Imkerei
In Erlinsbach könnte der Sommer noch honigsüss werden

Imkerin Maria Pongratz hofft auf gutes Wetter – und eine ergiebige Honigernte.

Isabel Hempen
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Imkerin Maria Pongratz aus Erlinsbach SO zeigt ihren Bienenstock
12 Bilder
Das Bienenhaus zwischen Stüsslingen und Erlinsbach SO
Imkerin Maria Pongratz aus Erlinsbach SO zeigt ihren Bienenstock
Reger Flugverkehr vor dem Bienenstock
Die Imkerin zeigt eine der Waben.
Bienenvolk mit Königin (gelber Punkt)
Kontrolle einer Wabe
Die Imkerin kontrolliert Brut- und Honigraum eines Volkes
Brutraum
Aufzuchtkaste für ein neues Bienenvolk
Sommer- und Frühlingshonig - das Produkt von Arbeit tausender Bienen

Imkerin Maria Pongratz aus Erlinsbach SO zeigt ihren Bienenstock

Bruno Kissling

Das Imkerjahr hat schlecht begonnen. Das hat auch Maria Pongratz zu spüren gekriegt. Die Österreicherin, die seit 2011 mit ihrem Mann Ruedi Frey im oberen Erlinsbach zu Hause ist, hat selbst 25 Bienenvölker: drei vor dem eigenen Haus, die übrigen in ihren beiden Bienenhäusern am Dorfrand auf Solothurner Seite und am Fuss des Aargauer Jura. Normalerweise, erzählt die 60-Jährige im weissen Schutzanzug, ernte sie zweimal jährlich Honig: Ende Mai den Frühlingshonig und ab Mitte Juli die Sommertracht. «Aber heuer», sagt sie mit unverkennbar steirischem Zungenschlag, «heuer hat es zu früh geblüht. Und dann kam der Kälteeinbruch und alles ist abgefroren.»

Was für den Obstbauern eine Katastrophe, ist für die Hobbyimkerin zumindest ein Strich durch die Rechnung. Wobei die Rechnung ohnehin nicht aufgeht, wie sie sagt: Der vielen Arbeit entwachse nur ein kleiner finanzieller Gewinn aus dem Honigverkauf. Und eben, der Frühlingshonig sei dieses Jahr fast gänzlich ausgefallen. «Es stand nur sehr wenig Nektar zur Verfügung. Das bisschen Honig, das im Honigraum gelagert war, musste ich drinlassen», erklärt Pongratz. Denn die rund 40 000 Bienen, die jedes Volk zu diesem Zeitpunkt zählte, benötigten den Honig als Futter.

20 Kilo sind noch möglich

Vor dem Haus zieht sich Pongratz die Schutzmaske über den Kopf. Umgeben von Obstbäumen, Blumen und Gemüsepflanzen stehen hier drei Bienenvölker. Diese hat Pongratz vor allem zu Schulungszwecken aufgestellt – sie bildet für den Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) in einer zweijährigen Schulung Imker aus. «Die oberen beiden Kästen sind Honigraum, darunter ist der Brutraum», erklärt sie. Und hebt die oberen beiden Kästen eines Volkes herunter. Das Brummen, das bereits aus dem geschlossenen Stock zu hören war, wird lauter. Einige Bienen schwirren ihr vor der Nase herum. Im Brutraum, den sie gerade kontrolliert, scheint alles in Ordnung zu sein. Das Volk ist gesund. Nun zieht Pongratz aus dem Honigraum eine Wabe heraus. Prall gefüllt ist sie, mit goldgelbem Honig.

Imkerin Maria Pongratz in einem ihrer Bienenhäuser.

Imkerin Maria Pongratz in einem ihrer Bienenhäuser.

Bruno Kissling

«Wenn das gute Wetter anhält, dann wird das eine gute Sommerernte», meint Pongratz hoffnungsvoll. Es dürfe nicht zu viel regnen, sonst werde der Nektar und der Honigtau von den Blüten und Blättern geschwemmt. Bislang sehe es aber gut aus, sagt sie: Rund 12 Kilogramm Honig habe jedes ihrer Völker bereits produziert. Aus Brombeeren, Linden, Klee – was gerade so blüht halt. Ende dieser Woche will sie bereits anfangen, Honig zu schleudern. Wenns gut kommt, würden heuer noch 20 Kilo pro Volk drinliegen, weiss sie.

Hobby fürs Pensionsalter

Maria Pongratz machte die Imkerausbildung 2009. «Ich fing mit vier Völkern an», erinnert sie sich. Nach einigen Jahren stockte sie auf 15 Völker auf. Vergangenes Jahr habe sie sogar deren 40 gehabt. «Aber das war zu viel Arbeit, deshalb habe ich heuer wieder weniger», erklärt sie. Jetzt, mit 25 Völkern, wende sie in Spitzenzeiten rund 18 Stunden in der Woche für ihre Bienen auf. Intensiv sei besonders die Zeit zwischen Mitte April und Mitte Juli: Jungvölker müssten aufgebaut, der Schädling Varroamilbe bekämpft, Königinnen gezüchtet, Schwärme gefangen, Honig geschleudert und abgefüllt werden. Und an neun Samstagen im Jahr bilde sie angehende Imker aus, gleich vor ihrem Haus.

Wie sie denn auf die Biene kam? «Ich überlegte mir, was ich nach der Pensionierung machen möchte», sagt die Bauerntochter lachend, die auch einen grossen Garten neben dem eigenen Haus bewirtschaftet. Das Imkern habe sie schon als junge Frau interessiert. Weil sie Freude hat an der Natur und an der Landwirtschaft, lag das Hobby nahe. Überhaupt findet sie: «Man sollte sich wirklich nur aus Freude Bienen zutun.» Schweizweit gebe es nur etwa ein Dutzend professioneller Imker, die davon auch leben können. Der Aufwand das ganze Jahr durch – die Bienen müssen auch im Winter gepflegt werden – müsse es einem Hobbyimker also schon wert sein. Der Honig selbst werfe nicht viel ab. Den Ihren verkaufe sie jeweils am Herbstmarkt in Erlinsbach. Und bei sich zu Hause.

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