Zugegeben, ein alltägliches Ereignis ist es nicht, wenn ein 22 Tonnen wiegendes Haus von einem Dorf ins nächste gefahren wird. Vor allem nicht, wenn es sich dabei um ein einzelnes Bauteil handelt. Nicht einmal für die Brüder Stefan und Hans Brüngger von der Firma kleinhaus.ch, denen vor rund drei Jahren das bereits bestehende Prinzip von Häusern aus fertigen Bestandteilen nicht mehr ausreichte. «Es ist das erste Mal, dass wir ein Haus von einem Dorf in ein anderes transportieren», so Geschäftsführer Hans Brüngger. Nervös ist er deshalb nicht. «Wir arbeiten mit denselben Leuten zusammen, die das Haus damals nach Däniken gebracht haben. Das sind Profis.»

Hier hebt das Haus ab.

Hier hebt das Haus ab.

Seit August 2014 stand an der Wolfackerstrasse in Däniken das 50 Quadratmeter grosse und 14,5 Meter lange Haus. Bewohnt wurde es nicht, sondern als Musterhaus für Besichtigungen genutzt. Dafür wurde es komplett möbliert und mit einer Wärmepumpenheizung ausgerüstet. «Jetzt haben wir einen Grossteil der Möbel rausgenommen, so wie das der Käufer gewünscht hat», erzählt Stefan Brüngger. Bei der Käuferfamilie, die in Wolfwil im Gerstenacker wohnt, sei der Platz eng geworden. «Das Haus stellen sie auf ihr bestehendes Grundstück. Ihre 20-jährige Tochter wird dort einziehen.»

Ein Umzug auf ungewohnte Art

Ein Umzug auf ungewohnte Art

15'000 Franken teurer Umzug

Zwar dauerte der Umzug selbst nur einen Tag. An Vorbereitungen war aber einiges nötig. So mussten im Vorfeld die Anschlüsse gekappt werden. Gestern Dienstag galt es, die Transporthaken auf dem Dach zu montieren und den Kran vorzubereiten. Anschliessend fuhr der Tieflader via Obergösgen, Winznau, Bahnhofbrücke Olten und Härkingen nach Wolfwil. Ihm folgte der Kran, den es am neuen Standort erneut aufzubauen galt. Und das alles mit Polizeibegleitung. Kostenpunkt des ganzen Umzugs, inklusive Demontage, Transport und Neuaufbau: rund 15'000 Franken.

Wo das Kleinhaus in Däniken stand, klafft nun ein Loch. Die Anschlüsse für Strom und Wasser ragen aus dem Boden, ebenfalls die Stahlvorrichtungen, an denen das Haus im Boden verankert wird. Bis in rund einem halben Jahr wird das so bleiben, bevor erneut ein Modellhaus nach Däniken zieht. So lange kann es nämlich dauern, bis die Fertigbauteile zu einem lieferfertigen Haus zusammengesetzt sind. Stellt sich die Frage, warum nicht direkt ein Fertighaus nach Wolfwil geliefert wurde, anstatt ein bestehendes zu verschieben. «Dabei ging es der Käuferfamilie hauptsächlich um die Zeit, die sie damit einsparen konnte», so Stefan Brüngger.

Dass eine Familie ein Kleinhaus kauft, sei aber eher selten. Meist ist es die ältere Generation, die sich für die Fertighäuser interessiert. «Viele ältere Leute müssen irgendwann ihr Haus verkaufen, wollen aber nicht in eine Wohnung ziehen. Das Kleinhaus ist eine gute Lösung: Weniger Wohnraum, aber immer noch ein Eigenheim auf dem eigenen Grundstück», so Hans Brüngger, der jahrelang als Immobilienmakler arbeitete. Interessierte können dabei verschiedene Module kombinieren und auch mehrstöckig bauen. «Wie Lego», stellt Stefan Brüngger fest. «Nur grösser.» Und teurer.

Ein ganzes Haus auf Wanderschaft

Ein ganzes Haus auf Wanderschaft

Was man aus Nordamerika kennt, fand das erste Mal in der Schweiz statt. Ein ganzes Haus zieht um. Der Sondertransport von Däniken nach Wolfwil wurde von der Polizei begleitet.