Schönenwerd

«Jetzt chum ich dra!»: Ferienpass im Turnasium

In Lostorf haben kleine Akrobaten dank dem Ferienpass den Flickflack geübt. Warum das wichtig ist erklärt der Spezialist.

Das Turnasium liegt mitten in Lostorf. Von aussen sieht es aus wie ein Wohnhaus. Durch die Umkleidekabinen tritt man in die «Turnhalle». Aber es hat wenig mit einer herkömmlichen Turnhalle gemein: Die Decke ist zwar hoch, aber schräg. Die Fenster sind im Dach eingelassen. In diesem Raum steht ein Gross- und Minitrampolin, verschiedenartige Sprungmatten, eine Kletterwand. Von der Decke hängt ein Tuch – das im Fachjargon Luftakrobatiktuch heisst – und vieles mehr. Überall wuseln kleine Kinder durch den Raum.

«Jetzt chum ich dra!», ruft ein Mädchen, das auf dem Trampolin steht. Sie ist sieben Jahre alt und springt sofort wild auf dem Trampolin herum. Ihre blonden Haare sind zu einem Zopf geflochten, der sich durch das Spiel gelöst hat. Einige Haare kleben an ihrer verschwitzen Stirn. Dominik Beriger steht auch auf dem Trampolin bereit, im Notfall einzugreifen. «Du musst deinen Körper von Zehen bis zum Kopf spannen», ruft er ihr zu.

«Ich bin fast siebni»

Der 28-jährige Beriger ist Geschäftsführer des Turnasiums und Spezialist im Umgang mit Kindern. Fast immer in den Ferien bietet er – neben dem regulären Turnbetrieb – Kurse für den Ferienpass an. Diese Herbstferien turnen siebenjährige aus Schönenwerd. «Ich bin fast siebni», erklärt Stefano. Er wickelt sich in das von der Decke hängende Tuch und albert herum. Beriger erklärt ihm, wie er das Tuch nutzen kann. Schon kurze Zeit später hängt Stefano kopfüber im Tuch. Er macht Affengeräusche und kratzt sich unter den Armen, als sei er ein Pavian. Rundum wird gekichert.

«Unsere Kurse sind immer gut besucht», sagt Beriger zufrieden. Er kennt den Betrieb gut, denn er selber hat schon als Bub in diesem Estrich geturnt. Seine Begeisterung für das Turnen ist ihm bis heute geblieben: «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», erklärt er nicht ohne Stolz. Denn letztes Jahr hat der Lostorfer diese Turnstätte von Urs Straumann übernommen. Das hat ihn dann dazu bewogen, sein Studium in Politikwissenschaften vorläufig zu unterbrechen. «Das war sowieso nichts für mich», sagt Beriger lachend. Jetzt hat er vier Trainer zur Unterstützung angestellt. Unter anderem den 17-jährigen Moritz Weidner, der in der Fachmittelschule ist und bald sein Pädagogik Studium beginnt. Heute ist er auch dabei und sichert die Kinder, die sich an der Kletterwand versuchen wollen.

Freude an der Bewegung steht im Vordergrund

Jetzt geht die Turnstunde langsam zu Ende. Zum Abschluss wird noch der Flickflack geübt: Mit einer grossen Rolle können die Kinder die Bewegungsabläufe lernen. Ohne Angst und zu zögern machen die Kinder auch diese Übung mit. Beriger stützt und gibt gleichzeitig Anweisungen. Einige Kinder setzen seine Tipps sofort um, bei den anderen scheint er auf taube Ohren zu stossen. Er erklärt später, dass diese Bewegung ein komplett neues Erlebnis für die Kinder sei und für einige sei es schwieriger, die Anweisungen sofort umzusetzen. Die Kinder müssten also zuerst lernen, wie sie die Anweisungen umsetzen können. Spass scheint es allen zu machen.

«Bei mir steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund», erklärt Beriger. Die Kinder sollen durch den Turnsport Selbstvertrauen und Körperbewusstsein erlangen. «Ich will mich klar vom Leistungsdenken absetzen. Deswegen mache ich mit Turnasium bei keinen Wettkämpfen mit.» Diese Philosophie scheint aufzugehen. Heute turnen über 200 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 20 Jahre im Lostorfer Dachboden. Beriger arbeitet auch mit der Kreisschule Mittelgösgen zusammen und bietet dort Kurse über Mittag an. Ausserdem organisiert er mit der Jugendarbeit Lostorf-Obergösgen offene Trainings.

Für sein Turnasium sieht er weiteres Entwicklungspotenzial: Seit neuem hat er eine Lehrerin für Streetdance und
Hip-Hop angestellt, die mit Kindern im Primarschulalter tanzt. Er will mit diesen Entwicklungen möglichst viele Kinder und Jugendliche zur Bewegung motivieren.

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Autorin

Judith Frei

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