Dulliken
Kann die Bank das Franziskushaus aus dem Dornröschenschlaf wecken?

Das einst als Kloster konzipierte und heute unter Denkmalschutz stehende Franziskushaus wurde am Dienstag konkursamtlich versteigert.

Christoph Zehnder
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Idyllisch gelegen, aber schwer verkäuflich, harrt das Franziskushaus in Dulliken einer neuen Verwendung. Bruno Kissling

Idyllisch gelegen, aber schwer verkäuflich, harrt das Franziskushaus in Dulliken einer neuen Verwendung. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Selten ruft eine Liegenschaftssteigerung ein solches Interesse hervor: Gegen 30 Personen fanden sich am Dienstag in den Räumen des kantonalen Konkursamtes in Oensingen ein, wo Amts-Chef Martin Schmalz die Versteigerung des Franziskushauses in Dulliken leitete. Einige Teilnehmer mussten sich am Ende mit Stehplätzen begnügen. Wie viele von ihnen mit ernsthaften Kaufabsichten angereist waren oder die Versteigerung eher aus Neugier mitverfolgten, bleibt offen. Denn beim Franziskushaus – konzipiert als Kloster und heute unter Denkmalschutz stehend – handelt es sich wahrlich um ein ungewöhnliches Objekt (siehe Kasten). Zu Beginn der Steigerung wies Schmalz nochmals ausdrücklich auf den Schutzstatus des Hauses hin und umschrieb kurz die Spielregeln der Versteigerung. «Wie man es aus dem Fernsehen kennt», sagte er – wohl im Wissen, das einige der Anwesenden zum ersten Mal einer konkursamtlichen Liegenschaftssteigerung beiwohnten. Schmalz bat die Teilnehmer, bei einem Angebot jeweils ihren Namen zu nennen.

Da genau genommen drei verschiedene Objekte untere den Hammer kamen – die eigentliche Liegenschaft sowie zwei kleinere, angrenzende Grundstücke – gab es zwei separate Steigerungsdurchläufe. Im ersten standen die Einzelobjekte zum Kauf. Ein junger Mann aus der Region, der anonym bleiben möchte, versuchte sein Glück und bot 1000 Franken für die als Kloster konzipierte Anlage mit 80 Zimmern. Als einziger und somit höchster Bieter erhielt er den Zuschlag und musste prompt zur Anzahlung bei Amts-Chef Schmalz antreten. Für die beiden unbebauten Grundstücke gab es keine Einzelangebote.

Chronologie Franziskushaus

- 1966 Baubeginn unter Architekt Otto Glaus

- 1968 Eröffnung als Exerzitienhaus

- 2001 Kapuzinerorden gibt Nutzung auf

- 2002 - 2007 Nutzung als Internatsschule

- 2012 Kauf durch Immocon AG, Unterschutzstellung, Nutzung als Studentenwohnheim

- 2014 Nutzung als Asylunterkunft wird abgelehnt

- 2016 Nutzung als Studentenwohnheim wird aufgegeben

- 2017 Immocon AG meldet Konkurs an

- Mai 2018 Übernahme durch die Aargauische Kantonalbank

Zwei Gebote, ein Bieter

Weiter ging es zum Gesamtruf und somit um den Verkauf des ganzen Pakets. Übersteigt ein Bieter hier die drei Einzelgebote, gehört das Objekt ihm. Konkursamt-Sachbearbeiterin Annamarie Haas rief mehrere Male zum Gebot auf und erntete zunächst nur Schweigen. In den Reihen der Teilnehmer war hie und da verstohlenes Köpfedrehen auszumachen. Bleibt das Franziskushaus unverkäuflich? «Zwei Millionen Franken, Aargauische Kantonalbank», ertönte es schliesslich aus der hintersten Reihe. Mit diesem Angebot lag die Bank noch deutlich unter der konkursamtlichen Schätzung von 3,56 Mio. Franken. Kurz bevor der Auktionshammer endgültig niedersauste, überbot der AKB-Vertreter sein vorheriges Gebot mit einer Summe von 3,53 Mio. Franken und erhielt – «zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten» – den Zuschlag.

Denkmalschutz als Hindernis

Sein Vorgehen habe «taktische Gründe», erklärte Rolf Bossert, Leiter Immobilienmanagement bei der Aargauischen Kantonalbank sein Überbieten des eigenen Gebots. Dass das Finanzinstitut das Franziskanerhaus übernimmt, hat gute Gründe. Die AKB ist Gläubigerin im Konkursverfahren über die Vorbesitzerin Immocon AG. Mit der Steigerung kann sie auf ihr Pfandobjekt zurückgreifen. «Als Bank ist es unser Ziel, das Objekt weiterverkaufen zu können», bestätigt Bossert. Bis dahin werde man für den nötigsten Unterhalt sorgen.

Mit dem Weiterverkauf dürfte es jedoch nicht ganz einfach werden. Zwar steht das Franziskushaus in einer Wohnzone an bester Lage, durch die Denkmalschutzbestimmungen sind die Eigentümer bei der Verwendung jedoch ziemlich eingeschränkt. Der Schutz erstreckt sich sogar auf das Mobiliar. «Es besteht ein Zielkonflikt zwischen der Unterschutzstellung und einer zeitgemässen Nutzung», stellt auch Rolf Bossert fest. «Die Behörde muss sich überlegen, was sinnvoller ist.»

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