Gretzenbach

Kanton mietet die Zivilschutzanlage Täli weiterhin

Die Zivilschutzanlage Täli bleibt als Reserveunterkunft für Asylsuchende offen.

Die Zivilschutzanlage Täli bleibt als Reserveunterkunft für Asylsuchende offen.

Der Gemeinderat Gretzenbach hat den Vertrag der Zivilschutzanlage Täli als Reserveunterkunft angenommen. Damit wird die Unterkunft ein weiteres Jahr vom Kanton gemietet.

Der Mietvertrag für die Zivilschutzanlage Täli in Gretzenbach als Reserveunterkunft wurde angenommen. Dies hat der Gretzenbacher Gemeinderat in der Sitzung vom Dienstag beschlossen. Ab dem 1. Mai wird die Unterkunft für ausserordentliche Situationen ein weiteres Jahr vom Kanton gemietet, da sie als Notunterkunft als geeignet betrachtet wird. Sie bleibt für den Fall, dass die Asylgesuche plötzlich wieder ansteigen, offen.

Wie Gemeindepräsident Daniel Cartier auf Anfrage bestätigt, sei der Vertrag im Gemeinderat diskussionslos angenommen worden, da man sich über den Entschluss einig gewesen sei. «Wir haben vor rund zwei Monaten im Gemeinderat darüber diskutiert und einige Punkte im Vertrag korrigiert. Daher ist er nun ohne Diskussion angenommen worden», so Cartier. Auch an der Informationsversammlung für die Bevölkerung Gretzenbachs, welche Ende März stattfand, sei kein Widerstand zu spüren gewesen. Daher sei der Vertrag unverändert vor den Gemeinderat zur Abstimmung gekommen.

Maximalbelegung gesenkt

«Das ist eine günstige Gelegenheit für unsere Gemeinde», so Gemeindepräsident Daniel Cartier. Eine günstige Gelegenheit ist der neue Mietvertrag für Gretzenbach allerdings: Sogar, wenn die Asylunterkunft Täli unbelegt ist, erhält die Gemeinde für die Zivilschutzanlage vom Kanton monatlich einen Mietzins in der Höhe von 1500 Franken. Im Falle einer Belegung wird der Gemeinde Gretzenbach die Hälfte der anwesenden Asylsuchenden im Täli an ihr Asyl-Aufnahmekontingent angerechnet. Bei der Maximalbelegung, welche von 100 auf 80 Personen reduziert wird, wären dies also 40.

Für die Reservehaltung ohne Belegung wird der Gemeinde 10 Prozent an ihr Asyl-Aufnahmekontingent angerechnet, was 8 Plätzen entspricht. Bei Belegung der Notunterkunft erhält die Gemeinde 5.60 Franken pro Person und Nacht. Bei der Maximalbelegung von 80 Personen gäbe das pro Nacht also einen Betrag von 448 Franken, was im Monat rund 13'440 Franken entspräche.

Doch dass die Maximalbelegung ausgeschöpft wird, ist eher unwahrscheinlich – einerseits, weil es sich nur um eine Reserveunterkunft handelt, und andererseits, weil in den ersten rund sieben Monaten, in welchen die Asylanlage in Betrieb war, eine Belegung von 15 bis 20 Personen der Durchschnitt war. Mehr als 35 Asylsuchende waren im Täli nie zu Hause.

Kritik wurde zu Lob

Die niedrige Belegung der Asylunterkunft dürfte wohl auch einer der Gründe sein, weshalb sich im Dorf kein Widerstand gegen die Vermietung als Reserveunterkunft breitmachte. Noch vor einem Jahr sah dies ganz anders aus: 350 Einwohner versammelten sich an der Informationsveranstaltung und übten Kritik aus, bevor das Asylzentrum überhaupt seine Tore öffnete. «Die Stimmung im Saal zu Ende der Veranstaltung liess nicht darauf schliessen, dass eine Mehrheit der Anwesenden nun hinter dem Entscheid ihres Gemeinderates steht», berichtete diese Zeitung damals.

Doch es kam alles anders als erwartet. An der Versammlung vom März dieses Jahres wurde Lob verteilt. Die rund 40 Anwesenden erklärten, sie haben von den Asylsuchenden während der sechs Monate, in denen die Unterkunft bis dann geöffnet war, nichts gesehen oder gehört.

Meistgesehen

Artboard 1