Berufsweg

Jetzt verteidigt Beat Huber das Stromnetz

Stadion Brügglifeld, Aarau: Hier spielte Beat Huber in der Nationalliga A, heute verfolgt er regelmässig die Matches des FC Aarau. Patrick Lüthy

Stadion Brügglifeld, Aarau: Hier spielte Beat Huber in der Nationalliga A, heute verfolgt er regelmässig die Matches des FC Aarau. Patrick Lüthy

Beat Huber, einst Schweizer Meister mit dem FC Aarau, ist Energieexperte im neuen Avag-Verwaltungsrat.

Saibene, Komornicki, Di Matteo hiessen seine Mitspieler. Es war die Wunder-Saison 1992/93 mit Trainer Rolf Fringer, als der FC Aarau Schweizer Meister wurde. Als Innenverteidiger mit im Kader: der knapp 20-jährige Fricktaler Kantischüler Beat Huber.

Heute ist Huber 43-jährig und wohnt mit seiner Frau und der viermonatigen Tochter Matilda ganz nahe beim Stadion Brügglifeld in Suhr. Er ist Partner zweier auf Energie spezialisierter Beratungs- und Investitionsfirmen in Aarau und Baar – und seit 12 Tagen Verwaltungsrat der Aare Versorgungs AG (Avag), die das Stromnetz von 18 Gemeinden in der Region Olten betreibt. «Ich war im Fussball kein Jahrhunderttalent», sagt Huber. «Ich machte meinen Weg mit dem Willen, viel Arbeit und unbändigem Ehrgeiz.» Sein Rezept: «Wenn sich eine Chance bietet, setze ich alles daran, sie zu nutzen.»

Spitzenfussball als Schüler

Was ihn im Blick auf seine Fussballkarriere stolz macht, ist weniger der frühe Meistertitel als die Art und Weise, wie er sich in dieser Sportart durchsetzte. Als Junior im kleinen FC Laufenburg schaffte er es in die regionale Auswahl der Nordwestschweiz, dann in die U-15-Nationalmannschaft, wo die meisten Mitspieler aus einem der grossen Klubs kamen.

Zum FC Aarau kam Beat Huber mit dem Übertritt ans Gymnasium in Aarau. Sein Vater sei ihm im Fussball ein strenger Förderer gewesen: «Seine Devise hiess: Setz dich durch, sitz nie auf der Ersatzbank.» Tatsächlich schaffte er mit 18 den Sprung in die 1. Mannschaft, als jüngster Spieler der Nationalliga A und einziger Nicht-Profi im Team. «In einer Notlage», so erinnert er sich, habe ihn Trainer Roger Wehrli für ein Cupspiel in Buochs eingesetzt. Huber machte das so gut, dass er für den Rest der Saison einen Stammplatz in der Innenverteidigung hatte.

Toll, aber eine Doppelbelastung für den Kantischüler: Jeden Tag 2 Stunden Postautofahrt zwischen dem Fricktal und der Kantonshauptstadt, Unterricht, zweimal täglich Training mit dem FC Aarau, über den Mittag verpassten Stoff nachholen, am Abend Hausaufgaben und Lernen. «Viel Freizeit blieb mir nicht zwischen 13 und 20», sagt er im Rückblick auf die Jugendjahre. Und für die Familie sei diese Zeit eine finanzielle Belastung gewesen.

Ausgerechnet Di Matteo

In Hubers zweiter NLA-Saison kam mit Rolf Fringer ein neuer Trainer nach Aarau, der aus Schaffhausen zwei Mittelverteidiger mitbrachte: Mirko Pavlicevic und Roberto Di Matteo. «Die zwei waren für Fringer gesetzt», erinnert sich Huber. «Sie spielten aber auch super und waren nie verletzt, es gab keinen Grund, sie nicht aufzustellen.» Hubers direkter Konkurrent war ausgerechnet jener Di Matteo, der dann in Rom bei Lazio und in London bei Chelsea Furore machte und 2012 als Trainer mit Chelsea die Champions League gewann. «Da muss ich mich wohl nicht schämen, dass ich in jener Saison kaum zu Einsätzen kam», meint Huber trocken.

Neben dem Meistertitel holte sich Beat Huber die Matura an der Kanti Aarau. Das anschliessende Wirtschaftsstudium an der Uni Basel konnte er nicht mehr mit dem Trainingsbetrieb auf NLA-Niveau vereinbaren, doch spielte er noch lange Fussball in der 1. Liga: 2 Jahre mit Roger Wehrli beim FC Suhr, 7 Jahre bei Concordia Basel, wo er es zum Captain brachte.

Vom Fussball zum Beruf

Ungewöhnliche Leistungsbereitschaft zeigte Beat Huber auch im Militär und im Studium. Bei der Aushebung erzielte er die schweizweit höchste Punktzahl in der Sportprüfung. Er absolvierte die Offiziersschule und führte als Oberleutnant fünf Jahre lang «ad interim» die Fricktaler Infanteriekompanie 59/III. Das Studium finanzierte er sich teils mit dem Fussball, teils, indem er nachts in der Bäckerei Maier in Laufenburg malochte: «Zusammen mit drei Elsässern machten wir Bretzeln im Takt», schmunzelt er. Bei seiner Abschlussprüfung an der Uni stand er bereits in einem 100-Prozent-Anstellungspensum. Mit 31 Jahren war er Finanzchef und stellvertretender CEO der Industriellen Werke Basel (IWB), einer der grössten Energiekonzerne der Schweiz.

Netzwerk in der Energiebranche

«Bei den IWB habe ich viel gelernt», sagt Huber selbst. Alles über Energie, vor allem über erneuerbare Energie. Er lernte viele Akteure der Energiebranche kennen, baute sich ein Netzwerk auf. Seine persönlichen Kontakte zur Elektra Birseck (EBM) etwa gehen auf diese Zeit zurück.

Gute Voraussetzungen für den Schritt in die Selbstständigkeit: Vor sechs Jahren wurde Huber Mitgründer und Partner der EVU Partners in Aarau, einer Beratungsfirma für Energieversorgungsunternehmen. Hubers Reputation in der Branche verschaffte ihm die Projektleitung eines Riesenprojekts, der Ausgliederung des schweizerischen Höchstspannungsnetzes in die Swissgrid AG. Vier Vorgänger waren daran gescheitert, er brachte die Sache in vier Jahren zum Abschluss.

Ins Stromnetz der Region investiert

Mit seiner zweiten Firma Fontavis AG (Baar) berät Huber Investoren, die in erneuerbare Energien und Energieinfrastruktur investieren wollen. In diesem Rahmen hat er auch für den Investmentfonds UBS-Ceis, der über 400 Mio. Franken von Schweizer Anlegern, vorwiegend Pensionskassen, verfügt, im Konsortium mit den Städtischen Betrieben Olten (sbo) und der EBM die Avag in der Region Olten übernommen. Mit der Beteiligung von 67 Mio. Franken ist die Avag die grösste Investition dieses Fonds überhaupt. Vertrauen und ein guter Draht auf der menschlichen Ebene seien mitentscheidend gewesen, sagt Huber. Vielleicht nicht nur ein Zufall: Ernst Zingg, der VR-Präsident der sbo, war einst Fussballtorhüter bei Vevey-Sports.

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