Amtsgericht Olten-Gösgen

«Jurablick»-Raub in Gretzenbach: Fahrer des Fluchtautos verurteilt — Räuberduo nicht ermittelt

Ende Januar 2016 wurde der «Jurablick» von einem Mann und einer Frau überfallen.

Ende Januar 2016 wurde der «Jurablick» von einem Mann und einer Frau überfallen.

Am 29. Januar 2016 überfielen ein Mann und eine Frau das Restaurant Jurablick an der Köllikerstrasse in Gretzenbach und erbeuteten 1481 Franken. Das Amtsgericht Olten-Gösgen verurteilt nun den Fahrer des Fluchtautos. Das Räuberduo bleibt unbehelligt.

Er war nicht einer der Räuber im eigentlichen Sinn und doch direkt beteiligt. Das Amtsgericht Olten-Gösgen spricht Nehat O.* des Raubs schuldig auf das Restaurant Jurablick in Gretzenbach. Am 29. Januar 2016 hatten ein Mann und eine Frau das Restaurant an der Köllikerstrasse überfallen. Sie betraten um 22.35 Uhr die Gaststube, in der sich die Serviceangestellte als einzige Person befand. Der Mann trug eine Waffe, die Frau einen Pfefferspray, beide waren schwarz gekleidet und vermummt. Sie klauten die 881 Franken, die sich in der Kasse befanden, sowie das Serviceportemonnaie mit dem Stock in der Höhe von 600 Franken und machten sich aus dem Staub. Gemäss Anklageschrift flüchtete die Täterschaft mit einem im Kanton Solothurn auf den Namen von Nehat O.* eingelösten PW der Marke Ford.

Restaurant-Überfall in Gretzenbach

Restaurant-Überfall in Gretzenbach

Zwei bewaffnete Maskierte erbeuteten über Tausend Franken und besprühten die Angestellten anschliessend mit Pfefferspray.

Räuberduo bleibt unbehelligt

Das Gericht kommt nun zum Schluss, dass O. zwar nicht Teil des Räuberduos, das in der Gaststube die Serviceangestellte überfiel, gewesen war; schon die Personenbeschreibung treffe nicht auf ihn zu. Wohl aber sei er draussen am Steuer des Fluchtwagens, eben seines eigenen Autos, gesessen. Dank einer Nachbarin, die die Räuber verfolgte und sich das Autokennzeichen merkte, war die Polizei Nehat O. auf die Spur gekommen. Das Duo, das in der Gaststube 1481 Franken erbeutete, konnte nicht ermittelt werden. Vor dem Amtsgericht musste O. also alleine den Kopf hinhalten. Ein Geständnis legte er nicht ab. In den Vernehmungen habe er sich indes in Aussagen verrannt, Täterwissen preisgegeben und sich so selber überführt, begründet das Gericht seine Schlussfolgerung.

Neben dem Raub auf den «Jurablick» musste sich O. wegen zahlreicher weiterer Vergehen verantworten. Einen Schuldspruch kassierte er auch, weil er Unterhaltspflichten in der Höhe von 36'750 Franken an seine Ehefrau und die beiden gemeinsamen Töchter nicht nachgekommen war. Laut Urteilsbegründung hätte O. durchaus über finanzielle Mittel verfügt, bei Zahlungen aber Freunde oder die Bewirtschaftung seines Wagenparks statt Frau und Töchter zuoberst auf der Prioritätenliste aufgeführt. Gemäss Amtsgericht machte sich O. ausserdem schuldig der Widerhandlung gegen das Waffengesetz; als kosovarischer Staatsangehöriger hätte er automatisch über eine Bewilligung für den Waffenbesitz verfügen müssen. Ebenfalls einen Schuldspruch gab es für mehrfaches Führen eines Fahrzeugs ohne Führerausweis und wegen Missbrauchs von Ausweisen. Dies, weil er den Führerausweis trotz Anordnung nicht abgab. Schuldig machte sich O. darüber hinaus der mehrfachen Beschimpfung gegen den Partner der Ex-Frau, wird dafür aber nicht bestraft, weil es sich um Retorsion handelt. O. hatte als Adressat einer Beschimpfung gleich selber für Sühne gesorgt, indem er dem Absender seinerseits eine Schimpftirade zukommen liess.

Teilbedingte Freiheitsstrafe gesprochen

Freigesprochen wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen Drohung, der einfachen Körperverletzung, des Führens eines Fahrzeugs ohne Haftpflichtversicherung und der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz. Für seine Verbrechen und Vergehen verurteilte das Amtsgericht Nehat O. zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges für 18 Monate plus einer teilweisen (Zusatz-)Geldstrafe von 170 Tagessätzen zu je 30 Franken unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges für 110 Tagessätze, jeweils mit einer Probezeit von vier Jahren.

Die 47 Tage in der Untersuchungshaft abgesessenen Tage werden angerechnet. Von den Verfahrenskosten muss der Beschuldigte 20'000 Franken berappen, 6000 Franken gehen zu Lasten des Kantons Solothurn. Den nicht bezahlten Unterhalt an Frau und Töchter schuldet Nehat O. selbstverständlich weiterhin.

* Name von der Redaktion
geändert

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