Niederamt

Jeden Tag eine gute Tat: Pfadi Phoenix baut Lebensmittel-Lieferdienst auf

Von links: Simone Rötheli (alias Agea), Julia Hodel (Smarties), Marc Holliger (Tschaggo) sind für ihren ersten Einsatz bereit, den Regula Herrmann (Geschäftsführerin VOI Niedergösgen), Raffaele Spielmann (Dwalin) und Dario Spielmann (Sprit) organisiert haben.

Von links: Simone Rötheli (alias Agea), Julia Hodel (Smarties), Marc Holliger (Tschaggo) sind für ihren ersten Einsatz bereit, den Regula Herrmann (Geschäftsführerin VOI Niedergösgen), Raffaele Spielmann (Dwalin) und Dario Spielmann (Sprit) organisiert haben.

Die Massnahmen zur Bekämpfung des neuen Corona-Virus wurden immer drastischer. Für Personen mit erhöhtem gesundheitlichen Risiko hat die Pfadi Phoenix nun im Niederamt einen Lieferdienst mit Lebensmitteln aufgebaut.

«Allzeit bereit» und «jeden Tag eine gute Tat». Wer kennt sie nicht, die Leitsprüche der Pfadfinder? «Das sind tatsächlich unsere Grundgedanken, denen wir nachleben wollen», sagt Raffaele Spielmann, Leiter der Pfadi Phoenix. «Der Schweizer Bund der Pfadfinder hat uns mitgeteilt, dass wir bis Ende April keine Aktivitäten durchführen dürfen. Wir haben uns überlegt, was wir trotzdem noch machen könnten. Als die Massnahmen zur Bekämpfung des neuen Corona-Virus immer drastischer wurden, hatten wir die Idee mit dem Lieferdienst. Das ist eine gute Tat im Sinne der Pfadfinder, mit der wir tatsächlich den besonders gefährdeten Menschen helfen können.»

Kontaktlose Bezahlung ist angesagt

Die Idee scheint gleichzeitig simpel und genial zu sein. Aber was unternehmen die Jugendlichen, damit sie beim Lieferservice mit Sicherheit niemanden anstecken? «Das wäre der Supergau, den wir unbedingt vermeiden müssen», sagt Dario Spielmann. «Deshalb haben wir den Ablauf genau geplant. Wir stellen die Tasche vor die Türe, läuten und stehen mindestens zwei Meter zurück. Die Leute legen das Geld irgendwo hin und wir legen das Rückgeld in ein Couvert, das wir wiederum zur Einkaufstasche legen.» Eine Art kontaktlose Bezahlung mit Bargeld haben sich die Pfader also ausgedacht. «Zudem tragen wir Schutzhandschuhe», ergänzt Raffaele Spielmann. «Es ist unsere oberste Priorität, den Virus nicht zu verbreiten.» Die Pfadi Phoenix empfiehlt den Kunden zudem, nach dem Einräumen der Waren sofort die Hände zu desinfizieren. «Mit diesen Massnahmen ist das Risiko wirklich minimal. Auf jeden Fall viel kleiner, als wenn die gefährdeten Personen selber in den Dorfladen gehen.»

Auch die Anweisung, keine Gruppen von mehr als fünf Personen zu bilden, wurde umgesetzt. Die Pfadfinder treffen sich jeweils zu dritt an der frischen Luft vor dem VOI in Niedergösgen, wo sie von Raffaele und Dario Spielmann die Einkaufstaschen mit den Lebensmitteln erhalten. Nicht weniger als 22 Jugendliche haben sich freiwillig zur Verfügung gestellt und die Pfadi Phoenix schickt sie als Dreierteams im Abstand von einer Viertelstunde auf den Weg.

Bereits am ersten Tag des Lieferdienstes durften die Pfadfinder so 45 Personen in den Gemeinden Schönenwerd, Niedergösgen, Obergösgen, Däniken, Lostorf, Winznau, Erlinsbach und Gretzenbach mit Lebensmitteln versorgen. «Wir hoffen, dass es noch mehr werden. Über Facebook und Instagram ist unsere Zielgruppe nicht so leicht erreichbar. Deshalb ist es wichtig, dass jetzt auch die Verwandten die durch den Virus gefährdeten Personen auf unser Angebot aufmerksam machen», so die Pfader.

Während die Jugendlichen einen Veloanhänger beladen, betreten hinter ihnen zwei alte Frauen den Dorfladen in Niedergösgen, die offensichtlich bei einer Ansteckung mit dem neuen Corona-Virus ein erhöhtes Risiko tragen würden. «Wir müssen weiter Werbung für unseren Lieferdienst machen, damit wirklich alle gefährdeten Personen davon profitieren können», sagt Raffaele Spielmann zu dieser verstörenden Szene. Dabei kann die Pfadi auf breite Unterstützung zählen: Der regionale Mahlzeitendienst und die Spitex haben den Flyer bereits an alle Personen abgegeben, die sie betreuen.

Am Samstagmorgen begrüsste zudem Niedergösgens Gemeindepräsident Roberto Aletti vor dem Eingang des VOI die älteren und gesundheitlich gefährdeten Kunden und machte sie auf den kostenlosen Service aufmerksam. Die Pfadi Phoenix möchte nämlich noch viel mehr Auslieferungen machen können.

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