Trimbach
Im Rankwog wird evaluiert, ob Spielnachmittage die Probleme lösen

Nach der Pilotphase wird nun evaluiert, was der «mobile Spielplatz» im Rankwog gebracht hat.

Silvana Schreier
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Impressionen vom Spielnachmittag im Rankwog
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Spielnachmittag Rankwog Trimbach

Impressionen vom Spielnachmittag im Rankwog

Remo Fröhlicher

Zwischen den Hochhäusern, der Eisenbahnbrücke und der Winznauerstrasse, die derzeit gerade saniert wird, rennen rund 20 Kinder über die Spielwiese. Am letzten von sieben Spielnachmittagen wird Schlangenbrot gebacken, Kuchen gegessen, Büchsenwerfen geübt und Fangis gespielt. Fragt man sie, ob es ihnen gefällt, kommt ein schüchternes «Gut» zurück.

Der «mobile Spielplatz» wurde im August von der Gemeinde Trimbach, der katholischen Kirche des Raums Olten und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach ins Leben gerufen. Der Kanton unterstützt das Pilotprojekt finanziell. An den Mittwochnachmittagen wurden die Kinder von der Sozialarbeiterin Nina Wüthrich und freiwilligen Helfern aus dem Quartier unterhalten. Das Ziel: Die angespannte Situation im Quartier Rankwog entschärfen.

«Es ist natürlich ein Prozess»

Doch ist das gelungen? «Die Spielnachmittage kommen bei den Quartierbewohnern gut an. Besonders die Kinder freuen sich jeweils sehr darauf», sagt Cornelia Dinh-Sommer, Sozialarbeiterin bei der katholischen Kirche Olten. Rund 40 Kinder pro Nachmittag nutzten das Angebot. Der Trimbacher Gemeindepräsident Martin Bühler bestätigt: «Wir haben viel positives Feedback bekommen.» Erfolgreich verlief die Pilotphase, meint auch David Bieli von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach. «Es ist natürlich ein Prozess, aber dieses kleine Projekt hat schon viel bewirkt.» Die Rankwog-Bewohner würden spüren, dass man sich um eine Lösung bemühe und Fortschritte mache.

Während die Kinder konzentriert die Stöcke mit ihrem sorgfältig drumgewickelten Schlangenbrot übers Feuer halten, sitzen drei Frauen aus dem Quartier etwas abseits und trinken Kaffee. «Wir sind jeden Mittwoch hier», sagt eine. Heute hat sie ihre Enkeltochter mitgebracht, sonst passt sie manchmal auf die Kinder der Nachbarin auf. Das Projekt sei gut, meinen alle drei. Doch: «Ein Nachmittag pro Woche, das ist gut und recht. Aber wir bräuchten jeden Tag ein solches Angebot.»

Die Probleme im Rankwog könne man so nicht lösen. «Man muss den Eltern beibringen, dass sie auf ihre Kinder schauen und sie erziehen müssen», sagt eine. Sie ist Mutter von zwei Buben. Zu oft habe sie erlebt, dass andere Kinder Spielsachen geklaut oder kaputtgemacht haben. «Manchmal erleichtern sie sich sogar auf dem Spielplatz.» Von der Gemeinde fühlen sich die Frauen im Stich gelassen: «Warum wurde hier nicht schon längst ein richtiger Spielplatz gebaut?», fragt eine und schüttelt den Kopf.

Pause während Wintermonaten

Gestern fand der Spielnachmittag zum vorerst letzten Mal statt. Gemeindepräsident Bühler sagt: «Wir werden nun evaluieren, wie das Projekt gelaufen ist, ob es den Eltern und den Kindern gefallen hat und was es für Verbesserungsmöglichkeiten gibt.» In zwei bis drei Monaten werden dann die Resultate den Quartierbewohnern vorgestellt. Während den Wintermonaten gebe es aber kein Angebot für die Kinder: «Es gibt natürlich jetzt eine längere Durststrecke», so Bühler. Wegen der Kälte sei es nicht möglich, die Nachmittage weiter auf der Spielwiese durchzuführen. «Und Innenräume haben wir keine.»

Sozialarbeiterin Dinh-Sommer — sie leitet auch die IG Rankwog — ist überzeugt, dass sich eine Lösung für die kalten Monate findet: «Bei der letzten Sitzung wurde uns bereits von einem Anwohner ein Angebot gemacht: Er würde den Kindern ein beheiztes Zelt aufstellen.» Darin könnten Erzähl- oder Spielnachmittage stattfinden. Auch ein Adventskalender im Quartier sei gewünscht. Das zeige, wie gross das Bedürfnis nach Beschäftigung und Unterhaltung für die Kinder sei. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Projekt weitergeht», so Dinh-Sommer.

Pro Spielnachmittag waren neben der Sozialarbeiterin Nina Wüthrich jeweils fünf Freiwillige aus dem Rankwog dabei. Eine davon ist Arieta Dema, die gerade mit einigen Mädchen Seilspringen übt: «Das Projekt ist eine sehr schöne Idee», sagt die Mutter einer neunjährigen Tochter. Sonst würden die Kinder den ganzen Tag drinnen sitzen. Sie hofft, das Angebot bleibe bestehen.