Däniken

Keine Verpackungsanlage für Atommüll – Erleichterung mit fahlem Nachgeschmack

Blick auf das Niederamt mit dem AKW Gösgen.

Blick auf das Niederamt mit dem AKW Gösgen.

In Däniken wird keine Verpackungsanlage für Atommüll gebaut. Trotz der Freude über diesen Entscheid wird Kritik laut.

«Wir waren hocherfreut, als wir den Entscheid erhielten», erklärt Matthias Suter. Er ist Gemeindepräsident Dänikens, wo das Kernkraftwert Gösgen steht. Erfreut ist er darüber, dass das Bundesamt für Energie die Vorabklärungen für eine Brennelement-Verpackungsanlage auf dem Areal des AKW Gösgen nicht weiterführen.

Im Mai dieses Jahres hat das Bundesamt die Gemeinde informiert, dass geprüft wird, eine solche Anlage zu errichten. Die Initiative für den Bau ist aber nicht von den Behörden gekommen, sondern von der Betreiberin des Kernkraftwerkes Gösgen-Däniken AG. «Es ist völlig legitim, dass die Betreiberin diesen Vorschlag gemacht haben. Als Aktiengesellschaft denken sie wirtschaftlich», meint der FDP-Politiker.

Unsensibler Kommunikationsstil

Enttäuscht war er aber über den Kommunikationsstil des Bundesamtes. Im Mai sei er telefonisch informiert worden und kurz darauf veröffentlichte das Bundesamt eine Medienmitteilung, die über die geplanten Vorabklärungen informierte. «Wir hatten als Standortgemeinde viel zu wenig Informationen über diese höchst technische Angelegenheit», moniert Suter. Das Vorgehen hat in Däniken für Verunsicherung gesorgt. Er wurde von verschiedenen Seiten auf das Thema angesprochen.

Als dann im Juni Experten des Bundesamtes für Energie und der Nagra (der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) das Projekt dem Gemeinderat vorgestellt hatten, war der Rat nicht erfreut über diese Prüfung, auch wenn es sich nur um Vorabklärungen handelte. Da der Rat aber noch keine Details hatte, konnte er kein abschliessendes Urteil über das Projekt fällen.

Keine Synergien wegen falschem Standort

Fraglich war aber schon zu diesem Zeitpunkt, ob es wirtschaftliche Synergien gibt, wenn die Verpackungsanlage an einem weiteren Standort und nicht in der Nähe des Tiefenlagers steht. Ausserdem wäre an diesem Standort wohl nicht nur Atommüll des AKW Gösgen verpackt worden, sondern auch von anderen Standorten. «Wir hatten den Experten unsere Sicherheitsbedenken bezüglich Transport und Behältnisse mitgeteilt», sagt Suter. Daher sei er über die unsensible Kommunikation des Bundes verärgert: «Oftmals wäre es besser, sich ein Bild vor Ort zu machen.»

Wieso wurde das Verfahren aufgenommen?

Nicht nur der Däniker Gemeindepräsident übt Kritik am Bundesamt für Energie, sondern auch SP-Kantonsrat Urs Huber. Er ist Präsident des Vereins «Niederamt ohne Endlager». Über den Entscheid ist er zwar zufrieden und erleichtert. «Ich war aber sehr irritiert über das Vorgehen der zuständigen Behörde», erklärt er. Für ihn sei es unverständlich, warum das Bundesamt überhaupt auf den Vorschlag der Betreiberin eingegangen ist.

Gemäss Huber gab es bisher klare Vorgaben in den Verfahren, wo eine solche Anlage errichtet werden kann. Der Standort im Niederamt entspricht nicht diesen Plänen. «Da kommt eine Betreiberin mit einer Businessidee und plötzlich folgen die zuständigen Instanzen ihren Richtlinien nicht mehr», sagt der Sozialdemokrat. Auch die Begründung, wieso man nicht weitere Abklärungen treffen wollte, fand Huber stossend. Denn das Verfahren sei laut Medienmitteilung eingestellt worden, weil die Betreiberin kein Interesse mehr an dieser Anlage hatte. «Was wäre passiert, wenn die Betreiberin die Pläne nicht zurückgezogen hätten?», fragt Huber. Für ihn habe dieses Verfahren die Glaubwürdigkeit des Bundesamts beschädigt: «Da kommt die Frage auf, wer hier eigentlich das Sagen hat: Nagra und Bundesamt oder die Kernkraftwerkbetreiber?»

Unklare Zukunft des Vereins

Diese Vorabklärungen seien wie ein Spuk gekommen und wieder gegangen. Was das jetzt für den Verein «Niederamt ohne Endlager» bedeutet, kann Huber noch nicht sagen. «Unser Vereinsziel wäre ja erreicht, wenn wir nichts mehr zu tun haben.» Dieses Jahr wollte er schon «zusammenpacken», wie er es formuliert. Denn der Bundesrat hat letztes Jahr beschlossen, dass es keine Tiefenlager-Standorte im Gebiet des Jura-Südfusses geben sollte. Als dann im Frühjahr 2019 das Verfahren für das Verpackungslager gekommen ist, hat der Verein entschieden, seine Tätigkeit noch nicht einzustellen.

Die Brennelement-Verpackungsanlage dient dazu, den radioaktiven Atommüll für mehrere Jahrzehnte, gar Jahrhunderte, sicher zu verschliessen, damit sie in einem Tiefenlager aufbewahrt werden können. Diese Anlagen sind normalerweise in der Nähe eines Lagers, damit das gefährliche Material nicht mehr transportiert werden muss.

Autorin

Judith Frei

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