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Kein Schwein ruft mehr an - das Sterben der Telefonzelle

Immer weniger öffentliche Sprechstellen betreibt die Swisscom in der Region Olten. Im Zeitalter der mobilen Kommunikation werden auch in Zukunft immer mehr geschlossen werden. 2018 könnte die Dienstleistung sogar aus der Grundversorgung fallen.

Philipp Felber
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Telefonzellen bei der Hauptpost Olten

Telefonzellen bei der Hauptpost Olten

Bruno Kissling

Noch gibt es sie, die Telefonzellen. Doch immer wieder werden in der ganzen Schweiz öffentliche Sprechstellen geschlossen. Mitte der 1990er-Jahre lag die Anzahl der Telefone schweizweit noch bei über 60 000, danach ging es steil bergab. Seit 2009 dürfen die Gemeinden selber entscheiden, ob eine Zelle weiterhin betrieben wird oder nicht. Dies, obwohl die Kosten für eine Sprechstelle bei der Konzessionärin liegt. Die Konzessionärin ist sicher bis 2017 die Swisscom.

Mehr als 90 Prozent weniger

Momentan sind in der Schweiz noch 4096 sogenannter Publifone aktiv. In der Region sind es noch 52. Die Tendenz auch hier sinkend. Momentan legt die Eidgenössische Kommunikationskommission die Anzahl von Standorten pro Gemeinde fest. «Bei der Festlegung der Anzahl obligatorischer Standorte pro Gemeinde trägt sie insbesondere der Einwohnerzahl, der Fläche und den spezifischen Besonderheiten der politischen Gemeinden Rechnung», erklärt Armin Schädeli, stellvertretender Leiter Media Relations bei der Swisscom.

Die letzte Sprechstelle, die in letzter Zeit in der Region aufgehoben wurde, war in Winznau. «Die vorgelegten Verbindungsstatistiken und Nutzungsdaten sprechen eine deutliche Sprache. Die Telefonkabine wird seit längerer Zeit kaum mehr frequentiert», lässt die Gemeinde dazu verlauten. Was das heisst? Drei kurze Telefonanrufe pro Woche. Warum aber wurde nicht an der Sprechstelle festgehalten, wenn doch die Swisscom die Kosten übernimmt? «Obwohl keine Kosten entstehen würden, sieht der Gemeinderat keinen Vorteil, eine Dienstleistung anzubieten, welche nicht genutzt wird.»

Wer benutzt denn die öffentlichen Sprechzellen überhaupt noch? Armin Schädeli nennt drei konkrete Gruppen. Einerseits Leute, welche günstig ins Ausland telefonieren möchten, andererseits Touristen und Leute, welche die Sprechstellen als Notfalltelefon nutzen. Und wie unsere kleine Umfrage (rechts) zeigt, auch Leute, welche kein Mobiltelefon besitzen.

2018 wohl nicht mehr in Grundversorgung

Das bisherige Regime wird aber wohl in absehbarer Zeit ändern, so möchte es das Bundesamt für Kommunikation (Bakom). «Der Dienst ‹öffentliche Sprechstellen› wird künftig nicht mehr als Dienst der Grundversorgung gewährleistet sein», schreibt das Bakom in den Erläuterungen zur Vernehmlassung über die Änderung der Verordnung über Fernmeldedienste. Diese lief Anfang Dezember 2015 aus, noch in diesem Jahr soll das Geschäft an den Bundesrat gehen.

Der Regierungsrat des Kantons Solothurn äusserte sich in seiner Vernehmlassungsantwort positiv über die geplante Streichung der öffentlichen Sprechstellen aus dem Grundversorgungsangebot. Und auch die Solothurner Handelskammer unterstützt die Streichung. Die Stiftung Konsumentenschutz SKS möchte in Gebieten, in denen die Abdeckung mit einem Mobilnetz nicht ausreichend ist, den Service beibehalten. Der Grundtenor aller Vernehmlassungsantworten lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die Telefonzellen braucht es in der Grundversorgung nicht mehr.

Weiterer Abbau steht bevor

Die Swisscom als momentane Konzessionärin schreibt in ihrer Vernehmlassungsantwort: «Die Nutzung der öffentlichen Sprechstellen ist im letzten Jahrzehnt um über 90 Prozent gesunken.» So sei eine Streichung dieses Dienstes der richtige Weg. An allen Standorten «wo sich eine öffentliche Sprechstelle befindet, kann heute bequem und zugleich erschwinglich über das Mobilfunknetz telefoniert werden», schreibt die Swisscom weiter.

Das heisse nun laut Armin Schädeli nicht, dass die Sprechstellen nach Ablauf der Konzessionsfrist sofort verschwinden werden. Falls der Entscheid getroffen werde, dass die Telefonkabinen nicht mehr dem Grundversorgungsauftrag unterliegen, werde die Swisscom den definitiven Entscheid über Weiterbetrieb oder Einstellung dieser Dienstleistung vom weiteren Nutzungsverhalten und Bedarf dieser Dienstleistung abhängig machen.

«Die Swisscom will die öffentlichen Publifone wie alle anderen Dienstleistungen und Produkte nach den Kundenbedürfnissen ausrichten.» Es sei daher ein Anliegen, die Publifone dort zu betreiben, wo auch eine konkrete Nachfrage bestehe, vermeldet Schädeli. Da die Nachfrage aber auch in Zukunft noch mal abnehmen dürfte, wird auch die Zahl der Sprechstellen weiter sinken.