Seit dem 5. November gilt es im Grundwasserpumpwerk Aarenfeld Ernst: Der zweite Grosspumpversuch wurde lanciert. Er läuft noch bis zum 7. Dezember. In diesen 33 Tagen werden 370'000 Kubikmeter Wasser heraufgepumpt. Es wird mit zwei Pumpen aus dem Grundwasserspiegel auf die Oberfläche befördert und mit Rohrleitungen in die Aare bei Niedergösgen geleitet. Bis zu 10'000 Liter fliessen pro Minute durch die Leitungen. Nach jenem im August 2016 ist es bereits der zweite Versuch im Aarenfeld.

Die Ziele sind die gleichen wie 2016: Einerseits soll getestet werden, ob überhaupt genügend Trinkwasser heraufbefördert werden kann. Mit verschiedenen Mengen und Intervallen wurde experimentiert: In drei Schritten wurde die Förderleistung auf 10'000 Liter pro Minute gesteigert, in der letzten Phase wurde der Versuch jeweils für einen Tag unterbrochen. Am Mittwoch und Donnerstag liefen 6000 Liter pro Minute durch die Röhren, seither wird wieder eine Pause eingelegt.

Schutzzonen definitiv festlegen

Andererseits soll herausgefunden werden, wie gross der Trichter ist, der sich im Grundwasserspiegel bildet. «Wenn Wasser heraufgepumpt wird, entsteht dort ein Trichter, der vergleichbar ist mit dem kleinen Strudel, den es gibt, wenn man in der Badewanne das Wasser ablässt», erklärt Jörg Amsler dazu. Er ist der Präsident der Wasserversorgung Unteres Niederamt (WVUN), die das Pumpwerk dereinst betreiben wird. Wenn diese Grösse bekannt ist, können die Schutzzonen, die für das Pumpwerk errichtet werden müssen, definitiv festgelegt werden.

Insgesamt werden drei Schutzzonen um das Pumpwerk erstellt. In der innersten Zone, der Zone 1, darf nichts mehr gebaut werden. Es sind einzig Massnahmen für die Trinkwasserfassung selbst erlaubt. Sie wird eingezäunt und entspricht dem Areal des Werks. Zone 2 und 3 werden auf landwirtschaftlichem Boden errichtet. In der Zone 2 gilt ebenfalls ein Bauverbot. Dazu kommen ein Gülleverbot und ein eingeschränkter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. In der Zone 3 gelten auch gewisse Auflagen, aber eine ortsübliche landwirtschaftliche Nutzung ist laut Amsler möglich.

Im Rahmen des laufenden Pumpversuches wurden auch Messungen vorgenommen. Insgesamt wurden rund 120 Parameter im spezialisierten Labor untersucht. Amsler: «Laut dem zuständigen Geologen schnitten sie sehr gut ab.»

Bevor das Werk in Betrieb genommen werden kann, stehen noch einige andere Punkte auf dem Programm: Der Pumpversuch läuft noch knapp eine Woche. Dann wird eine Winterpause eingelegt. In dieser Phase sollen die noch anfallenden Arbeiten ausgeschrieben und Offerten eingeholt werden. Auf dem Areal wird nebst dem Brunnen das eigentliche Pumpenhaus entstehen: «Im Untergeschoss werden sich der Brunnen und die Druckausgleichsbehälter befinden, im Parterre die Steuerungsanlagen», blickt Amsler voraus. Wenn alles rund läuft, soll mit diesem Bau im Frühjahr begonnen werden. In Betrieb genommen soll das vier Millionen Franken teure Pumpwerk in einem Jahr– also im Herbst 2019.

Notwasserversorgung garantieren

Das Ziel des Pumpwerks Aarenfeld ist es, die zur WVUN gehörenden Gemeinden, derzeit sind es Gretzenbach und Schönenwerd, mit Grundwasser zu versorgen. Seit Herbst 2014 beziehen die beiden Niederämter Ortschaften ihr Grundwasser aus Aarau. «Der Bau des Eppenbergtunnels tangierte die Schutzzone des Schönenwerder Pumpwerks Spitzacker. Deshalb musste dieses im März 2015 stillgelegt werden», erläutert der WVUN-Präsident.
Wenn der Bau des Pumpwerks abgeschlossen ist, ist laut Amsler auch die Versorgung von weiteren Gemeinden in Notfällen möglich. Er spricht unter anderem von der Gemeinde Däniken, die sich für eine Notwasserversorgung interessiert. Auch die Aufnahme von weiteren Gemeinden in die öffentlich-rechtliche Organisation WVUN sei denkbar: «Das wäre dann eine Verhandlungssache.»