Antikmöbel

In seiner Werkstatt bringt der Wöschnauer alte Möbel wieder zum Glänzen

Der in Wöschnau lebende Andreas Seiler bringt antike Möbel wieder auf Vordermann. Ein kleiner Besuch in der Werkstatt des Möbelschreiners.

Ein grosse Tafel wirbt für «Antike Möbel» auf «400 m2 Ausstellungsfläche». Sie steht vor einem umgebauten Stall mit Scheune im Wöschnauer Schachen. Hier ist das Reich von Möbelrestaurator Andreas Seiler.

Aufgewachsen ist Seiler in Aarau. Ursprünglich lernte er Fotograf. Nach Lehr- und Wanderjahren kehrte er zurück und führte in Aarau ein kleines Fotostudio. Nach und nach begann er Kleinantiquitäten und Möbel zu restaurieren, zuerst als Hobby, mehr und mehr auch professionell. 1988 mietete er das Haus an der Schachenstrasse. Inzwischen ist der 72-Jährige pensioniert, aber noch immer aktiv: «Mir geht’s gut, wenn ich immer etwas zu werken habe.» Antikmöbel seien nicht mehr so hoch im Kurs wie vor 20 oder 30 Jahren, die Preise hätten sich praktisch halbiert. Aber noch immer gebe es ein Publikum, auch junge Leute, welches solche Möbel suche.

Antikmöbel, aber keine Museumsstücke

Soeben hat Andreas Seiler ein altes Büromöbel instand gesetzt, einen Aktenschrank mit Schubladen. In über 20 Arbeitsstunden hat er das Eichenholz abgelaugt und seidenmatt lackiert sowie den Stoff an den Schubladen, der sich abgelöst hatte, wieder mit Leim fixiert.

Beschädigte oder stark verzogene Holzteile an den Möbeln werden geflickt oder mit ebenfalls alten Holzbrettchen ersetzt. Ziel des Möbelrestaurators ist nicht – wie beim Museumsstück –, möglichst viel an originaler Substanz zu erhalten, sondern das Möbel muss benutzbar sein, die Schubladen müssen laufen und die Türen schliessen. Um als Antikmöbel zu gelten, darf maximal ein Drittel ersetzt und neu gemacht sein.

Der Eingang zur Restauratoren-Werkstatt liegt auf der Rückseite des Gebäudes. Andreas Seiler arbeitet allerdings im Freien, das Wetter ist gut und der Arbeitsraum ohnehin mit einem zerlegten Schrank, Werkzeug und Brettern verstellt. Aktuell hat Seiler Stühle in Arbeit, die er verleimt und die Leisten mit Schraubzwingen fixiert. Den Besuchern zeigt er zuerst sein neues «Stübli», einen kleinen holzverkleideten Showroom im Parterre an der Ostseite des Hauses. Hier präsentiert An­dreas Seiler eine kleine Auswahl seiner restaurierten Möbel. Da steht ein eher schlichter zweitüriger Biedermeierschrank aus hellem Tannenholz mit eckigem Oberteil («Kranz») neben einem Eintürenschrank aus Nussbaumholz, der in der ­Türfüllung und im Kranz ­rundere barocke Formen aufweist. Zu diesem feinen Möbel setzt das Gebrauchsobjekt, ein hüfthoher Vorratskasten aus Bergfichte mit drei Schubladen, einen Kontrapunkt.

Unermüdlich füllt Seiler die Ausstellungsräume

Als Andreas Seiler schliesslich den Sekretär im Louis-Phi­lippe-Stil öffnet, gerät er ins Schwärmen ob der Handwerkskunst des betreffenden Schreiners. Die Seitenteile und die aufklappbare Front bestehen aus massivem, dunklem Nussbaumholz. Die Schubladen hingegen sind mit Nussbaum-Wurzelstockholz fourniert und zeigen dadurch eine schöne Maserung.

Eine Treppe führt zum grossen Ausstellungsraum im oberen Stockwerk. Hier reihen sich Schränke neben Kommoden, ­Tische, Sekretäre und Schaffreitine, alle fein restauriert. Nur einen Bauernkasten von 1842 mit schlichter Bauernmalerei und Sprüchen, laut Inschrift eine Mitgift für Anna Krummenacher aus dem Entlebuch, rührt Seiler nicht an. Die Bemalung ist original, es wäre schade, diese zu entfernen.

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