Schönenwerd
«Kässelibeat» sammelt nur, was ihm gefällt

Der Baselbieter Beat Walmer besitzt über 1000 Banksparkässeli. Das Zündholzmuseum Schönenwerd zeigt seine Sammlung.

Christoph Zehnder
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Kässelisammler Beat Walmer
13 Bilder
Dieses Exemplar ist über 140 Jahre alt.
Darunter viele Raritäten.
Manche Stücke wirken heute skurril.

Kässelisammler Beat Walmer

Bruno Kissling

Im Zeitalter von Kreditkarten und Kryptowährungen wirkt das Hobby von Beat Walmer wie ein Anachronismus. Der Baselbieter sammelt eifrig Banksparkässeli. Seine Kollektion umfasst über 1000 Stück. Die schönsten und seltensten Exemplare sind derzeit im Zündholzmuseum in Schönenwerd zu bestaunen. Die schimmernden Spardosen wecken unter Besuchern so manche Erinnerung an frühere Göttibatzen und sauer verdientes Taschengeld.

Ein Blickfang sind auch die mechanischen Sparkassen, etwa die früher weitverbreiteten – und heute undenkbaren – «Negerkässeli» oder die Wilhelm-Tell-Kasse aus dem Jahr 1896. Gleichzeitig ist die Ausstellung fast so etwas wie eine Chronik der Schweizer Bankenlandschaft. Nicht wenige der Finanzhäuser, welche die Kässeli einst herausgaben, sind mittlerweile verschwunden.

Gastausstellung Banksparkässeli

im Zündholzmuseum Schönenwerd bis 18. März 2018.

Kässelivortrag mit Apéro

19. November 2017
21. Januar 2018
18. Februar 2018
18. März 2018

Kässelibeat öffnet Ihr Sparkässeli

3. Dezember 2017

Treffen für Kässelisammler

4. Februar 2018
4. März 2018

Beginn jeweils 10.30 Uhr

www.kaesselibeat.ch

www.zuendholzmuesum.ch

So glänzend wie die silbrigen Büchsen werden auch Beat Walmers Augen, wenn er anfängt, von seinen Kässeli zu erzählen. Sein ältestes Ausstellungsstück stammt aus dem Jahr 1870 und liegt ihm besonders am Herzen. Es wurde von der Basellandschaftlichen Kantonalbank herausgegeben, wo Walmer heute arbeitet. Es war ein Geschenk. Die meisten seiner Kässeli findet er aber auf Flohmärkten, in Brockenhäusern, im Internet oder durch Tauschhandel mit Sammlerkollegen. Mittlerweile hat er sich ein regelrechtes Netzwerk von Leuten aufgebaut, die ihn auf mögliche Trouvaillen hinweisen.

Aus 2 wurden 1000

Walmer ist kein typischer Sammler. Das Fieber hat ihn erst vor sieben Jahren erfasst. «Ich habe einfach enorm Gas gegeben», sagt er. Angefangen hat es mit zwei Kantonalbank-Kässeli, die er im Internet erstanden hat. Das brachte ihn auf die Idee, eines von jeder Kantonalbank aufzustöbern. «Nach vier Monaten hatte ich 15 Kantone», erinnert er sich. Von da an wurden es immer mehr. Walmer, der in seinem Umfeld als «Kässelibeat» bekannt ist, sammelt aber nur, was ihm gefällt. «Es gibt Sammler, die sind völlig fixiert», sagt er. «So bin ich nicht und lasse auch ein Kässeli stehen, wenn es mir nicht gefällt oder es in einem schlechten Zustand ist.»

Es gehe auch nicht darum, einen Katalog zu vervollständigen, wie das etwa bei Münzen oder Briefmarken oft der Fall sei. Wie jeder Sammler ist aber auch er ständig auf der Suche nach Raritäten. Da früher fast jedes Dorf seine eigene Darlehenskasse mit eigenen Kässeli hatte, war die Vielfalt entsprechend gross. Häufig trugen die Spardosen den Namen des Herausgebers und das Wappen der Gemeinde oder des Kantons. «Je kleiner die Ortschaft, desto weniger Kässeli gibt es», erklärt der 58-Jährige.

Umso wertvoller wird es in den Augen des Sammlers. Für rare Exemplare werden daher gerne mal mehrere hundert Franken geboten – ohne Inhalt, versteht sich. Es sei allerdings schon vorgekommen, dass in einer Kasse noch Geld zum Vorschein kam. Mehr als Wert oder Inhalt des Sammelobjekts interessiert Beat Walmer jedoch die Geschichte, die dahinter steckt.

Kässeli ohne Schlüssel

In der Schweiz gebe es vielleicht um die 100 Kässelisammler, schätzt er – Tendenz steigend. Aber nur wenige betreiben das Hobby dermassen intensiv. Viele Sammler seien zudem eher introvertiert, sagt Walmer. Ein gewisser Futterneid sei manchmal spürbar. Der Baselbieter möchte mit seinen Aktivitäten zur Öffnung der Szene beitragen. «Gemeinsam geht es besser», findet er und hat darum auch die Chance für eine Ausstellung in Schönenwerd wahrgenommen.

Im Oktober lud er im Zündholzmuseum zum ersten Treffen für Kässelisammler ein. Diesen Sonntag, 19. November, hält er einen Vortrag, in dem er die Geschichte der Sparkässeli beleuchtet. Darüber hinaus leistet Walmer auch Hilfe beim Öffnen von Sparbüchsen, deren Schlüssel nicht mehr auffindbar ist. «Die Banken haben früher die Schlüssel nicht herausgegeben», weiss er.

Darum besitzt er mittlerweile eine ganze Sammlung von Schlüsseln – viele sind Nachbildungen – und bietet seinen Schlüsseldienst auch verzweifelten Kässelibesitzern an. Es sei nämlich schon vorgekommen, dass ein wertvolles Exemplar zerstört wurde, nur um an den eher mageren Inhalt zu gelangen.

Projekt Kässeli-Buch

Sein mittlerweile enormes Wissen über die Welt der Sparkassen stellt Beat Walmer gerne auch anderen zur Verfügung. Er hält Vorträge an Sammlerbörsen und lädt Interessierte auch mal unverbindlich zu sich nach Hause ein. Gegenwärtig schreibt er an einem Buch über Sparkässeli. Dieses möchte er demnächst fertigstellen.

Allen Bitcoins und Bezahl-Apps zum Trotz glaubt Beat Walmer auch weiterhin fest an den Fortbestand des Bargelds und somit auch der Sparkassen. Denn was einfach und verständlich sei, setze sich am Ende durch, ist er überzeugt. «Der Mensch will Dinge anfassen», sagt er. Das sei ein Urinstinkt. Das gelte ebenso für das Jagen und Sammeln. «Der Sammeltrieb ist in uns allen drin. Man muss ihn nur wecken.»

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