Schönenwerd

Im Westen schon Neues, Altes im Osten – Katholische Kirche erhält neue Glockenstühle

In den Türmen der römisch-katholischen Kirche Schönenwerd ist zurzeit ein Glockenstuhl aus Stahl, einer aus Holz. Das ermöglicht auch den Akkustikvergleich zwischen den beiden Materialien. Grund dafür ist der schrittweise Ersatz der Glockenaufhängung.

Zwei Monate nach dem Start ist der Ersatz der Glockenstühle in den Türmen der römisch-katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt an einem spannenden Punkt angelangt. Im Westturm ist der neue Glockenstuhl aus Stahl eingebaut; bis heute Freitagabend können die drei Glocken in Betrieb genommen werden. Im Ostturm hingegen steht noch der alte Glockenstuhl aus Eichenholz.

Nur während vier bis fünf Tagen sind «Alt» und «Neu» gleichzeitig in Betrieb. Das ist auch akustisch wahrnehmbar. Interessierte können die Realprobe machen, ob sie den Klangunterschied hören. «Das wird für jedermann hörbar sein», ist René Spielmann überzeugt, der Geschäftsführer der H. Rüetschi AG. Die Aarauer Traditionsfirma Rüetschi hatte die Glocken beim Bau der Kirche 1937/38 geliefert und baut jetzt auch die neuen Glockenstühle.

«Test-Geläute» am Montag

Für das Kirchengeläut am Sonntag werden ausser der grössten Glocke im Holz-Glockenstuhl alle sechs Glocken zur Verfügung stehen. Akustisch interessant wird es vor allem am Montag: Dann wird das Geläute am neuen Glockenstuhl im Westturm intoniert und optimiert. «Bis am Montagabend werden wir immer wieder Tests durchführen», sagt René Spielmann. Dabei werden auch die Glocken im alten Glockenstuhl erklingen, denn die Glockenbauer werden das Geläute genau messen und dokumentieren, inklusive der grössten Glocke im «alten» Turm.

Bei schlechtem Wetter könnten die Tests auf Dienstagvormittag verschoben werden. Spätestens ab Dienstagnachmittag wird mit dem Abbau des hölzernen Glockenstuhls im Ostturm begonnen. Dann ist die Zeit der 80-jährigen Eichenkonstruktion definitiv abgelaufen, und der akustische Direktvergleich ist dann nicht mehr möglich.

Holz versus Stahl

Ist Holz für einen Glockenstuhl nicht besser als Stahl? Gegen dieses Vorurteil wehrt sich René Spielmann: «Stahl als Material für Glockenstühle ist seit 1850 bekannt und erprobt, in dieser Zeit hat man viel gelernt.» So werden Stahl-Glockenstühle seit 1930 auf Sockel gebaut, damit sie nicht dort stehen, wo sich das Wasser sammelt. Die harten Vibrationen der Glockenschläge werden durch Kissen aus Naturkautschuk zu über 70 Prozent verringert.

Für die römisch-katholische Kirche in Schönenwerd, so wird aufgrund der Konstruktion vermutet, war schon ursprünglich ein Stahl-Glockenstuhl vorgesehen, doch wurde aus unbekannten Gründen während des Baus auf Holz umgestellt. Wetter und Nässe haben nun das Holz morsch werden lassen. Da eine Holzverschalung der offenen Glockenstühle ästhetisch nicht erwünscht ist, haben sich die Verantwortlichen jetzt für Stahl entschieden.

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Autor

Christian von Arx

Christian von Arx

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