Trimbach
Kampf gegen Foodwaste: Wer will gratis Whiskey-Würste, Salate oder ein Dessert?

Um keine Lebensmittel zu verschwenden, hofft ein Trimbacher Caterer auf Tipps aus der Bevölkerung. Mike und Daniela Hagmann hätten Leckereien aus ihrem Foodtruck «Fuetter Truckli» anzubieten.

Raphael Karpf
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Das Ehepaar erfüllte sich mit dem eigenen Foodtruck einen Traum.
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Seit April 2019 sind Mike und Daniela Hagmann mit ihrem «Fuetter Truckli» unterwegs.
Mike Hagmann ist gelernter Koch und Sohn eines Metzgers. Alle Produkte, die die Hagmanns verkaufen, sind handgemacht.
Nun suchen die beiden neue Lösungen, um Foodwaste zu verhindern.
Mike und Daniela Hagmann, "Fuetter Truckli"
Darum sind sie auf der Suche nach Personen oder Institutionen, die Freude an übriggebliebener Ware hätten.

Das Ehepaar erfüllte sich mit dem eigenen Foodtruck einen Traum.

OT/Silvana Schreier

Sanfte Bässe schallen durch die Gassen vor dem «Gryffe». Der Geruch von verschiedensten Esswaren liegt in der Luft. Zu hunderten strömen die Menschen aus der Region nach Olten an die «City Lounge». Mittendrin: ein weisser Wagen mit aufgemaltem Totenkopf. Es ist das «Fuetter Truckli» von Mike und Daniela Hagmann. Das Trimbacher Ehepaar bietet seit einigen Monaten einen Catering-Service an. Sie verkaufen Whiskey-Würste, Salate, Desserts oder Limonaden. Alles selbst gemacht, alles von Hand. An Hochzeiten haben sie schon gekocht, an Geburtstagen, oder eben auch an der «City Lounge» gestern Abend.

Doch wie viel Esswaren werden sie an einem Abend verkaufen? Gerade bei einem so grossen Anlass wie gestern Abend in der Oltner Innenstadt sei das sehr schwierig abzuschätzen, erklärt Daniela Hagmann. Um auf der sicheren Seite zu sein, haben sie deshalb beispielsweise reichlich Brezel vorbereitet. Deswegen bleiben aber am Ende des Abends auch mal Lebensmittel liegen. Was tun damit? Diese Frage stellte sich Hagmann.

«Das reut mich»

Wegwerfen kommt für sie nicht in die Tüte: «Das reut mich. Das sind alles hochwertige, leckere Lebensmittel.» Ihren Kunden sagt sie deshalb jeweils, sie sollen doch Tupperware mitbringen, dann könnten sie am Ende des Anlasses jeweils die Reste mitnehmen. Aber selbst so würden noch Esswaren übrig bleiben. Mal eine Schüssel Dessert, mal ein Salat, aber auch mal ganze Fleisch- oder Wurstplatten.

Deshalb hat sich Hagmann umgehört. Bei der «RestEssBar» zum Beispiel. Ein Projekt gegen Foodwaste. Dort werden Lebensmittel aus Läden gesammelt, die sonst weggeworfen würden, und unter die Leute gebracht. Da die «RestEssBar» aber nur unverarbeitete Produkte nimmt, kommt sie für Hagmann nicht infrage.

Selber Lösungen suchen

Ein anderes Projekt gegen die Verschwendung von Lebensmitteln: das Start-up «Too Good To Go». Überschüssiges Essen von Gastro-Betrieben kann dort günstig gekauft werden. Mit diesem Projekt hat Hagmann aber ein persönliches Problem: «Denen geht es darum, Geld zu machen, und nicht primär um den Kampf gegen Foodwaste», sagt sie.

Sind Sie interessiert?

Dann melden Sie sich unter fuettertruckli@gmx.ch. Weitere Informationen finden Sie ausserdem unter www.fuettertruckli.ch.

Mangels weiterer Alternativen ist sie selber aktiv geworden. Neulich hat sie die Reste einem Männerheim geschenkt. Und mit dieser Lösung gibt sie sich Hagmann zufrieden. Zumindest fast. «Ich muss keine Lebensmittel wegwerfen, andere profitieren gratis von hochwertigem Essen und ich kann ihnen gleichzeitig noch eine Freude machen. Das erfüllt doch alle Kriterien.»

«Vielleicht kennt jemand eine Familie»

Doch wieso beim Männerheim aufhören, fragte sie sich. Es hätten sicher auch andere eine solche Überraschung verdient und Freude an dem Essen. Egal, ob es eine soziale Institution, eine Familie oder die Feuerwehr sei. Doch wo anfangen? Soziale Institutionen googeln und anfragen? Für Hagmann zu unpersönlich.

«Lieber wäre es mir, wenn sich Menschen aus der Region bei mir mit Vorschlägen melden würden. Vielleicht kennt jemand eine Familie, die diese Überraschung verdienen würde. Oder eine Organisation, der wir so eine Freude machen könnten.» Ihr Wunsch: Einen Topf mit Adressen zu haben, vorgeschlagen von Menschen aus der Region, aus dem sie jeweils Lose ziehen kann und so die übrig gebliebenen Lebensmittel zu verschenken.