiv gewesen. Es gäbe bereits erste Interessenten für die Wohnungen.

Aktueller Entwurf des Neubaus in Kienberg mit Anpassungen.

Aktueller Entwurf des Neubaus in Kienberg mit Anpassungen.

Aarplan Architekten AG

Genossenschaft muss noch gegründet werden

Doch die aktuell grösste Herausforderung sei es, den Vorstand zu besetzen, der sich um die konkrete Umsetzung des Projektes kümmert, berichtet die Gemeindepräsidentin. Aber auch hier werden bereits Gespräche geführt. Sicher ist bereits, dass ein Sitz an einen Vertreter des Gemeinderates geht. Noch sei aber unklar, wer das Präsidium übernehme, sagt Gubler.

Sollte aus irgendeinem Grund die Finanzierung des Projektes nicht funktionieren, habe die Gemeinde die Möglichkeit sich mit der Fricktaler Baugenossenschaft zusammenzutun, welche bereits ihr Interesse bekundet hat.

In den nächsten Monaten soll das Projekt von der Arbeitsgruppe an die Genossenschaft übergeben werden. Adriana Gubler ist zuversichtlich, dass der Vorschlag der Arbeitsgruppe so übernommen wird. Sie betont jedoch, dass die definitive Planung und Umsetzung des Bauvorhabens von der noch zu gründenden Genossenschaft verantwortet werde.

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