Gretzenbach/Kölliken
Immer wieder Unfälle auf derselben Strecke – «Wann wird gehandelt?»

Der Unfall vom Samstag zwischen Kölliken und Gretzenbach war einer von 25 in den letzten fünf Jahren. Ist die Strasse sicher genug?

Philipp Felber
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Die Unfallstelle am Samstag.

Die Unfallstelle am Samstag.

KPS

«Schon wieder ... monatlich an der gleichen Stelle ... wann wird gehandelt und diese Strecke entschärft?» Dies der Kommentar auf unserer Internetseite, zu einem Unfall, der sich auf der Strasse zwischen Gretzenbach und Kölliken ereignet hat.

Und tatsächlich, der Eindruck täuscht nicht: Laut Melanie Schmid vom Mediendienst der Polizei Kanton Solothurn sind allein in den letzten fünf Jahren 25 Unfälle auf dieser Strecke passiert. «Die Unfälle ereigneten sich zu jeder Tages- und Nachtzeit», so Schmid weiter. In unmittelbarer Nähe der Kantonsgrenze kam es zu 13 der 25 Unfällen. Also genau dort, wo sich auch der Unfall letzte Woche abgespielt hat.

Hauptsächlich seien es Selbstunfälle gewesen, welche glimpflich, also mit Sachschaden endeten. Doch nicht alle Unfälle, die sich auf dieser Strecke ereigneten, gingen ohne Verletzungen aus. Im Jahr 2014 endete ein Selbstunfall auf der besagten Strasse gar tödlich. Ein Motoradfahrer verlor in einer Linkskurve die Beherrschung über sein Elektromotorrad und verstarb an den Folgen des Unfalls.

Auf dem Dach gelandet

Mehr Glück hatte eine damals 21-Jährige, als sie 2001 von einem entgegenkommenden Fahrzeug seitlich-frontal getroffen wurde. Dies weil der Fahrer des von Kölliken kommenden Fahrzeugs auf ihre Fahrspur kam. Die Autolenkerin musste ins Spital gebracht werden. Beim Autolenker wurde eine Blutprobe wegen Verdachts auf Angetrunkenheit angeordnet.

2015 überschlug sich ebenfalls in Fahrtrichtung Gretzenbach ein Fahrzeug und blieb auf dem Dach liegen. Dem damals 55-jährigen Schweizer wurde der Fahrausweis vorläufig entzogen, weil in einem Atemlufttest ein Wert von über 0,5 Promille festgestellt wurde.

Der Autofahrer verlor in einer steilen Rechtskurve die Kontrolle über das Fahrzeug.
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Das Auto fuhr eine Böschung hinab.
Unfall in Gretzenbach: Auto kommt von der Strasse ab
Der 57-Jährige musste mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden.

Der Autofahrer verlor in einer steilen Rechtskurve die Kontrolle über das Fahrzeug.

TeleM1/Adrian Remund

Beim Unfall am Samstag wurde der 57-jährige Fahrer mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht. Er hatte in einer Rechtskurve von Kölliken her kommend die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. In der Folge geriet er auf die Gegenfahrbahn und stürzte die angrenzende Böschung hinab, wie die Kantonspolizei Solothurn mitteilte. Der Fahrer musste durch die Feuerwehr aus dem Auto befreit werden.

Warum keine Temporeduktion?

Neben den genannten Unfällen kam es, wie bereits erwähnt, zu weiteren Vorkommnissen auf der Strecke zwischen Gretzenbach und Kölliken. Doch wieso diese Häufung? Wer von Kölliken in Richtung Gretzenbach fährt, hat ab der Waldgrenze ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde zu beachten. Und dies auf einer kurvigen und teils steilen Strasse. Dieses Regime gilt bis zur Dorfeinfahrt in Gretzenbach.

«Grundsätzlich liegt auf einer Ausserortsstrecke die Tempolimite bei 80 Stundenkilometern», sagt Kurt Grauwiler vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Eine Temporeduktion sei ausserorts die letzte Massnahme, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. «Doch auch eine tiefere Tempolimite ist keine Gewähr für mehr Sicherheit.» Grundsätzlich müsse die Strasse so lesbar sein, dass der Verkehrsteilnehmer die Strecke richtig abschätzen könne.

Eine Markierung wie zum Beispiel eine Sicherheitslinie in der Mitte oder Kurvenblenden unterstütze dabei. Grundsätzlich seien aber die Fahrer angehalten — auch per Gesetz —, den Gegebenheiten angepasst zu fahren. «Wir können nicht alles mit Signalisationen absichern.»

Ob auf dieser Strecke eine Temporeduktion überhaupt infrage kommt, entscheidet im Kanton Solothurn das Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) in Zusammenarbeit mit der Polizei. «Meistens kommt die Polizei auf uns zu, da sie Unfallhäufigkeiten erkennt», sagt Rolf Ziegler vom AVT.

Das letzte Mal habe man im Jahr 2011 über die Situation auf der Kölliker-/Schönenwerderstrasse befunden, dies in Zusammenarbeit mit der Polizei und auch mit dem Kanton Aargau. Im Zuge dieser Abklärung wurden die Kurvenblenden entlang der Strecke ergänzt. Eine weitere Massnahme ist vorderhand nicht vorgesehen.