Unwetter im Niederamt
«Im Vergleich zu Zofingen sind wir glimpflich davongekommen»

Nach dem Unwetter von Samstag zeigt sich, dass sich die ergriffenen Hochwasserschutzmassnahmen bewährt haben. So bewahrte insbesondere das Rückhaltebecken des Dorfbaches Däniken vor Schlimmerem. Dennoch dürfte sich der entstandene Schaden im Niederamt auf gegen eine Million Franken summieren.

Christoph Zehnder
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Unwetter im Niederamt
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Der Rechen des Rückhaltebeckens für den Bach in Däniken.
Am Ufer des Rückhaltebeckens sammelte sich das Schwemmholz.
Webcam auf der Eppenbergtunnel-Baustelle: Die Arbeiter am Portal auf Gretzenbacher Seite stehen ordentlich im Sumpf.

Unwetter im Niederamt

Zur Verfügung gestellt

Die heftigen Regenfälle vom Samstag sind auch an der Region nicht spurlos vorbeigegangen. Zwar war die Situation weit weniger dramatisch als in der Region Zofingen, doch auch im Kanton Solothurn gingen am Samstag rund 60 Meldungen bei der Kantonspolizei. Am stärksten betroffen waren Gretzenbach, Däniken und Dulliken. In den meisten Fällen handelte es sich um vollgelaufene Keller.

«Die Lage war bei uns insgesamt überschaubar», sagt Alessandro Klaiber, Kommandant der Feuerwehr Schönenwerd auf Anfrage. Die Schönenwerder Feuerwehr ist auch für das Gebiet Gretzenbach zuständig. Dort gingen laut Kantonspolizei insgesamt 19 Meldungen ein. Obwohl es Klaiber nicht von einem Grossereignis spricht, hatten er und seine Mannschaft am Wochenende dennoch alle Hände voll zu tun. Ab etwa 16.30 Uhr waren die Feuerwehrleute unermüdlich im Einsatz bis am frühen Sonntagmorgen. Vielerorts wurden Keller geflutet. Wie viel Wasser da innert kurzer Zeit vom Himmel gefallen war, wurde beim Anblick des Bachs deutlich, der laut Klaiber stellenweise «fünf bis sechs Meter breit war, anstatt anderthalb», wie es sonst der Fall ist. «Wir hatten Glück», sagt der Feuerwehrkommandant. Dass es nicht schlimmer gekommen ist, sei nicht zuletzt den Hochwasserschutzmassnahmen zu verdanken. Diese hatte die Gemeinde nach dem verheerenden Hochwasser im Jahr 1999 ergriffen. Die damals erstellten Abflüsse sorgen dafür, dass ein Grossteil des Wassers direkt in die Aare abfliessen kann.

Auch das westliche Portal des Eppenbergtunnels wurde durch den Starkregen in Mitleidenschaft gezogen. Nach einem Dammbruch wurde das Trassee unterspült. Glücklicherweise konnte sich die Feuerwehr dort weitgehend auf den Einsatz von SBB und der bauführenden Marti AG verlassen, die mit eigenem Gerät vor Ort waren.

Wasser hob Kanaldeckel an

Auch die Feuerwehr Däniken stand am Samstag rund 15 Mal im Einsatz, wie Gemeindepräsident Gery Meier weiss. Die Situation sei wirklich aussergewöhnlich gewesen. «Im Vergleich zu Zofingen sind wir aber glimpflich davongekommen», findet er. An mehreren Stellen drückte das Wasser in die Keller, zum Beispiel in Liegenschaften an der Panoramastrasse. Aber auch im Dorfzentrum. Die Kanalisation vermochte die Wassermassen, die sich innert Minuten angesammelt hatten, nicht mehr abzutransportieren. Als weitere Folge davon wurden Schachtdeckel alleine durch die Kraft des Wassers angehoben.

Aufräumarbeiten dauern an

«Die Feuerwehr wird noch für den Rest der Woche mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein», so der Gemeindepräsident. Er habe viele lobende Worte über den Einsatz der Feuerwehrleute vernommen. Meier selber hatte Glück: Abgesehen von kleineren Hagelschäden im Garten hat er keine Verluste zu beklagen. Umso mehr fühlt er mit den Betroffenen: «Für diejenigen, die es trifft, ist es immer tragisch», sagt er, auch im Hinblick auf das Ausmass der Verwüstung im benachbarten Aargau.

Volles Rückhaltebecken

Das Rückhaltebecken des Bachs verhinderte hat in Däniken Schlimmeres verhindert. Am Tag nach dem grossen Regen machte der Gemeindepräsident Fotos vom Becken. Darauf ist gut zu sehen, wie hoch der Wasserspiegel am Tag zuvor lag. «Wenn man sich vorstellt, dass das ganze Wasser auch noch in den Bach geflossen wäre, hätte es ganz anders ausgesehen», gibt Meier zu bedenken. Das Becken drohte gar zu überlaufen, da Schwemmholz den Ablauf beinahe verstopfte. Rückblickend hat sich das Rückhaltebecken aber als als sinnvolle Investition erwiesen. Seit dem Bau des Beckens ist es laut Meier schon drei Mal zu brenzligen Situationen gekommen. Drei Mal habe somit grösserer Schaden vermieden werden können.

In der Nachbargemeinde Dulliken musste die Feuerwehr ebenfalls mehrere Keller auspumpen. Innerhalb von drei Stunden wurde sie zu acht Einsätzen gerufen. Wegen eines Stromausfalls musste ein Rüstfahrzeug als Notstromgeber einspringen, wie die Feuerwehr auf ihrer Internetseite schreibt. Ein angeblich umgestürzter Baum am Wilerweg erwies sich als ein Ast und konnte weggeräumt werden. Der für den Sonntag geplante Engelberg-Schwinget ob Dulliken wurde jedoch ein Opfer des Sturmes.

Schaden bis zu einer Million

Der finanzielle Schaden dürfte sich nach ersten Einschätzungen der Solothurner Gebäudeversicherung (SGV) bei zwischen 500 000 und einer Million Franken bewegen. 50 Fälle wurden bis zum Montagnachmittag gemeldet, praktisch ausnahmslos aus dem unteren Kantonsteil. Einige Schadensmeldungen könnten noch hinzukommen. «Wasserschäden werden in der Regel rasch gemeldet», erklärt Heinrich Würgler, Leiter der Versicherungsabteilung bei der SGV. Ausserordentliche Schadenfälle wurden keine registriert.

Auch am Dienstag soll es laut Wetterdienst von MeteoSchweiz vereinzelt wieder zu heftigen Gewittern kommen. Für die Region Olten-Gösgen gilt denn auch weiterhin die Gefahrenstufe 3. Erst ab Wochenmitte wird es wieder deutlich trockener. Bis dahin dürften die meisten Schäden behoben sein.