Vor zwei Jahren warens die Schattmattbauern, dieses Jahr sinds erneut arme Bauern, für den Krieg eingezogen als Soldaten. Dazu gesellen sich jenseitige Wesen. In der Freilichtarena hinter den Sportanlagen «Breite» geben sich Teufel und Engel ein Stelldichein. Himmlisch romantisch mit hohen Laubbäumen, Beiz und Kirche, höllisch stimmig im roten Licht und mit Live-Musik-Begleitung.

Der Nachwuchsteufel Urian (Beat Meister) möchte aufsteigen in der Höllen-Hierarchie, weg vom ewigen Kohle Schaufeln. Der Aspirant hat von seiner Chefin Luzi Vera (Erika Werner) einen heiklen Auftrag gefasst: Er muss eine ungetaufte Seele liefern. Eine Konstellation, wie man sie aus Gotthelfs «Schwarzer Spinne» kennt, doch Autor Paul Steinmann hat keine Tragödie, sondern eine Komödie geschrieben. Da lachen nicht nur die Soldaten bei ihrer Heimkehr, nein, mit Sicherheit tut dies auch das Publikum.

Zeitlich sind wir in den eidgenössischen Religionskriegen. Anfang 1656. An diesem Probeabend kommen die Erlinsbacher Soldaten im zweiten Akt vermeintlich vom Villmerger Schlachtfeld zurück. Von der Niederlage der Berner gegen die katholischen Innerschweizer. Doch dem ist nicht so. Vielmehr haben sie sich bei der Belagerung Rapperswils verlustiert. Oder wie es eine der zurückgebliebenen Frauen sagt: Sie haben die Zeit mit «Saufen, Fressen und Rammeln» herumgebracht. Völlerei und Wolllust: Todsünden. Der Merki (Felix Wüthrich) kommt gar ohne Hose zurück und will gleich Magdalena (Trisi Buser), die Wirtin, vernaschen. Wogegen jene nichts hat, und alsbald hört man aus dem Wirtshaus koitales Stöhnen.

Historisch passt nicht alles

Urian, toll diabolisch gespielt, gibt sich zivilisiert. Wenn er sich die Kappe über die Ohren gestülpt hat, sieht man die Hörner nicht. Hübscher Kniff: Wenn er Hörner, Schwanz und Geissfuss zeigt, können ihn die Leute nicht sehen. Urian macht sich Hoffnungen, denn die reformierte Bauerntochter Regula (Sandra Hochuli) ist schwanger vom katholischen Müllersknecht Hans (Christian Stoll) aus dem Nachbardorf. Da ist ein Konflikt vorprogrammiert. Das Erzbachtal mit Konfessions- und Kantonsgrenzen passt zum Stück, auch wenn historisch nicht alles passt: Steinmann schrieb das Stück nämlich für die Theaterbühne Wehntal aufgrund einer Niederweninger Geschichte. Seis drum: Die Komödie unterhält trefflich und mit Überraschungen darf gerechnet werden.

«Das war eine sehr gute Probe», lobt Regisseur Ernst Wyss nach getaner Arbeit. «In Zukunft Schmuck und Piercings ausziehen», sagt er. Urian darf an der Premiere auch keinen Ehering zeigen. Da ist eine eingeschworene Truppe am Werk, wie es der Regisseur will. Das Ensemble sprüht vor Spielfreude. Ernst Wyss ist, genau so wie sein Bruder und Regieassistent Markus, für krankheitsabwesende Mitspieler eingesprungen. «Wenn es jetzt noch nicht kribbelt, dann kommt das hoffentlich noch», hat Beat Stoll, der den Pfarrer gibt, beim Aufwärmen gemeint. Heute Montagabend wird erstmals geschminkt geprobt. 24 Spielende sind dabei. Und ein Hund: Labradoodle Joschi. Der braucht keine Perücke.

Übermorgen Mittwoch feiern die armen Teufel Premiere. Und zwar um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 15., 16., 17. 18., 20., 21., 22., 23. und 24. August. Die Aufführung von Sonntag, 18. August ist um 18 Uhr. Vorverkauf über www-alles-armi-tüüfel.ch oder bei der Gemeindekanzlei (062 857 57 00). Die Festwirtschaft bietet unter anderem auch Hölle- und Hebammebrättli, aber auch Wolkespiessli an. Mit durchaus irdischem Fleisch.