Am 23. Mai 1618 stürzten in Prag böhmische Adelige zwei kaiserliche Statthalter und deren Sekretär aus dem Fenster der Burg. Dieser «Fenstersturz von Prag» gilt als Auslöser eines Krieges, der während 30 langen Jahren ganze Landstriche vorab in Deutschland verheerte. Besonders stark betroffen war die Region Württemberg, die Bevölkerungsverluste von über 40, teilweise gar von über 50 Prozent erlitt. Massiv betroffen war schliesslich auch das katholische Fricktal, das damals zu Vorderösterreich gehörte. Anfänglich spürten die Fricktaler den Krieg erst durch immer höhere Kriegssteuern. Brenzlig wurde es, als 1632 die Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolf II. näher kamen.

Im September erschien eine erste kleine schwedische Truppe vor Rheinfelden und forderte zweimal vergeblich die Übergabe der Stadt. Die abgewiesenen Schweden plünderten «ersatzweise» Augst, das Kloster Olsberg, zogen plündernd weiter über Magden, Zeiningen und Wegenstetten. Sie stiessen bis Erlinsbach auf bernisches Gebiet vor, wie Emil Jegge in der «Geschichte des Fricktals» schreibt.

Flucht in die Eidgenossenschaft

Wenn in den Folgejahren das hin- und herwogende Kriegsgeschehen den Schweden zuneigte und diese sich näherten, löste dies jeweils riesige Fluchtbewegungen aus den bedrohten süddeutschen und fricktalischen Regionen in die neutrale Eidgenossenschaft aus (siehe Kontext links). So beherbergte zur Osterzeit 1638 das etwa 400 Personen zählende Zurzach 1200 Flüchtlinge. In höchster Not war auch das nahe solothurnische Dorf Kienberg für viele Fricktaler wiederholt die letzte Rettung. So berichtete der Vogt in Gösgen am 10. Juli 1633 nach Solothurn, in Kienberg sei eine «gehörige Menge fliehendes Volk aus dem Fricktal» angekommen. Es sei zu befürchten, dass die Schweden das Fricktal in ihre Gewalt nehmen.

Die Berner liessen bei Erlinsbach «beim steinernen Kreuz» den Weg eng mit Bäumen versperren und bewachen. Aarau entsandte 40 Musketiere. Im August kehrten 1200 Flüchtlinge ins Fricktal zurück. Dort mussten sie den Schweden Abgaben zahlen, damit diese ihr Land nicht verwüsteten. Im Oktober meldete der Vogt erneut nach Solothurn, viele Fricktaler Frauen und Kinder seien in Kienberg, mitsamt dem Vieh. Erst im November gab es Entwarnung, nachdem die Schweden abgezogen waren. Jetzt holten die Fricktaler ihre Habe in Kienberg wieder ab.

Bedrohter Zufluchtsort

Doch 1634 wurde es für Kienberg selbst gefährlich. Fremde Reiter stahlen dort Schafe und Schweine. Das hochexponierte Dorf bat dringend um 400 bis 500 Mann und mehrere Stückli (Kanonen). Die Verstärkung kam. Doch bald folgte die Bitte, man möge doch auch noch Leute schicken, die mit den Stückli umzugehen wissen. Mit den Landleuten sei man da «wegen des beständigen Wechsels schlecht versehen». Es wurden Schanzen errichtet. Denn nachdem die Schweden im nahen Schwarzwald über ein Dutzend Dörfer eingeäschert hatten, drohten sie im Juni Kienberg dasselbe Schicksal an. Es kam zum Glück nicht so weit.

Desertierende Soldaten

Im Februar 1638 geriet Kienberg erneut ins Visier. Reiter und Fussvolk versuchten mehrfach dort einzudringen. Sie behaupteten, das Dorf gehöre zum Fricktal. Wieder wurden die Verteidiger aufgestockt, wobei es wie schon früher zu Klagen über einheimische Soldaten kam, die abhauten. Im März berichtete der Vogt, in Wölflinswil sollen 50 Firste (Häuser) abgebrannt sein. In Wittnau versuchten die Menschen, ihre Kirche zu retten. Bauern vergruben die Kirchenglocken. Erst im April gab es Entwarnung. Die Schweden waren wieder mal abgezogen. Ab 1639 war das Fricktal nicht mehr direkt betroffen. Doch der ersehnte Frieden liess noch lange auf sich warten.