Bei einer Fahrt durch den Niedergösger Dorfkern gibt es neben dem Schloss Falkenstein ein weiteres markantes Gebäude, das heraussticht. An der Hauptstrasse 36 befindet sich ein Haus mit kirchenähnlichen Details: Bogenfenster gewähren einen Einblick ins Innere des Hauses, ein kleiner Turm ziert die eine Seite, eine Arkade führt zum Eingang.

Das Gebäude gehört der evangelisch-methodistischen Kirche Aarau und diente dieser jahrelang als Kapelle. Die Glaubensgemeinschaft will das Haus nun verkaufen, wie ein Inserat auf dem Internetportal «comparis» zeigt.

Dies bestätigt auch Sylvia Minder, Pfarrerin der evangelisch-methodistischen Kirche Aarau. «Wir haben keine Verwendung mehr für das Gebäude», erklärt sie. Früher wurden im Haus Gottesdienste veranstaltet. «Das tun wir aber seit 2010 nicht mehr», so Minder. Denn diese finden mittlerweile hauptsächlich in Aarau statt.

Kapelle nicht mehr genutzt

Zur evangelisch-methodistischen Kirche Aarau gehören neben Aarau noch drei weitere Gemeinden: In Suhr, Rohr und auch in Niedergösgen habe man daher – teilweise vor mehr als 100 Jahren – jeweils eine Kapelle gebaut. «Heute ist man mobiler, weshalb wir die Gottesdienste vermehrt im grösseren Rahmen in Aarau feiern und die Kapellen immer weniger nutzen», erklärt Pfarrerin Minder.

Auch sei die Infrastruktur in den kleineren Gemeinden nicht mehr vorhanden, um wöchentlich Gottesdienste durchzuführen. Es sei ausserdem schöner, in einer grossen Gruppe zu feiern, als einen Gottesdienst mit zehn Menschen zu besuchen.

So geschah es, dass das Haus in Niedergösgen seit einigen Jahren nur noch für Gruppen wie beispielsweise die Jungschar genutzt wurde. Die 4½-Zimmer-Wohnung, die sich im Haus befindet, wurde noch vermietet, aber ansonsten erfüllte das Gebäude für die evangelisch-methodistische Kirche keinen Zweck mehr. «Also haben wir uns entschieden, das Haus zu verkaufen», so Minder.

160 m² für 480'000 Franken

Wer schon immer eine Kapelle besitzen wollte, kann sich das Haus für 480'000 Franken kaufen. Die gesamte Nutzfläche von 160 m² kann jedoch auch von Andersgläubigen genutzt werden. Für den 60 m² grossen Saal werden auf «comparis» gleich einige Vorschläge gegeben: Er könne für Musikunterricht, als Begegnungsort, als Kindertagesstätte oder für Kunst verwendet werden.

Im Obergeschoss befindet sich die Wohnung und der Aussenbereich bietet einen kleinen Sitzplatz sowie ein Cheminée – und eine aussergewöhnliche Aussicht auf die Niedergösger Schlosskirche.