Schönenwerd
Jazzmusiker Alex Bally kehrt für ein Konzert in seine Heimat zurück

Alex Bally stellte sich gegen den Willen seiner Familie, als er Jazzmusiker wurde, statt in die Bandfabrik einzusteigen. Bei seinem Konzert im Casino bewies der 80-jährige Auswanderer, dass es die richtige Entscheidung war.

Christian von Arx
Merken
Drucken
Teilen
Jazzmusiker Alex Bally spielt im Casino für seine alten Schulkameraden
6 Bilder
Impressionen von Alex Ballys Konzert in Schönenwerd 80 Jahre Carl Alex Bally Konzert Casino-Saal Schönenwerd
Impressionen von Alex Ballys Konzert in Schönenwerd 80 Jahre Carl Alex Bally Konzert Casino-Saal Schönenwerd
Impressionen von Alex Ballys Konzert in Schönenwerd 80 Jahre Carl Alex Bally Konzert Casino-Saal Schönenwerd
Impressionen von Alex Ballys Konzert in Schönenwerd 80 Jahre Carl Alex Bally Konzert Casino-Saal Schönenwerd
Impressionen von Alex Ballys Konzert in Schönenwerd 80 Jahre Carl Alex Bally Konzert Casino-Saal Schönenwerd

Jazzmusiker Alex Bally spielt im Casino für seine alten Schulkameraden

Bruno Kissling

«Ich war nur einmal im Casino», erinnerte sich Alex Bally, der in jungen Jahren aus Schönenwerd nach Zürich und dann in alle wichtigen Stätten des Jazz in Europa und Übersee ausgewandert war. Auf der Bühne wurde damals ein Märchen aufgeführt. «Dass Dornröschen vom Prinzen wachgeküsst wurde, beeindruckte mich. Vielleicht wurde auch ich da von der Muse geküsst.»
Am Donnerstagabend war Carl Alex Bally, wie er mit vollem Namen heisst, zum zweiten Mal im Casino. Für ein paar Wochen aus seinem heutigen Wohnort Madeira in die Heimat zurückgekehrt, weisshaarig, als Schlagzeuger mit einer brillanten Berner Jazzformation.

Mit einer Anekdote aus der Schulzeit hatte Alex Bally das Publikum im Sack. Schönenwerder Schulpräsident war damals Onkel Iwan, der alt Ständerat Iwan Bally. Der Knabe Alex sollte die Sehenswürdigkeiten des Dorfes aufsagen, nannte Stiftskirche und Badi, doch Iwan raunte ihm zu «das Denkmal!», worauf es dem Lausbub entfuhr: «... das Denkmal von Franz Carl Weber!» Man traut ihm zu, dass er den Namen des Patriarchen Carl Franz Bally durchaus nicht unabsichtlich mit dem des Spielzeugkönigs verwechselte.
Aufmüpfig und eigenwillig blieb Alex Bally auf seinem weiteren Weg. Er verweigerte sich der väterlichen Planung, dass er in der Bandfabrik der Familie einsteigen sollte, und suchte sich seine Heimat in der Musik, im Jazz. «Man versuchte auf alle Arten, mich von der Musik wegzubringen», erinnerte er sich. Ob alle Wunden verheilt sind?
Sicher scheint, dass die Heimkehr mit einem Jazzkonzert auf die Casinobühne von Schönenwerd für Alex Bally auch eine Bestätigung gewesen sein wird, dass er in seinem Leben das Richtige tat.
Einmalig und einzigartig war der Auftritt in jeder Hinsicht. Wo sonst arrangieren Schulkameradinnen aus der Primarschulzeit ein Konzert eines 80-jährigen Musikers, indem sie sich die Unterstützung vieler Sponsoren und Helfer erbetteln und sich selbst wochenlang in alle Details der Vorbereitung hineinknien? Wo sonst findet das Publikum ein handgeschriebenes Programm auf den Sitzen vor? Wo sonst füllt ein Jazzmusiker einen Saal in einem Dorf, und dies nicht in erster Linie mit Jazzliebhabern von weit her, sondern mit Leuten aus dem Dorf, die einfach ihn als Person erleben wollen?
Das Publikum wurde belohnt mit einem denkwürdigen Konzert, das den Jazz auch jenen nahe brachte, die nicht zu seinen Kennern gehören.
Die brillante Sängerin Sandy Patton harmonierte sichtbar und hörbar perfekt mit dem Pianisten Franz Biffiger, dem Saxophonisten Werner «Wege» Wüthrich, dem Bassisten Lorenz Beyeler – und mit dem Drummer Alex Bally. Verena Widmer und Irene Müller als Organisatorinnen haben eine goldene Seite ins ewige Buch des Casinos geschrieben.